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Grönland im geopolitischen Spannungsfeld – ein Unterrichtsimpuls

Grönland ist die größte Insel der Erde, hat jedoch nur so viele Einwohner wie eine deutsche Mittelstadt und liegt größtenteils unter meterdickem Eis begraben. Warum die Arktisinsel trotzdem aktuell Begehrlichkeiten weckt, könnt ihr mit euren Lernenden anschaulich und motivierend erarbeiten.

Was macht Grönland so besonders?

Für viele ist Grönland ein bisher unbekannter Fleck auf dem Rand des Globus. Spontan verbinden wir die Insel mit Kälte, endlosem Eis, gewaltigen Dimensionen, der Kultur der Inuit sowie Eisbären und Walen. Diese Eindrücke sind zwar berechtigt, greifen jedoch zu kurz und lassen viele entscheidende Facetten unberücksichtigt.

Besonders durch den Klimawandel verändert sich die Region: Das Abschmelzen des mächtigen Eisschildes trägt erheblich zur Erwärmung des Nordatlantiks und zum weltweiten Meeresspiegelanstieg bei.

Gleichzeitig werden die bislang eisbedeckten Küsten zunehmend zugänglich und bringen so Grönlands Bodenschätze buchstäblich ans Tageslicht. Das weckt Begehrlichkeiten – vor allem auf Seiten der USA, die die zu Dänemark gehörende Arktisinsel unter ihre Kontrolle bringen möchten. Zudem trägt die besondere geographische Lage auch militärisch zur strategischen Bedeutung Grönlands bei.

Unterrichtsentwurf für eine Doppelstunde

Der folgende Unterrichtsentwurf eignet sich für den Geographieunterricht ab Klasse 9, ist aber genauso für Fächer wie Wirtschaft oder Politik interessant.

Einbettung im Unterricht

Einstieg: Vorwissen abfragen (ca. 5 min)

Zur Aktivierung eurer Lernenden und um einen Eindruck über das Vorwissen zu gewinnen, könnt ihr mit einer einfachen Frage starten: „Was verbindet ihr mit Grönland?“ Notiert die Schlagworte an der Tafel oder, wenn ihr mehr Zeit für Verfügung habt, nutzt ein digitales Tool zum Erstellen von Wortwolken (z.B. dieses kostenlose Tool: https://www.wortwolken.com/ – Achtung, mit Werbung). Zu vermuten ist, dass neben Begriffen wie Arktis oder Eis zunehmend Schlagworte zur aktuellen geopolitischen Situation (z.B. USA, Dänemark, Seltene Erden, NATO) genannt werden. Eventuell könnt ihr auch aktuelle Schlagzeilen zu den Gebietsansprüchen von US-Präsident Trump nennen.

Erarbeitung I: Grönlands geostrategische Lage (ca. 10 min)

Bittet die Lernenden nun, Grönland auf einer klassischen Weltkarte (z. B. aus dem Haack Weltatlas) zu lokalisieren. Um die besondere geostrategische Lage herauszuarbeiten, könnt ihr zusätzlich die folgende Karte nutzen (aus dem Haack Verbundatlas, Allgemeine Ausgabe, ISBN 978-3-12-828493-4, S. 123).

Karte "Gebietsansprüche und Rohstoffe" aus Haack Verbundatlas"
Legende zur Karte "Gebietsansprüche und Rohstoffe" aus Haack Verbundatlas"

Überleitung (ca. 10 min)

Leitet anschließend zur Veränderung des grönländischen Eisschildes über. Hierzu sind die Daten der NASA und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) besonders eindrucksvoll: https://www.dlr.de/de/bilder/2022/01/grace-eisverlust-groenland. Die Daten zeigen, wie stark die Eisdecke in den vergangenen 20 Jahren geschmolzen ist. So haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Dachorganisation dänischer Arktisforschungsinstitute herausgefunden, dass das Eisschild rund 4,7 Billionen Tonnen Eis verloren hat. Der Effekt: Der weltweite Meeresspiegel ist um rund 1,2 cm gestiegen – deutlich schneller als erwartet. Als Überleitung dient die Impulsfrage: Warum ist das Abschmelzen des Eisschildes nicht nur aus klimapolitischen Gründen von Bedeutung?

Erarbeitung II: Grönlands Bodenschätze (20 min)

Nehmt nun Grönlands Bodenschätze in den Fokus. Dazu können die Lernenden die folgende Karte auswerten und den Zusammenhang zwischen dem Abschmelzen des Grönlandeises und den Bodenschatzvorkommen erläutern. Dies kann je nach verfügbarer Zeit auch arbeitsteilig in Partner- oder Gruppenarbeit erfolgen. (Arbeitsteilige) Leitfragen könnten lauten:

  • Welche Bodenschätze kommen in Grönland grundsätzlich vor – und welche werden zunehmend erreichbar?
  • Für welche Zwecke können diese Bodenschätze genutzt werden und warum rückt das immer stärker in die öffentliche Wahrnehmung?
  • Auch wenn es schon etwas älter ist, ist dieses Papier von 2011 ein guter Einstieg, der auch bereits das Potenzial von Grönland aufzeigt und deutlich macht, dass das Thema durchaus schon lange relevant ist. Eine Lerngruppe könnte sich gezielt mit der Frage beschäftigen: Was hat sich seit 2011 verändert – und was nicht?
  • Was sagt die Debatte um Grönland über den aktuellen Zustand der Globalisierung generell aus?

Tipp: Ihr findet die Karte sowie Informationen zur Historie Grönlands auch auf der kostenlosen Kopiervorlage zum Download!

Karte "Rohstoffvorkommen Grönland"

S012104783_SB_1441

Aufgabe: Erläutern Sie den Zusammenhang zwischen dem Abschmelzen des Grönlandeises und den Bodenschatzvorkommen.

Diskussion und Abschluss: Geopolitische Bedeutung (20 min)

Fasst die erarbeiteten Erkenntnisse noch einmal zusammen und nehmt Bezug auf die aktuelle geopolitische Lage (siehe z.B. https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-groenland-drohung-100.html vom 7. Januar 2026 und https://www.tagesschau.de/ausland/europa/groenland-nato-trump-100.html vom 12. Januar 2026). Lasst eure Lernenden dann zur folgenden Aussage Stellung nehmen: „Grönlands Bodenschätze sind mehr Fluch als Segen.“ Dies kann je nach verfügbarer Zeit auch als Hausaufgabe oder arbeitsteilig nach der Think-Pair-Share-Methode erfolgen.

Weitere Tipps und Links

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