GeWi-im-Unterricht.de
Geschichte, Geographie, Politik und Wirtschaft

Unterrichtsimpuls: Wie Darstellungen unser Bild der Welt prägen

Waldbrände tauchen regelmäßig in den Nachrichten auf. Bilder von brennenden Landschaften prägen dabei oft unsere Wahrnehmung. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede, denn nicht jeder Waldbrand ist gleich. Häufig wird vor allem über die großen Vegetationsbrände berichtet, bei denen im schlimmsten Fall Menschenleben gefährdet werden. Die natürlichen kleineren Vegetationsbrände bleiben oftmals unbeachtet. Zudem spielt die Art der Darstellung von Daten eine entscheidende Rolle.

Die Plattform FIRMS

Ein spannendes Werkzeug, um dieses Thema im Unterricht zu behandeln, ist die Plattform NASA FIRMS (Fire Information for Resource Management System). Sie stellt frei zugängliche, nahezu in Echtzeit verfügbare Daten zu globalen Feuerereignissen bereit. Grundlage hierfür sind Satellitendaten, die mithilfe unterschiedlicher Modelle aufbereitet werden. Mithilfe der Plattform können nicht nur aktuelle Brände verfolgt, sondern auch über die Archivfunktion historische Daten analysiert werden.

Wenn Darstellungen täuschen

Betrachtet man nun die Weltkarte in FIRMS, entsteht auf den ersten Blick der Eindruck, als stünden weite Teile der Welt, z. B. in Mittelamerika, in der Sahel-Zone oder in Indien, großflächig in Flammen. Dies scheinen jedenfalls die roten Markierungen zu signalisieren. Zoomt man in die Karte hinein, relativiert sich dieser Eindruck. Aus vermeintlich großflächigen Bränden werden kleine Markierungen. Der Grund dafür liegt in der Darstellungsweise der Daten. Damit jedes Feuer auf der Karte sichtbar ist, wird es als Punkt visualisiert, dessen Größe unabhängig von der tatsächlichen Ausdehnung gewählt wird, um überhaupt auf der Karte erkennbar zu sein.

Ein weiterer Faktor ist, dass die FIRMS-Daten aus verschiedenen Satelliten mit unterschiedlichen Sensoren stammen. Diese haben unterschiedliche räumliche Auflösungen und Verarbeitungsalgorithmen. Der verwendete MODIS-Sensor hat eine Auflösung von einem Quadratkilometer pro Pixel. Selbst kleinere Brände müssen in dieser Größe dargestellt werden. Liegt ein Feuer an der Grenze mehrerer benachbarter Pixel, wird es in mehreren Pixeln gleichzeitig erfasst, wodurch es in der Karte deutlich größer erscheint. Verschärft wird dies durch die Auswahl des Zeitraums. Es macht einen großen Unterschied, ob man einen einzelnen Tag betrachtet oder eine ganze Woche.

Kartographische Lösungsansätze

Wenn man nun diese Daten in einer Karte umsetzen wöllte, könnte man beispielsweise mit Punktschraffuren arbeiten, um betroffene Regionen zu kennzeichnen. Dadurch werden diese Regionen ausgewiesen, der großflächige Eindruck allerdings abgeschwächt. Eine Möglichkeit der Generalisierung wäre, dass nur Brände ab einer gewissen Größe dargestellt werden. Auch eine Klassifizierung der Brände nach Art und Größe könnte dazu beitragen, die unerwünschten Verfälschungseffekte zu reduzieren.

Einbettung im Unterricht

Um das Thema im Unterricht zu bearbeiten, ist es sinnvoll, sich auf einen Kontinent zu fokussieren, zum Beispiel Afrika. Betrachtet man z. B. den 27.12.2025, fällt auf, dass sich in der Sahelzone eine hohe Dichte an roten Markierungen häuft. Dieser erste Eindruck bietet einen idealen Ausgangspunkt für den Unterricht. Zwar kommt es in Afrika regelmäßig zu Bränden, u.a. durch Brandrodung oder verstärkt durch den Klimawandel, doch steht der Kontinent keineswegs das ganze Jahr über in Flammen. Vielmehr wird hier das zentrale Problem deutlich: Die Art der Darstellung von Daten beeinflusst unsere Wahrnehmung.

Vorschlag für einen Stundenverlauf

1. Einstieg und Aktivierung

  • Impulsbild: Ein Screenshot der FIRMS-Oberfläche vom 27. Dezember 2025 mit der Überschrift „Weite Teile von Afrika stehen in Flammen! Satellitenbilder beweisen es!“
  • Impulsfrage: Was haltet ihr von dieser Aussage?
    Erste Einschätzungen und Vermutungen werden gesammelt.

2. Erarbeitung I

  • Ausgangssituation: In den sozialen Medien verbreitet sich das Impulsbild mit dieser Überschrift. Die Lernenden sollen die Aufgabe des Faktenchecks übernehmen. Ihre Aufgabe ist es, diese Aussage mithilfe von Satellitendaten zu überprüfen und zu bewerten.
  • Vorstellung und Einführung in das Tool NASA FIRMS (Basic Mode)
  • Arbeitsauftrag (in Partner- oder Gruppenarbeit):
    1. Untersucht die Verteilung von Bränden in Afrika zu verschiedenen Zeitpunkten (Tage, Monate, Jahre). Zoomt gezielt in betroffene Regionen hinein (z. B. Sahelzone). Beschreibt eure Beobachtungen.
    2. Formuliert erste Hypothesen: Warum entsteht der Eindruck, dass weite Teile Afrikas in Flammen stehen?
    3. Haltet eure Ergebnisse stichpunktartig fest.

3. Erarbeitung II

  • Bereitstellung von Materialien, z. B. Zeitungsartikel oder Fachartikel wie diese:
    The Big and Small of Fire in Africa
    Waldbrände: Afrika ist nicht der Amazonas
  • (Arbeitsteilige) Erarbeitung mit folgenden Leitfragen:
    1. Welche Ursachen haben Brände in Afrika?
    2. Welche Rolle spielen landwirtschaftliche Praktiken?
    3. Wie beeinflusst die Darstellung der Satellitendaten unsere Wahrnehmung? Welche Rolle spielt die Auflösung? Warum wirken die Brände größer, als sie tatsächlich sind?

4. Sicherung und Reflexion im Plenum

  • Gemeinsames Sammeln der Ergebnisse
  • Bewertung der Ausgangsaussage „Weite Teil von Afrika stehen in Flammen!“:
    Ist die Aussage zutreffend oder irreführend?
  • Zentrale Erkenntnis: Daten können anhand ihrer Darstellung beeinflusst werden
  • Reflexion: Welche Gefahren können durch solche vereinfachten Darstellungen entstehen? Habt ihr selbst schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie wird z. B. in Schulatlanten kartographisch mit solchen Darstellungsproblemen umgegangen (Stichwörter: Generalisierung und Klassifizierung)?

Ideen zur Vertiefung

16 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Über die Autorin

Lena Neye

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben