Das Projekt „bundestagswahl.ai“
Laut Max Mundhenke, dem Initiator des Projekts „bundestagswahl.ai“, liegt eine Stärke der Künstlichen Intelligenz (KI) darin, komplexe Sachverhalte in ihrer Komplexität zu reduzieren. So werden Inhalte verständlicher und leichter zugänglich. Was liegt da näher, als diese Stärke der KI auf die Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl anzuwenden. In dem Projekt wurden zunächst die offiziellen Wahlprogramme der Parteien in ChatGPT eingespeist und zusammengefasst. Anschließend wurde ChatGPT die Aufgabe gestellt, pro Partei ein Bild zu generieren, dass unsere Zukunft zeigt (Annahme: die Ideen und Forderungen der einzelnen Wahlprogramme werden zu 100% umgesetzt). Daraus entstanden zum Teil sehr unterschiedliche Bilder, aus denen einige Kernthemen der einzelnen Wahlprogramme ablesbar sind. Eine Thematisierung gerade im Bereich Stadtgeographie bietet sich daher an.
Interessant ist auch, dass ChatGPT nicht explizit nach Stadtansichten gefragt wurde. Die KI wählte selbstständig die Darstellung von Städten aus, um die verschiedenen Zukunftsvisionen unserer Gesellschaft zu visualisieren. Wieso folgt die KI der Annahme „Gesellschaft = Stadt“? Ebenfalls eine Frage, die für die Human- bzw. Stadtgeographie interessant ist, aber auch auf technischer Ebene Einblicke in die Arbeitsweise von Künstlicher Intelligenz zulässt.
Zusätzlich findet sich auf der Website von „bundestagswahl.ai“ der Link zu einem CustomGPT. Dieser ist bereits mit den Inhalten der Wahlprogramme gespeist und kann mithilfe eines eigenen ChatGPT-Accounts kostenlos genutzt werden. Wer also mit seinen Schülerinnen und Schülern selbstständig eigene Bilder zu den Bundestagswahlprogrammen der Parteien generieren oder den Chatbot andere Fragen mit Bezug auf die Wahlprogramme (z.B. Klimaschutz, Migration etc.) stellen möchte, kann diesen nutzen.
ACHTUNG: Es wird seitens „bundestagswahl.ai“ explizit darauf verwiesen, dass aus den generierten Bildern oder Antworten des CustomGPT keine Wahlempfehlungen abzuleiten sind. Diesem Hinweis möchten wir uns als GeWi-Blog-Redaktion ausdrücklich anschließen. ChatGPT macht Fehler und der Output der Chatbots sollte in jedem Fall kritisch überprüft werden. Gesicherte und neutrale Informationen zu den Bundestagswahlprogrammen findet ihr z. B. auf den offiziellen Webseiten der Parteien, der Bundeszentrale für politische Bildung oder dem Wahl-O-Mat. Die entsprechenden Links findet ihr ebenfalls auf „bundestagswahl.ai“.

Zeichnung zum Thema „Lebenswerte Stadt der Zukunft“ aus einem Klett-Schulbuch für die Klassenstufen 5/6
(Quelle: Ernst Klett Verlag GmbH; Abbildung: Liliane Oser, Hamburg)
Einbettung im Unterricht
Die generierten Bilder von „bundestagswahl.ai“ lassen sich am besten in höheren Jahrgängen im Themenkomplex „Verstädterung und Stadtentwicklung“ (Stadtgeographie) einsetzen. Aber auch schon in jüngeren Jahrgangsstufen lässt sich das Thema sinnvoll einbinden – z. B. im Themenkomplex „Leben in der Stadt und Leben auf dem Land“.
Unterrichtsvorschlag für die Klasse 5-10:
Einstieg:
Betrachtet gemeinsam die Zeichnung, die eine Vision für eine Stadt von morgen zeigt (siehe Klett-Zeichnung im Beitrag).
Entwickelt davon ausgehend eigene Wunschvorstellungen für eure Stadt der Zukunft.
Erarbeitung:
Wählt eine der folgenden Möglichkeiten aus, um eure Zukunftsvision darzustellen:
Erstellt ein Poster, eine Collage, eine Zeichnung, eine Karte oder verfasst eine Geschichte, ein Interview oder Radionachrichten aus der Zukunft.
Vergleicht eure eigene Zukunftsvision mit einem der generierten KI-Bilder von „bundestagswahl.ai“.
Nennt Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Ausstieg / Sicherung:
Die Schülerinnen und Schüler stellen ihre eigenen Zukunftsvisionen und Vergleiche mit den KI-Bildern vor. Anschließend werden die Lernenden angeleitet, die generierten KI-Bilder mithilfe der Wahlprogramme zu überprüfen und Vor- und Nachteile von KI in Bezug auf den Einfluss von Wahlentscheidungen zu beurteilen. Hierzu ist eine abschließende Diskussion in der Klasse möglich.
Unterrichtsvorschlag für die Klasse 10-13:
Einstieg:
Nennen Sie Gründe für die existenzielle Notwendigkeit, den „Lebensraum Stadt“ nachhaltig zu gestalten.
Erarbeitung:
Führen Sie die Methode „Zukunftswerkstatt“ zum Thema „Nachhaltige und lebenswerte Stadt“ durch:
aus Fundamente (ISBN: 978-3-12-104540-2), S. 476/477
- Vorbereitung (Plenum)
– Auswahl des Problemfeldes „Nachhaltige Stadt“ mit Einstiegsdiskussion
– Klärung der Rahmenbedingungen (Material, Räumlichkeiten, Zeitbudget, Ziele) - Kritikphase (Plenum)
– Präzise Kritik gegenwärtiger Missstände und ungelöster Probleme („Was stört Sie? Was kritisieren Sie? Worüber empfinden Sie Wut und Empörung?“)
– Bildung thematischer Schwerpunkte und klare, schriftlich fixierte Problemformulierung - Fantasie- und Utopiephase (Kleingruppen)
– Suche nach positiven Alternativen zu jedem Kritikpunkt; Ideensammlung unter der Vorgabe, alle Macht und ausreichend Finanzmittel zu haben
– Entwicklung von Vorschlägen zur Problemlösung ohne Rücksicht auf Vorschriften, ökonomisch oder soziale Zwänge
– Ausarbeitung eines umfassenden Zukunftsbildes, eines „utopischen Entwurfs“
– Präsentation des Gruppenergebnisses in anschaulicher Form im Plenum (z. B. Wandzeitung, Collage, Modell, Comic …) - Realisierungs- und Umsetzungsphase (Plenum)
– Konfrontation der utopischen Entwürfe mit der Realität (z. B. Einfluss von Staat, Wirtschaft und Verkehrslobby oder sonstigen Interessengruppen)
– Entwicklung von Durchsetzungsstrategien (z. B. Suche nach Möglichkeiten, das individuelle Verkehrsverhalten, die Entwicklung des ÖPNV oder Positionen der Automobilindustrie im Sinne der positiven Entwürfe zu beeinflussen)
– Planung eines gemeinsamen realisierbaren Projekts
– Frage nach möglichen Beiträgen des Einzelnen (z. B. Mitwirkung in einer lokalen Interessengruppe), der Schule, der Politik, von Betrieben und Verbänden, von Wissenschaft und Kirche - Nachbereitungsphase
– Reflexion der Methode und des Vorgehens
– Überprüfung von Aufwand und Ertrag (z. B. persönlicher Zugewinn in der Urteils- oder Kommunikationskompetenz)
Vergleichen Sie die im Plenum entstandene Zukunftsvision mit den generierten KI-Bildern von „bundestagswahl.ai“ und beurteilen Sie, ob es sich bei den KI-generierten Bildern um „utopische Entwürfe“ oder realisierbare Vorhaben handelt.
Ausstieg / Sicherung:
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren im Plenum über Umsetzbarkeit von Utopien und Wahlprogrammatiken. Außerdem werden die Lernenden angeleitet, die generierten KI-Bilder mithilfe der Wahlprogramme zu überprüfen und Vor- und Nachteile von KI in Bezug auf den Einfluss von Wahlentscheidungen zu beurteilen. Ebenfalls ist hier eine abschließende Diskussion dazu im Kurs möglich.


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