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Medientipp: Serious Game zur Sensibilisierung für Rechtsextremismus im Netz

Extremistische Gruppen verbreiten ihre Botschaften zunehmend über soziale Medien und versuchen, gezielt Jugendliche zu erreichen. Mit dem Unterrichtsspiel „Augen auf!“ erhalten Lehrkräfte ein wirkungsvolles Werkzeug, um Schülerinnen und Schüler für Manipulation und Propaganda im Netz zu sensibilisieren. Das Spiel fördert die Medienkompetenz, schafft Aufklärung über die Taktiken radikaler Gruppen und unterstützt eine kritische Auseinandersetzung im Unterricht – für einen modernen und präventionsorientierten Politik- oder Sozialkundeunterricht.

Das Serious Game wurde gezielt für den Einsatz im (Politik-)Unterricht entwickelt und richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 8. bis 10. Klassenstufe an allen weiterführenden Schulen. Bevor wir uns das Spiel genauer anschauen, wollen wir kurz die Frage klären, warum es sich lohnt, Serious Games im Unterricht einzusetzen.

Vorteile von Serious Games und Gamification im Unterricht

Serious Games sind Spiele, die nicht ausschließlich der Unterhaltung, sondern auch der Wissensvermittlung dienen. Sie kombinieren typische Spielelemente wie das Lösen von Rätseln, das Steuern von Charakteren oder eine ansprechende Spielumgebung mit Bildungsinhalten. Deshalb haben sich Serious Games und Gamification im Bereich der Bildung als äußerst effektive Werkzeuge erwiesen.

Durch den Einsatz von spielerischen Elementen werden Lerninhalte lebendiger und ansprechender gestaltet, was die Motivation und das Engagement der Lernenden steigert. Gleichzeitig fördern Serious Games das kritische Denken und die Problemlösungskompetenz der Schülerinnen und Schüler, da sie in interaktive Szenarien eintauchen und Entscheidungen treffen, die Konsequenzen haben. Insgesamt bieten Serious Games also die Möglichkeit, komplexe oder ernste Themen auf eine Weise zu behandeln, die für die Schülerinnen und Schülern nachvollziehbar und lebensnah ist.

„Augen auf!“ – Serious Game für den Unterricht

„Augen auf!“ ist ein von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit entwickeltes pädagogisches Computerspiel. Das Spiel kann von Lehrerinnen und Lehrern in allen Bundesländern kostenlos im Unterricht eingesetzt werden. Dafür ist eine einmalige Registrierung notwendig. Nach der Registrierung kann das Spiel heruntergeladen und installiert werden.

Zudem erhält man Zugriff auf die Handreichung, in der das Spiel didaktisch eingeordnet und der Spielablauf ausführlich erklärt wird. Zum Spielen werden mindestens 12 Schülerinnen bzw. Schüler benötigt, die in vier Gruppen eingeteilt werden. Für das Spiel und die Nachbesprechung sollten circa 90 Minuten eingeplant werden.

Inhalt des Spiels:

Der fiktive Influencer Constable Truth setzt sich für Naturschutz ein und teilt Videos zu diesem Thema auf einer fiktiven sozialen Plattform mit seiner Community. Im Verlauf des Spiels wird klar, dass Constable Truth in Wirklichkeit ganz andere Interessen vertritt: Er hetzt gegen Geflüchtete und verbreitet Verschwörungstheorien.

Die vier Spielgruppen nehmen jeweils eine andere Perspektive ein und erhalten demnach unterschiedliche Hintergrundinformationen. Dieser ungleiche Wissensstand führt dazu, dass die Gruppen unterschiedliche Entscheidungen treffen, die den Spielverlauf beeinflussen. Werden die Lernenden Constable Truth aufhalten oder wird er erst recht weitermachen?

Die Schülerinnen und Schüler lernen:

  • beim Medienkonsum genauer hinzusehen und hinzuhören
  • Fake News zu erkennen
  • Strategien von (rechts-)extremistischen Gruppen zu durchschauen
  • Nachrichten und Memes, die ihnen im Netz begegnen, nicht unreflektiert zu teilen
  • mehr Sensibilität für extremistische Sprache zu entwickeln
  • eigene Recherchen durchzuführen, wenn sie etwas nicht verstehen oder kennen

Nachbereitung:

Besonders wichtig ist die Nachbesprechung und Einordnung des Spiels. Nach Spielende sollte jede der vier Gruppen beschreiben, welche Aufgabe sie im Spiel hatte und welche Informationen ihr zur Verfügung standen. Ausgehend davon sollen im Spiel getroffene Entscheidungen und Konsequenzen diskutiert und reflektiert werden. Der in der Handreichung enthaltene Entscheidungsbaum kann ebenfalls hinzugezogen werden, um zu besprechen, an welchen Stellen die Gruppen anders hätten handeln können. Zum Schluss sollten die alternativen Enden des Spiels diskutiert werden.

Eine Zusammenfassung zum Inhalt und Ziel des Spiels kann man hier anschauen:

Einbettung im Unterricht

Das Spiel ist ausschließlich für den Einsatz im Unterricht gedacht und wird im Klassenverband gespielt, wobei die Lehrkraft die Spielleitung und damit die Führung durch das Spiel übernimmt. Sinn des Spiels ist also nicht, dass die Schülerinnen und Schüler das Spiel zuhause oder im Unterricht eigenständig spielen, da hier einerseits das Spielprinzip (4 Gruppen) nicht umgesetzt wird und andererseits keine Reflexion und Einordnung durch die Lehrkraft stattfindet. Am besten wird das Spiel per Beamer für alle sichtbar projiziert.

Dadurch, dass ein Spieldurchlauf einschließlich Nachbesprechung circa 90 Minuten dauert, eignet sich „Augen auf!“ ideal für eine Doppelstunde im Fach Politik bzw. Gemeinschaftskunde. Auch der Einsatz im Geschichtsunterricht ist denkbar, um die Parallelen zwischen historischer und aktueller Hasspropaganda zu analysieren.

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Über den Autor

Sebastian Röhniß

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