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Die Demokratiemaschine – ein kreativer Unterrichtsimpuls

Stellt euch vor, die Demokratie wäre eine Maschine. Wie würde sie aussehen? Wer betreibt sie? Was produziert sie? Mit dieser Aufgabenstellung könnt ihr eure Lernenden auf kreative Weise motivieren, sich mit dem Thema Demokratie und ihrer eigenen Rolle in der Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Viele Vorstellungen existieren in unseren Köpfen eher als Bilder statt als abstrakte Begriffe. Bilder helfen uns, komplexe Themen anschaulich und greifbar zu machen. Gerade in der politischen Bildung ist es daher sinnvoll, mit Bildern bzw. Metaphern zu arbeiten, um die individuellen Vorstellungen der Lernenden herauszuarbeiten und an diese im Unterricht aktiv anzuknüpfen.

Warum eine Demokratiemaschine?

Grundlegend dabei ist nach Möller (2019) der Ansatz, dass die Lernenden mit ihren eigenen Vorstellungen auch Akteure der politischen Bildung sind und es ein Wechselspiel zwischen Individuum und Gesellschaft gibt: Zum einen werden die Ansichten der Lernenden von gesellschaftlichen Normen geprägt, zum anderen haben sie als mündige Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, diese gesellschaftlichen Strukturen im Alltag mitzugestalten. Die Idee der Demokratiemaschine kann dabei helfen, ein Bewusstsein für dieses Wechselspiel zu schaffen und den Lernenden zu vermitteln, dass ihre Meinung zählt.

Einbettung im Unterricht

Der folgende Unterrichtsablauf ist für eine Doppelstunde (90 Minuten) konzipiert. Die Methode lässt sich jedoch beliebig abwandeln bzw. abkürzen, indem z.B. die Zeichenphase als Hausaufgabe erfolgt oder die Diskussion direkt in der gesamten Lerngruppe stattfindet.

Auch die Anknüpfungspunkte können unterschiedlich sein. So kann die Methode direkt zum Einstieg in eine größere Unterrichtsreihe zum Thema Demokratie und Partizipation zum Einsatz kommen. Alternativ lässt sie sich gut direkt nach der Einführung der Gewaltenteilung anschließen; also erst nachdem herausgearbeitet wurde, dass die Macht in einer Demokratie nicht in den Händen eines Einzelnen oder Weniger liegen darf und dass Gesetze der Gegenstand (bzw. der „Motor“) für unser Gemeinwesen („die Maschine“) sind. Oder ihr geht von Artikel 20 GG aus und lasst eure Lernenden dann ihre Demokratiemaschinen zeichnen.

  1. Einstieg (ca. 10 Minuten): Bittet eure Lernenden zur ersten Aktivierung darum, alles aufzuschreiben, was ihnen zur Demokratie einfällt (ca. 3-5 Minuten). Dies kann entweder ganz klassisch auf Papier oder direkt interaktiv mithilfe eines Wortwolke-Tools erfolgen (z. B. https://livecloud.online/de/wordcloud oder https://www.mentimeter.com/de-DE/features/word-cloud). Die Auswertung kann sich auf das Klären von Verständnisfragen oder schwierigen Begriffen konzentrieren. Ggf. kann es auch sinnvoll sein, dass ihr zentrale fehlende Begriffe noch ergänzt, die zum demokratischen Grundgerüst dazugehören.
  2. Arbeitsauftrag (ca. 5 Minuten): Nun sollen die Lernenden ihre Demokratiemaschinen zeichnen: „Stellt euch vor, die Demokratie wäre eine Maschine. Wie würde sie aussehen? Zeichnet eure Demokratiemaschine.“ Ziel ist, dass die Jugendlichen ganz frei ihre subjektiven Vorstellungen von Demokratie zu Papier bringen. Teilt ggf. Blankopapiere aus. Folgende Impulse können den Arbeitsauftrag begleiten:
    – Antrieb: Wer oder was sorgt dafür, dass die Maschine läuft?
    – Produkt: Was „produziert“ die Demokratiemaschine eigentlich?
    – Prozess: Wie funktioniert die Maschine?
    – Beteiligung: Wie wirken die Menschen in diesem Produktionsprozess mit?
  3. Zeichenphase und Reflexion (ca. 15 Minuten): Die Lernenden zeichnen ihre Demokratiemaschine, entweder im Unterricht oder als Hausaufgabe. Sinnvoll ist es, die Zeichnung beschriften oder einen kurzen Begleittext schreiben zu lassen, um die nachfolgende Präsentation und Interpretation zu erleichtern.
  4. Präsentation und Interpretation in Kleingruppen (ca. 15 Minuten): Teilt die Klasse nun in Kleingruppen auf. In dieser Kleingruppe erfolgt die erste Präsentation und Interpretation der Demokratiemaschinen. Mögliche Leitfragen:
    – Was fällt euch auf?
    – Gibt es auffällige Gemeinsamkeiten oder Unterschiede in den verschiedenen Zeichnungen?
    – Wirken die Zeichnungen eher positiv oder eher negativ, strukturiert oder chaotisch, abschreckend oder motivierend?
  5. Präsentation und Interpretation in der Klasse (ca. 20 Minuten): Nach der Gruppenarbeit stellen einzelne Lernende ihre Demokratiemaschine vor und berichten von den Rückmeldungen der Gruppenmitglieder. Die anderen Lernenden kommentieren die Deutungen und ergänzen ggf. weitere Ideen.
  6. Diskussion und Abschluss (20 Minuten): Abschließend lohnt sich die gemeinsame Diskussion im Plenum. Mögliche Leitfragen:
    – Welche Ideen haben euch besonders gut gefallen und warum?
    – Welche Bereiche der Demokratie lassen sich gut als Maschinenelemente beschreiben, welche nicht so gut?
    – Worauf kommt es an, damit die Demokratiemaschine auf lange Sicht funktioniert?
    – Ist es überhaupt sinnvoll, die Demokratie als Maschine zu begreifen?
    – Welche anderen Bilder oder Metaphern könnten Demokratie noch anschaulich machen?

Schön wäre natürlich, ihr könntet die Demokratiemaschinen abschließend im Klassenraum aufhängen. Vielleicht könnt ihr euch sogar mit den Kunst-Lehrerinnen oder Lehrern zusammentun und die Zeichnungen dort über längere Zeit bearbeiten und verfeinern lassen?

In jedem Fall sollten die Lernenden ihre Zeichnungen gut abheften, damit sie ggf. zum Abschluss der Unterrichtsreihe – wenn sie mehr über Demokratie, Prozesse, Verfassungsorgane etc. gelernt haben – wieder hervorgeholt werden können. Wie haben sich die Vorstellungen der Lernenden nach dem gemeinsamen Lernprozess verändert? Dazu sichten alle ihre zu Beginn gezeichneten Demokratiemaschinen und überlegen, wie sie diese nun verändern oder ergänzen möchten. Zusätzlich bietet es sich als abschließender Arbeitsauftrag an, dass die Lernenden eine „Bedienungsanleitung“ zu ihrer Maschine verfassen.

Kostenlos zum Download

Ihr möchtet Zeit bei der Unterrichtsvorbereitung sparen? Dann nutzt zur Visualisierung des Unterrichtsablaufs einfach unsere vorbereiteten Präsentationsfolien. Die Folien sind editierbar und somit flexibel an eure Bedürfnisse anpassbar.

Quellen zur „Demokratiemaschine“

Haarmann, Moritz-Peter/Lange, Dirk: Die Demokratiemaschine. Ein Weg zur Erhebung von Schülervorstellungen, in: Polis 3 (2009), S. 21-24

Möller, Lara: Methodische Zugänge zur Stärkung des Demokratiebewusstseins. In: Forum Politische Bildung (Hg.): Demokratiebewusstsein stärken. Informationen zur Politischen Bildung, Heft 44, 2019, S. 49-58

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Über die Autorin

Verena Schampaul

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