Als Beispiel haben wir den Israel-Palästina-Konflikt gewählt, an dem besonders eindrücklich sowohl historische Grundlagen als auch aktuelle Entwicklungen nachvollzogen werden können. Durch die erneute Aktualität dieses Konflikts sind in den Schulgemeinschaften viele Fragen zu dem Konflikt entstanden. Die Blog-Beiträge zur Konfliktanalyse geben eine Unterstützung zur Beantwortung dieser Fragen und bei der Versachlichung der Debatten.
Die Methode „Konfliktanalyse“
Die Methode der Konfliktanalyse gliedert sich in sechs Bereiche:
- Genese des Konflikts
- Akteure im Konflikt
- Interessen der Konfliktparteien
- Mittel zur Durchsetzung der Interessen
- Reaktionen der internationalen Gemeinschaft
- Lösungsansätze, Lehren, Konsequenzen
Diese Struktur lässt sich auf alle Konflikte anwenden und fördert die Urteilsbildung der Lernenden.
Konfliktanalyse Teil 1: Die Genese des Israel-Palästina-Konflikts
In diesem ersten Teil unserer siebenteiligen Konfliktanalyse geht es um die Genese des Israel-Palästina-Konflikts. Um den Konflikt in seiner Komplexität umfassend zu verstehen, ist es zunächst wichtig, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen.
Die Leitfrage ist hierbei „Wie ist der Konflikt geschichtlich entstanden?“.
Diese soll es den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, Konfliktursachen und Konfliktauslöser zu unterscheiden, und ihnen einen knappen historischen Abriss des Konflikts zum Verständnis der Positionen der Konfliktparteien geben.
Lesen Sie dazu auch auf unserem Reli-Ethik-Blog: „Kritik an Israel oder israelbezogener Antisemitismus – eine Gratwanderung“
Einbettung im Unterricht
Der vorliegende Unterrichtsimpuls eignet sich besonders gut als Unterrichtssequenz im Fach Sozialwissenschaften im Inhaltsfeld „Globale Konflikte/Friedenssicherung“
Einstieg in die Konfliktanalyse
Der Einstieg in die Unterrichtseinheit kann mithilfe eines Bildimpulses ähnlich der dargestellten Abbildung erfolgen.
Dieser Bildimpuls wird mit den Arbeitsaufträgen „Beschreibt die Abbildung“ und „Benennt, was euch über den Konflikt bekannt ist“ unterstützt. Durch diese Arbeitsaufträge werden die Lernenden zu einer Äußerung von Vor- und Vorausurteilen motiviert. Diese sind sehr wichtig und geben Hinweise auf notwendige Schwerpunktsetzungen im weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit. Gleichzeitig ist es möglich, den Wissensstand näher zu erfassen und diesen bei der weiteren Planung entsprechend zu berücksichtigen.

Erarbeitung des Konflikts
Die anschließende fachliche Erarbeitung kann mithilfe eines Bildimpulses, der die Entwicklung der Grenzverläufe zwischen Israel und palästinensischen Gebieten aufzeigt, angestoßen werden.
Die Lernenden beschreiben zunächst die Abbildung und bilden danach Hypothesen, welche Auslöser es für den Konflikt geben könnte (Impulsfrage: „Welche möglichen Konfliktursachen sind in der Abbildung zu sehen?“).
Antizipierte Antworten sind zum Beispiel: Ablehnung des Teilungsplans von 1947, Unabhängigkeitskrieg 1949, Sechstagekrieg 1967, Besatzung durch Israel, Vermischung israelischer und palästinensischer Selbstverwaltung, Auseinandersetzung um Jerusalem.

Wichtige historische Stationen des Israel-Palästina-Konflikts
Um die Hypothesen näher zu untersuchen, greifen die Lernenden auf Lexikoneinträge zu wichtigen historischen Stationen des Konfliktes zurück (siehe Kopiervorlage).
Im Anschluss daran verteilt ihr vorbereitete Lexikoneinträge zu wichtigen historischen Stationen des Konflikts an die Lerngruppe (siehe Kopiervorlage). Jeder Lexikoneintrag wird nach dem Zufallsprinzip doppelt vergeben. Zunächst wird das Material in Einzelarbeit erarbeitet. Anschließend finden sich Lernende mit dem gleichen Material zum Austausch zusammen. Durch dieses Element des kooperativen Lernens (think – pair – share) wird für eine gesteigerte Aktivität der Lernenden gesorgt. Durch den Ergebnisabgleich mit einer Partnerin oder einem Partner wird besonders die Beteiligung sonst eher zurückhaltender Lernender gestärkt.
Im Plenum werden dann die verschiedenen Stationen vorgestellt und gemeinsam geordnet. Alternativ bietet sich auch eine digitale Sammlung und Ordnung mittels Padlet/TaskCards an, die dann z. B. folgendermaßen aussehen kann: https://padlet.com/davidbeckeherm/genese_israel_palaestina_konflikt
Vertiefung der Analyse
Durch die Analyse der historischen Zusammenhänge haben sich für die Lernenden neue Fragen ergeben und sie haben erkannt, dass ihre Vor- und Vorausurteile zur Bildung von begründeten Sach- und Werturteilen nicht ausreichen. Zur weiteren Vertiefung ist es notwendig, die nächsten Schritte in der Konfliktanalyse zu gehen.
In Teil 2 der Konfliktanalyse wird es daher um die verschiedenen Akteure im Konflikt gehen.
In dem Themenheft „Friedenssicherung als nationale und internationale Herausforderung“ (https://www.klett.de/produkt/isbn/978-3-12-007579-0) finden Sie außerdem auch Material zur Konfliktanalyse des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine.


Vielen Dank für den Beitrag! Gern würde ich mir die Karte größer anschauen, doch leider gibt das die Auflösung nicht her. Ließe sich die verbessern? Toll wäre auch eine Lupenfunktion. Danke und Gruß!
Hallo Kathrin, vielen Dank für dein positives Feedback und für den Hinweis. Die Karte stammt aus unserem aktuellen Haack Weltatlas (https://www.klett.de/produkt/isbn/978-3-12-828700-3). Wenn du auf die Karte gehst und mit der rechten Maustaste „Bild in neuem Tab öffnen“ anwählst, solltest du die Karte gut lesen und auch vergrößern können. Für eine noch bessere Auflösung empfiehlt sich natürlich der Haack im Original – mit dieser und mehr als 500 weiteren aktuellen Karten :-) Wir hoffen, das hilft dir weiter, dein Gewi-Blog-Team.
Liebes Autorenteam,
danke für die super Konfliktanalyse! Gibt es schon einen Zeitraum, wann die Teile 4-6 veröffentlicht werden?
Danke und Gruß!
Hallo und vielen Dank für das Lob!
Der 4. Teil erscheint voraussichtlich morgen und dann geht es im April und Mai weiter.
Schönen Gruß aus der Redaktion.
Müsste man, um die Genese des Konflikts zu verstehen, nicht schon bei der arabischen Revolte, sowie den diversen zionistischen Bewegungen vor 1947 beginnen und den Konflikt dann im Kontext der Unabhängigkeitsbewegungen (z.B. Indien, Algerien) und des Kalten Krieges (z.B. nationale und geopolitische Interessen der BRD) kontextualisieren?
Wie wäre es außerdem, das dualistische jüdisch-arabische Konfliktnarrativ aufzubrechen und um weitere jüdische und arabische Perspektiven zu erweitern (z.B. um „An Impossible Friendship: Group Portrait, Jerusalem Before and After 1948“ von Sonja Mejcher-Atassi )?
Hallo Laura,
mit Sicherheit wäre die Erweiterung der Konfliktanalyse hinsichtlich historischer Zeiträume und weitergehender Kontextualisierung eine Möglichkeit, um ein noch detaillierteres Bild zu zeichnen. Da die Blog-Beiträge jedoch auf eine schnelle Umsetzbarkeit im Unterricht zielen und die Zeit stets begrenzt ist, haben wir uns dafür entschieden, den Fokus auf die hauptursächlichen Konfliktlinien zu legen.
Die Anregungen nehmen wir aber gerne auf.
Mit besten Grüßen
David Beckeherm