„Deutschlands bekanntester See trocknet aus“ – so titelte Anfang April 2025 eine deutsche Boulevardzeitung. Was steckt hinter dieser Prognose? Und kann der Atlas helfen, diese Aussage zu überprüfen?
Klimawandel und Wetter
Frühjahr 2025: Wassermangel im Bodensee, massive Trockenheit in Deutschland und heftige Niederschläge mit Überschwemmungen in Südeuropa. Wird Deutschland immer trockener? Gibt es heute mehr Wetterextreme als früher? Oder bewegen sich die Beobachtungen aktueller Entwicklungen tatsächlich noch im Rahmen normaler Schwankungen? Mit dem Atlas und aktuellen Forschungsergebnissen können Schülerinnen und Schüler die Auswirkungen des Klimawandels auf das Wetter erkennen und verstehen.
Wie trocken ist es in Deutschland?
Das Wort Dürre kann missverständlich sein. Wenn man sich wissenschaftlich damit auseinandersetzt, kann ein Boden auch dann dürr sein, wenn er an der Oberfläche feucht ist. Nähere Informationen hierzu bietet die Website des Dürremonitors Deutschland sowie dieser GeWi-Beitrag. Entwickelt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) liefert der Dürremonitor täglich aktualisierte Daten zur Bodenfeuchte und zeigt, wie sich Trockenperioden räumlich und zeitlich entwickeln. Und hier geht es zur Website:
Farbcodierte Karten
Für den Dürremonitor wird die Bodenfeuchte bis zu einer Tiefe von 1,80 m gemessen, um ein ganzheitliches Bild des Zustands des Bodens zu liefern. Erst wenn die Bodenfeuchte weniger als ein Fünftel des langjährigen Mittelwertes beträgt, wird ein Boden als dürr bezeichnet. Basierend darauf wird die sogenannte Dürremagnitude berechnet, die mehrere Faktoren wie die Dauer der Trockenheit, die geographische Lage und die Abweichung vom Normalzustand berücksichtigt. Die Ergebnisse werden durch farbkodierte Karten dargestellt:
- Das dunkelste Rot (außergewöhnliche Dürre) zeigt, dass der Boden so trocken ist wie in nur 2 % der Fälle zwischen 1951 und 2015.
- Das helle Gelb (ungewöhnliche Trockenheit) bedeutet, dass die Bodenfeuchte so niedrig ist wie in 30 % der Fälle im gleichen Zeitraum. Im Atlas findet sich dazu eine übersichtliche Vergleichskarte der Entwicklungen seit 1960.

Zusammenhang zwischen Klimawandel und Extremwettereignissen
Die Datenanalyse veranschaulicht, wie grundlegend sich die Dürresituation in Deutschland verändert hat. Doch wie hängen Klimawandel und Dürre zusammen? In den letzten Jahren sind Wetterextreme wie Starkniederschläge und extreme Trockenheit in Europa deutlich häufiger geworden. Lange Zeit war es schwierig, einzelne Wetterereignisse direkt mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen. Heute jedoch haben Forschende überzeugende Belege für die Zusammenhänge zwischen dem Klimawandel und diesen Extremwetterereignissen vorgelegt.
Die Attributionsforschung – Welchen Einfluss haben wir?
Ein wichtiger Forschungsansatz in diesem Kontext ist die Attributionsforschung, ein modernes Teilgebiet der Klimawissenschaft. Sie untersucht, inwiefern der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit oder Intensität von Extremwetterereignissen beeinflusst. Mithilfe von Klimasimulationen und statistischen Analysen wird überprüft, ob menschliche Aktivitäten, wie der Ausstoß von Treibhausgasen, solche Ereignisse wahrscheinlicher oder stärker gemacht haben. Ein Beispiel ist die Untersuchung von Hitzewellen: Hier zeigt die Forschung, ob eine Hitzewelle ohne die Auswirkungen des Klimawandels seltener oder weniger intensiv gewesen wäre. Ähnliche Analysen werden auch für Starkregen und Dürren durchgeführt, um die Rolle des Klimawandels bei deren Entstehung besser zu verstehen. Hilfreiche Materialien, die Einblick in die aktuelle Forschung geben, sind z.B.:
Klimawandel in der Arktis beeinflusst Wetter in Europa: Omega-Wetterlage als Folge
Extreme Wetterlagen in Mitteleuropa lassen sich auf die Erwärmung der Arktis zurückführen. Das verbindende Element ist hierbei der Polarfront-Jetstream, ein Starkwindband, das in der oberen Troposphäre zwischen 40° und 60° nördlicher Breite die Erde mit Windgeschwindigkeiten von 200 bis 500 km/h umrundet. Die Arktis erwärmt sich etwa viermal schneller als der globale Durchschnitt – ein Prozess, der als „Arktische Verstärkung“ bekannt ist. Durch das Schmelzen von Eis und Schnee wird weniger Sonnenlicht reflektiert, und stattdessen absorbieren dunkle Wasser- und Landflächen mehr Wärme. Diese beschleunigte Erwärmung schwächt den Temperaturunterschied zwischen der kalten Arktis und den wärmeren Gebieten südlich davon. Dadurch schwächt sich der Temperaturgradient zwischen Norden und Süden ab. Der Jetstream verliert an Stärke, wird langsamer und bildet größere Wellenstrukturen.
Die Omega-Wetterlage
Eine besonders stabile und bedeutende Form dieser Wellen ist die sogenannte Omega-Wetterlage. Hierbei ordnen sich Hoch- und Tiefdruckgebiete in einer stationären Formation entlang des Jetstreams an, die optisch dem griechischen Buchstaben Ω ähnelt. Dies blockiert den üblichen Westwindfluss und hält Wetterlagen über lange Zeiträume in derselben Region fest:
- Blockierende Hochdruckgebiete führen zu anhaltender Hitze und Dürre.
- Stagnierende Tiefdruckgebiete bringen langanhaltende Regenfälle und Überschwemmungen.
- Veränderte Jetstream-Muster begünstigen den Vorstoß kalter Luftmassen aus der Arktis nach Süden und verursachen außergewöhnliche Kältewellen.
Dieses Muster prägt auch das Frühjahr 2025: Eine Omega-Wetterlage führt zu extremen Wetterkontrasten in Europa. Während Spanien, Griechenland und Italien von Starkregen und verheerenden Überschwemmungen betroffen sind, herrscht in Mitteleuropa über Wochen hinweg Sonnenschein – eine Situation, die zur Trockenheit und drohenden Dürre beiträgt. Die Prognose einer zunehmenden Austrocknung ist also durchaus berechtigt.
Als nützliche Materialien zur Omega-Wetterlage empfehlen wir euch neben der modellhaften Darstellung der Omega-Wetterlage im Haack-Atlas (Darstellung im AB integriert) folgende Quellen:
Unterrichtsvorschlag: Klimawandel und Extremwetter – mit dem Atlas auf Spurensuche
Unser Klett-Arbeitsblatt zu Wetterextremen und Klimawandel hilft euch bei der Bearbeitung des Themas im Unterricht:
- Ziel: Die Schülerinnen und Schüler (Klassen 8-10) untersuchen Extremwettereignisse wie Trockenheit und Überschwemmungen in Europa. Dabei erarbeiten sie, wie klimatische Zusammenhänge die Entstehung solcher Ereignisse erklären können, und entwickeln ein Verständnis für die Auswirkungen des Klimawandels.
- Kognitive Aktivierung: Die Karte „Folgen des Klimawandels“ zeigt für das nördliche Mitteleuropa eine Zunahme der Niederschläge und für Südeuropa zunehmende Trockenheit. Aktuell gibt es in Mitteleuropa dagegen wochenlangen Sonnenschein, der Bodensee „trocknet aus“, während Südeuropa mit heftigen Niederschlägen und Überschwemmungen kämpft. Wie passt dies zusammen?
- Lernprozess: In Gruppenarbeit entwickeln die Schülerinnen und Schüler mithilfe des Arbeitsblatts Antworten zu folgenden Themen:
- Gruppe A: Wie verändert sich die Dürre in Deutschland?
- Gruppe B: Was hat eine Omega-Wetterlage mit der Dürre zu tun?
- Weshalb bildet sich eine Omega-Wetterlage aus?
- Sicherung: Die Gruppen präsentieren ihre Ergebnisse.
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Zum Weiterlesen
In unserer 7-teiligen Blogserie „Naturereignisse“ gibt es weitere Anregungen, um im Unterricht den Zusammenhang zwischen Wetterextremen wie Dürre, Starkregen, Hochwasser etc. und Klimawandel zu erläutern.
An das Thema „Klimawandel“ knüpft der Artikel „Wasser als globale Herausforderung – nachhaltige Lösungen im Fokus“ an.

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