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Geschichte, Geographie, Politik und Wirtschaft

Geographische Modelle und ihre Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht

Geographische Modelle sind wichtige Werkzeuge, mit denen du deinen Schülerinnen und Schülern helfen kannst, Räume und Prozesse besser zu verstehen. Die „Theorie der Zentralen Orte“ von Walter Christaller bietet ein praxisnahes Beispiel, um komplexe Zusammenhänge anschaulich zu machen. Entdecke, wie du dieses Modell im Unterricht spannend vermitteln kannst.

Modelle im Allgemeinen

Modelle sind vereinfachte Darstellungen oder Nachbildungen von Phänomenen, Prozessen oder Systemen. Sie dienen dazu, komplexe Realitäten zu vereinfachen und visuell darzustellen, um das Verständnis dafür zu fördern. In der Regel liegen Modellen vereinfachte Annahmen zugrunde. Dies ermöglicht es, abstrakte Konzepte greifbar zu machen, räumliche Beziehungen zu erkennen und Zusammenhänge zu analysieren.

Modelle im Unterricht

Ein wesentliches Element des Geographieunterrichts ist die Erforschung und Analyse verschiedener Räume und Prozesse. Um die komplexen Zusammenhänge zwischen verschiedenen geographischen Phänomenen verstehen und reflektieren zu können, greift die Geographiedidaktik häufig auf Modelle zurück. Diese stellen unverzichtbare Werkzeuge des Geographieunterrichts dar und können zu verschiedenen Zwecken im Unterricht eingesetzt werden. Denkbare Einsatzmöglichkeiten von Modellen im gesellschaftswissenschaftlichen Fachunterricht sind z. B.:

  1. Erleichterung des räumlichen Denkens:
    In der Geographie stehen häufig Räume und die Beziehungen zwischen Orten im Fokus. Modelle helfen den Lernenden, räumliche Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen.
  2. Visualisierung von abstrakten Konzepten:
    Die Gesellschaftswissenschaften befassen sich mit komplexen Konzepten z. B. zu Themen wie Stadtentwicklung oder wirtschaftlichen Verflechtungen. Durch den Einsatz von Modellen können Lehrerinnen und Lehrer abstrakte Theorien in greifbare Darstellungen umwandeln. Besonders für Fragestellungen der Humangeographie (aber auch aus den Bereichen Politik und Wirtschaft) eignen sich Modelle, um das Verständnis der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
  1. Unterstützung bei der Hypothesenbildung und beim Transfer:
    Modelle ermöglichen den Schülerinnen und Schülern, verschiedene Szenarien zu simulieren und deren Auswirkungen zu analysieren. Durch Modelle und Experimente können Lernende ihre Hypothesen überprüfen und ihre Kenntnisse vertiefen. Zusätzlich eigenen sich Modelle aufgrund ihrer Vereinfachung dafür, beispielhaft Gelerntes auf andere, ähnliche Fragestellungen zu übertragen.
  2. Förderung der Zusammenarbeit und des kritischen Denkens:
    Der Einsatz von Modellen im Unterricht fördert die Zusammenarbeit unter Schülerinnen und Schülern. Sie können gemeinsam Ideen austauschen und verschiedene Lösungsansätze diskutieren. Darüber hinaus können Modelle die Lernenden dazu ermutigen, kritisch zu denken, alternative Perspektiven zu betrachten, Gelerntes zu hinterfragen und ihre eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Eine vertiefende Artikelreihe zum Einsatz von Modellen im Geographieunterricht findet ihr hier:

Modellen liegen häufig vereinfachende Annahmen und Theorien zugrunde. Ein Beispiel hierfür ist die von Walter Christaller entwickelte „Theorie der Zentralen Orte“, die übertragen in ein Modell Grundlage für verschiedene Fragen der Raumplanung ist.

Walter Christallers „Zentrale Orte“

Walter Christaller wurde im April 1893 im Nordschwarzwald geboren. In seiner 1933 fertiggestellten Dissertation mit dem Titel „Die Zentralen Orte in Süddeutschland“, entwickelte er ein Raumordnungsmodell, das bis heute in der Raumplanung angewendet wird. Dieses Modell versucht die Beziehungen zwischen Orten und ihrem jeweiligen Umland zu beschreiben. Anhand dieser Beziehungsfaktoren, die sich z. B. in Form von Bedeutung, Erreichbarkeit sowie Ausstattung mit sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Einrichtungen ausdrücken, werden die Orte klassifiziert und in sogenannte Ober-, Mittel- und Unterzentren (A-, B- und C-Orte) eingeteilt.

Zunächst wurde die Theorie unter Geographen nicht sonderlich beachtet und Christaller für sein Konzept belächelt. Wenig später wurde Christallers Theorie vom NS-Regime für die Raumplanung besetzter Gebiete herangezogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Modell der „Zentralen Orte“ zur Basis der Raumplanung in der Bundesrepublik Deutschland und ist noch heute Bestandteil des deutschen Raumordnungsgesetzes.

Modell der Zentralen Orte von Walter Christaller

Grafik zur Veranschaulichung der „Theorie der Zentralen Orte“ von W. Christaller (1893 – 1969): Die Abbildung verdeutlicht, welche Einzugsgebiete und Bedeutungen A-Orte (Oberzentren mit großer Reichweite und regionaler Bedeutung), B-Orte (Mittelzentren) und C-Orte (Unterzentren mit geringer Rechweite und lokaler Bedeutung) haben.

Grafik: Bettina Eckenfelder, Eisenach

Impuls für euren Unterricht

Fachwissenschaftliche Modelle und Theorien werden oft als komplex, abstrakt und übersteigert akademisch wahrgenommen. Die Geschichte hinter Christallers Theorie kann dabei helfen, diesen Eindruck zu dekonstruieren. In seinem autobiografischen Bericht „Wie ich zu der Theorie der Zentralen Orte gekommen bin“ von 1968 beschreibt Christaller den Entstehungsprozess seiner Theorie. Hierbei wird deutlich, dass Christallers Theorie nicht nur durch rein wissenschaftliche Denkleistung oder eine praktische Studie entwickelt wurde. Ausgangspunkt der Überlegungen bildeten Christallers Arbeiten mit seinem Atlas, den er als „Spielzeug“ begriff und mit eigenen Eintragungen und Einzeichnungen versah. Das Thematisieren dieser Entstehungsgeschichte der „Theorie der Zentralen Orte“ (in Auszügen) eignet sich daher, um Schülerinnen und Schülern aufzuzeigen, dass wissenschaftliche Theorien auch einen weniger wissenschaftlichen Ausgangspunkt haben können. Schülerinnen und Schülern kann so eine offene und neugierige Sicht auf die Welt vermittelt werden.

Stecknadeln auf einer Landkarte

Linktipp:

Wie ich zu der Theorie der Zentralen Orte gekommen bin

Ein Bericht, wie eine Theorie entstehen kann, und in meinem Fall entstanden ist
von WALTER CHRISTALLER (Jugenheim, 1968)

erschienen in:
Geographische Zeitschrift, Jahrgang 56, Heft 2, Franz Steiner Verlag, S. 88 – 101

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Über den Autor

Leopold Saalfeld

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