Kinderrechte sind wichtig, gesetzlich verankert und eine Chance für die Demokratiebildung. Trotzdem sind sie im Unterricht oft nur ein trockenes Pflichtprogramm. Hier kommt ein Vorschlag für einen motivierenden problemorientierten Ansatz – inklusive einer kostenlosen digitalen Tafelbild-Vorlage.
Kinderrechte sind in vielen Bildungsplänen und Curricula verankert und bieten die Chance, demokratiepädagogisch zu arbeiten. Allerdings wird diese Chance oft vertan und am Ende der Unterrichtseinheit verbinden Schülerinnen und Schüler mit dem Stichwort Kinderrechte nur eine Liste oder das vage Gefühl, dass Kinder eben auch Rechte haben – wobei es diesbezüglich vor allem in ärmeren Ländern Nachholbedarf gibt, zum Beispiel aufgrund von bestehender Kinderarbeit.
Kinderrechte – nur eine Liste?
Damit Kinderrechte nicht nur als Liste im Klassenraum hängen und das genannte vage Gefühl hinterlassen, plädiere ich für einen problemorientierten und vor allem lebensweltbezogenen Ansatz. Was also hat diese abstrakte Liste von Rechten mit meiner Klasse zu tun? Um diese Verbindung herzustellen, nutze ich gerne Szenarien aus dem Alltag der Kinder und Jugendlichen.
Kinderrechte einmal anders: problemorientiert und alltagsnah
- Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die schulischen Themen oder Sorgen der Lernenden als Einstieg in das Thema Rechte aufzugreifen. Provokante Fragen meinerseits, wie zum Beispiel, ob Hausaufgaben wohl gegen die Kinderrechte verstoßen, motivierten sofort alle im Klassenraum die Kinderrechte und ihre Bedeutung unter die Lupe zu nehmen. Dazu legten wir an der Tafel eine Tabelle an: Name des Rechts, Bedeutung, Bezug zu Hausaufgaben.
- Ein anderes Beispiel: Eine Klasse 7 machte sich Sorgen, wie es ihnen im nächsten Schuljahr ergehen wird, wenn sie vier Tage Nachmittagsunterricht haben werden. Es entstand eine hitzige Diskussion, ob das „Recht auf Ruhe, Freizeit und Spiel“ mit diesem schulischen Pensum zu vereinbaren sei. Die Lernenden formulierten ein Schreiben an die Schulleitung, um den Umfang von Hausaufgaben an den langen Tagen zu begrenzen, und argumentieren mit ihren Rechten.
Zur Erarbeitung der Kinderrechte-Liste könnt ihr die folgende digitale Tafelbild-Vorlage (PowerPoint-Präsentation) nutzen. Sie zeigt die Kinderrechte zum einen komplett, zum anderen könnt ihr damit jedes Kinderrecht nach und nach einblenden und mit eurer Klasse besprechen.
Nachdem die Liste der Rechte erarbeitet ist und beispielsweise hübsche Plakate den Klassenraum dekorieren, bietet es sich an, Auszüge aus dem jährlich erscheinenden Kinderreport des Deutschen Kinderhilfswerkes zu lesen und kritisch zu prüfen, ob die Wahrnehmung, dass hierzulande alles passt, wirklich stimmt.
Wurden gerade die Themen Jugendschutz oder Jugendarbeitsschutz behandelt, kann man diese konkreten deutschen Gesetze neben die Liste der Kinderrechte legen und Verbindungen und Gemeinsamkeiten suchen.
Weitere Ideen
- Gibt es konkrete Vorhaben im Umfeld der Schule zur Neugestaltung von Plätzen oder Straßen? Manchmal muss man als Lehrkraft ein bisschen graben, um solche Informationen zu finden. Aber es lohnt sich, bei den lokalen Parlamenten in die Tagesordnung oder die Protokolle zu schauen, die vielfach heute online zu finden sind. Dann kann man auf die Suche gehen, ob und wie hier die Interessen von Kindern und Jugendlichen gewahrt und inwieweit sie bei diesen Entscheidungen angehört wurden. Haben die Schülerinnen und Schüler konkrete Einwände gegen die Pläne, kann man das System sogar real auf die Probe stellen und eine Anfrage an die zuständigen Stellen schicken.
- Zu guter Letzt sind Kinderrechte eine tolle Gelegenheit für fächerverbindenden Unterricht. Praxisbeispiele und ganz konkrete Ideen finden sich zum Beispiel auf www.juniorbotschafter.de


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