Das Oktoberfest-Attentat
Am 26. September 1980 um 22.19 Uhr explodierte am Haupteingang zum Münchener Oktoberfest eine Bombe. Viele Menschen befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Heimweg. So wurden 13 Personen getötet und 211 durch die Druck- und Hitzewelle sowie Metallsplitter zum Teil schwer verletzt. Es gab weder vor noch nach der Tat ein Bekennerschreiben, aber der militärische Sprengstoff deutete auf einen Terroranschlag hin. Unter den Toten befand sich der 21-jährige Student Gundolf Köhler, der aufgrund seiner Verletzungen als Bombenleger identifiziert wurde. Bei der Überprüfung Köhlers stellte sich heraus, dass er Kontakte zu der rechtsextremistischen Wehrsportgruppe des Neonazis Karl-Heinz Hoffmann hatte.
Einzeltäter oder organisierter Rechtsterrorismus?
Obwohl es Hinweise auf Mittäter gab, verfolgten die Ermittlungsbehörden diese Spuren nicht weiter. Stattdessen stützten sie sich auf die Aussage eines einzelnen Zeugen, der Köhler als einen sozial isolierten, hasserfüllten Einzeltäter mit Selbstmordabsichten beschrieb. Der Generalbundesanwalt stellte daraufhin am 6. November 1982 das Verfahren ein. Erst die Recherchen eines Opferanwalts und eines Journalisten deckten die engen Bezüge Köhlers zur Wehrsportgruppe Hoffmann auf, die heute als Keimzelle des bundesdeutschen Rechtsterrorismus gilt und bereits im Januar 1980 als verfassungsfeindlich verboten worden war. Die Recherchen, die insbesondere durch den Spielfilm „Der blinde Fleck“ große Aufmerksamkeit bekamen, führten 2014 zu einer Wiederaufnahme der Ermittlungen. Am Ende bewertete der Generalbundesanwalt die Tat neu: „Gundolf Köhler handelte aus einer rechtsextremistischen Motivation heraus.“
Im Folgenden findet ihr einen Unterrichtsimpuls, der das Thema in Form einer Gruppenarbeit aufgreift. Über den Link zur kostenlosen Kopiervorlage könnt ihr das Thema zudem in Einzelarbeit erschließen lassen.
Einbettung im Unterricht
Unterrichtsziele
Die Schülerinnen und Schüler …
- … erkennen die Kontinuität des Rechtsextremismus und rechtsterroristischer Anschläge in Deutschland von 1945 bis heute,
- … vergleichen, wie Staat und Gesellschaft auf den Rechtsterrorismus beim Oktoberfest-Attentat sowie der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) reagiert haben,
- … beurteilen, welche Gefahr vom Rechtsextremismus bis heute ausgeht.
Kooperative Erschließung
Einstieg
Die Schülerinnen und Schüler berichten mithilfe des Materials D1 über ihr Vorwissen zu rechtsextremistischen Anschlägen in Deutschland. (Alternativ: Die Schülerinnen und Schüler sehen gemeinsam den Spielfilm „Der blinde Fleck“.)
Erarbeitung
Die Schülerinnen und Schüler lesen gemeinsam den Einstiegstext dieses Unterrichtsimpulses.
Sie teilen sich in fünf Arbeitsgruppen zu folgenden Themen auf:
- Die Täter und ihr politischer Hintergrund,
- Behördliche Ermittlungen,
- Reaktionen aus Staat und Politik,
- Aufklärung und Opfer
- Gedenkkultur
Sie erarbeiten die Schwerpunkte mithilfe des Beitrags im Historischen Lexikon Bayerns sowie eigener Recherchen.
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Oktoberfest-Attentat_(26._September_1980)
Sicherung
Die Arbeitsgruppen fassen ihre Ergebnisse in einer von ihnen gewählten Präsentationsform (PowerPoint, Plakat, Lernvideo, …) zusammen und stellen sie sich gegenseitig im Gallery Walk (Methode Galeriegang) vor.
Schlussdiskussion
Gemeinsame Schlussdiskussion zu der Frage: Welche Gefahr ging und geht vom Rechtsextremismus damals und heute aus?
D1 Rechtsextremistische Gewalttaten 1950 bis 2020 (Auswahl)

Erschließung in Einzelarbeit
Kostenlos zum Download:
Kopiervorlage – Vor 45 Jahren: Anschlag auf das Oktoberfest in München
Kopiervorlage – Vor 45 Jahren: Anschlag auf das Oktoberfest in München (Lösung)


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