In der Oberstufe werden im Fach Sozialwissenschaften bzw. Politik-Wirtschaft Bedingungen von Krieg und Frieden sowie internationalen Konflikten analysiert. Um anhand eines konkreten Beispiels das theoretische Wissen anzuwenden, eignet sich die Methode der Konfliktanalyse.
Als Beispiel haben wir den Israel-Palästina-Konflikt gewählt, an dem besonders eindrücklich historische Grundlagen als auch aktuelle Entwicklungen nachvollzogen werden können. Durch die erneute Aktualität dieses Konflikts seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 sind in den Schulgemeinschaften viele Fragen entstanden. Die Blog-Beiträge zur Konfliktanalyse geben eine Unterstützung zur Beantwortung dieser Fragen und bei der Versachlichung der Debatten.
Konfliktanalyse Teil 6: Lösungsansätze, Lehren, Konsequenzen
Im vorletzten Teil unserer siebenteiligen Konfliktanalyse wird es um Lösungsansätze des Israel-Palästina-Konflikts gehen. Im Mittelpunkt steht die Zweistaatenlösung, die wohl am häufigsten diskutiert und von vielen Beobachtenden als einzige Möglichkeit für dauerhaften Frieden gesehen wird. Gleichwohl muss vorweggenommen werden, dass auch dieser Lösungsweg im April 2024 im Zuge der israelischen Offensive oder auch der Angriffe des Irans als äußerst unrealistisch erscheint.
Die Frage der Lösung des Konflikts ist äußerst komplex und kann hier sicher auch nur skizziert werden. Die Leitfrage dieses Materials lautet also: „Wie lässt sich der Konflikt lösen?“
Einstieg
Der Einstieg in die Unterrichtseinheit kann mithilfe der Leitfrage erfolgen. Hier können die Schülerinnen und Schüler zunächst eigene Ideen einbringen und es ist sicher anzunehmen, dass unter diesen Vorschlägen auch die Zweistaatenlösung ist. Diese Abfrage kann z. B. in Form einer Mentimeterabfrage erfolgen. Alternativ ist es möglich, mit einem Bildimpuls zu starten oder einem aktuellen Bericht, in dem verdeutlicht wird, dass die Forderungen nach einer Zweistaatenlösung wieder lauter werden (z.B. Tagesschau vom 22.01.2024)
Durch diese Einstiegsmöglichkeiten werden die Lernenden mit der Idee einer Zweistaatenlösung vertraut gemacht bzw. können sich grundsätzlich mit Bedingungen auseinandersetzen, die für eine Lösung des Konflikts notwendig sind.
Bedingungen einer Zweistaatenlösung
Im Anschluss erfolgt die Arbeit mit dem Material auf der Kopiervorlage, welches allerdings keine „fertige“ Lösung präsentiert, sondern vielmehr Gelingensbedingungen, die erfüllt sein müssten (siehe M1 auf der Kopiervorlage). Kern des Materials ist die Zweistaatenlösung, da diese der gängigste Lösungsansatz ist. Weitere Lösungsansätze können z. B. in Form von Referaten erarbeitet werden, etwa die jeweilige Ein-Staat-Lösung oder auch Vorschläge wie die Schaffung von mehr Autonomie für die Palästinenser.
Das Material soll neben den vorangegangenen Beiträgen einen Eindruck davon vermitteln, warum eine Lösung des Konflikts so schwierig und aktuell wohl auch sehr unrealistisch ist.
Möglicherweise werden schon im Rahmen der Sicherungsphase erste kritische Rückmeldungen geäußert, diese können als Überleitung zur zweiten Phase dienen, in der noch einmal in den Blick genommen werden soll, wer Befürworter und wer Gegner der Zweistaatenlösung sind (siehe M2 auf der Kopiervorlage). Dieser Teil kann sehr gut in Partnerarbeit bearbeitet und anschließend zusammengebracht werden (Think – pair – share).
Vertiefung/Abschluss der Konfliktanalyse
Als Abschluss der gesamten Sequenz bieten sich verschiedene Verfahren an. Möglich ist die Simulation einer Friedenskonferenz unter Beteiligung der UN oder EU als Vermittler. Ein Planspiel dazu findet sich auf der Seite der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.
Alternativ kann die Komplexität des Konflikts sowohl aus israelischer als auch aus palästinensischer Sicht sehr gut mit dem Computerspiel PeaceMaker verdeutlicht werden. In diesem Spiel übernimmt man die Regierungsverantwortung auf einer der beiden Seiten. Spielziel ist die Zweistaatenlösung. Auch wenn das Spiel schon etwas älter ist, gewinnt man sehr schnell einen Eindruck davon, wie schwierig es ist, allen Interessen in dem Konflikt gerecht zu werden.
Hinweis: Das Spiel ist auf Englisch und leider nicht mehr für Android-Geräte verfügbar.
Abschließende Hinweise
Die Methode der Konfliktanalyse gliedert sich in sechs Bereiche:
- Genese des Konflikts
- Akteure im Konflikt
- Interessen der Konfliktparteien
- Mittel zur Durchsetzung der Interessen
- Reaktionen der internationalen Gemeinschaft
- Lösungsansätze, Lehren, Konsequenzen
Diese Struktur lässt sich auf alle Konflikte anwenden und fördert die Urteilsbildung der Lernenden.
Die Lehrkraft kann das Material dieser Konfliktanalyse auf verschiedene Art und Weise im Unterricht einsetzen. Einerseits kann das Material mit der ganzen Lerngruppe nach und nach erschlossen werden. Alternativ bietet sich eine arbeitsteilige Herangehensweise an, in der einzelne Gruppen Teilaspekte der Konfliktanalyse übernehmen. Es hat sich auch bewährt, mithilfe des Materials produktionsorientiert zu arbeiten und z. B. einen Podcast oder ein vergleichbares Produkt im Unterricht zu erstellen.
Insgesamt ist auch wichtig festzuhalten, dass ggf. ergänzt werden muss, da der Konflikt sich fortlaufend weiterentwickelt und hochdynamisch ist.


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