Einleitung und Relevanz des Themas
Im Zeitalter Künstlicher Intelligenz unterrichten und prüfen wir häufig noch mit Methoden aus dem 20. oder 19. Jahrhundert, wie dem repetitiven Auswendiglernen von Faktenwissen. Dabei kann man ein zunehmendes Auseinanderklaffen zwischen den Anforderungen in der schulischen Bildung sowie jenen in der beruflichen Praxis feststellen. Beispielsweise ist das Format einer Klassenarbeit bzw. Klausur künstlich und abgekoppelt von den späteren Erfordernissen der Arbeitswelt. Niemals würde ein Vorgesetzter eine Aufgabe verteilen und dabei vorgeben, dass man sich weder mit Kolleginnen und Kollegen austauschen noch hilfreiche Ressourcen wie das Internet oder Bücher hinzuziehen darf.
Auch angesichts der zunehmend rasanteren Entwicklung digitaler Technologien ist daher ein Paradigmenwechsel in der schulischen Lern- und Prüfungskultur vonnöten. Vor diesem Hintergrund sind die Ansätze der Kultusministerkonferenz zur „Entwicklung einer neuen Aufgaben- und Prüfungskultur“ zu begrüßen. Dabei stehen insbesondere digital gestützte Lehr-Lern-Prozesse im Vordergrund. Entwicklungen wie die Einführung einer Präsentationsprüfung als 5. Abiturfach in Nordrhein-Westfalen belegen, dass diese neue Prüfungskultur nun sukzessive in Schulen Einzug erhalten soll.
Im Folgenden wird am Beispiel einer Präsentationsprüfung im Geographieunterricht der Qualifikationsphase 1 (Klasse 12) in NRW ein mögliches alternatives Prüfungsformat vorgestellt.
Planung und Vorbereitung
Rechtliche Grundlagen
Gegenwärtig spielen Alternativen zum herkömmlichen Prüfungsformat der Klausur im Geographieunterricht der Sekundarstufe II keine nennenswerte Rolle. Allenfalls die einmalig stattfindenden Facharbeiten können als alternatives Prüfungsformat gelten. Die Einführung neuer Prüfungstypen sollte daher behutsam und schrittweise erfolgen, wobei zu Beginn explorative Durchführungen zum Sammeln erster Erfahrungen für Lehrkräfte und Lernende zu empfehlen sind.
Zudem ist es nicht in allen Jahrgangsstufen und Fächern durch die entsprechenden Prüfungsordnungen vorgesehen, dass solche Formate realisiert werden können. Daher muss vor der erstmaligen Durchführung immer eine Rücksprache mit Fachkolleginnen und Fachkollegen und der Schulleitung sowie ggf. mit der Schulaufsicht erfolgen. Vor der Durchführung können die Eltern durch ein Anschreiben informiert werden, dieses kann auch der Verschriftlichung des Prüfungsformats für die Lernenden dienen.
Einbettung in den Unterricht
Vorbereitung im Unterricht
Im vorliegenden Beispiel wurde in der 12. Klasse die erste Klausur durch die Präsentationsprüfung ersetzt. Üblicherweise wird hier der Themenbereich Landwirtschaft behandelt. Häufig sind die zu schreibenden Klausuren dieses Themas in Nordrhein-Westfalen nach einem relativ einheitlichen Schema aufgebaut, das sich im Aufbau der Aufgaben widerspiegelt:
- Aufgabe 1:
- Lokalisierung
- Darstellung der naturräumlichen Voraussetzungen (z.B. Klima, Relief, Boden, etc.)
- Verbreitung und Ansprüche des Anbauprodukts
- Abgleich von Gegebenheiten des Raumes und Ansprüchen der Pflanze („Match“ oder nicht?)
- Aufgabe 2:
- Entwicklung des Anbaus, ggf. vor dem Hintergrund übergeordneter Entwicklungen oder Phänomene (z.B. globale Ernährungsgewohnheiten)
- Strukturen des Anbaus (z.B. Anbaumethoden oder Wertschöpfungsketten)
- Bedeutung des Anbaus (z.B. hinsichtlich Beschäftigung, Ernährung, Wertschöpfung oder Export)
- Aufgabe 3:
- Stellungnahme zum Anbau, z.B. bzgl. der Nachhaltigkeit oder der Zukunftsaussichten
Zur Herstellung von Vergleichbarkeit und zur inhaltlichen Anlehnung an die bisherigen Prüfungsformate wurde der Lerngruppe diese Struktur vorgegeben, wobei nicht alle Unterpunkte thematisiert werden mussten. Zudem bestand die Möglichkeit, weitere, eigene Aspekte einzubringen. Vor diesem Hintergrund unterschied sich die durchgeführte Unterrichtsreihe inhaltlich nicht stark von den bisher mit Klausurformat durchgeführten Sequenzen. Einzig der methodische Fokus hinsichtlich der Präsentation sowie die laufende Begleitung des Entstehungsprozesses spielten eine Rolle.
Zur Herstellung von Transparenz bezüglich der Erwartungen und zur Inspiration der Lernenden wurde in der vorliegenden Unterrichtsreihe eine Probepräsentation der Lehrkraft zu einem Teilthema der Landwirtschaft gehalten. Die übliche Methode des Vortrags der Lehrkraft wurde dabei mit Präsentationsfolien unterstützt, welche der Lerngruppe beispielsweise im Sinne des „Lernens am Modell“ eine Bandbreite an medialen Gestaltungsmöglichkeiten zur Aufmerksamkeitslenkung vorstellte. Darunter befanden sich z.B. Sequenzierung, Morphen, Hervorhebung durch Farben und Formen oder der Einsatz von Piktogrammen. Die Lernenden konnten den Vortrag der Lehrkraft anschließend mithilfe des später verwendeten, authentischen Erwartungshorizonts beurteilen.
Die Rolle von Künstlicher Intelligenz
Den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Erstellungsprozess der Präsentation zu thematisieren, ist aufgrund der mittlerweile nahezu flächendeckenden Nutzung durch die Lernenden unerlässlich. Falls bereits schulische Regeln zum Einsatz von KI bestehen, sollte man hier auf diese verweisen. Andernfalls muss deutlich kommuniziert werden, dass die Transparenz des Arbeitsprozesses unter Offenlegung der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine ebenfalls Eingang in die Bewertung erhält. Dazu zählt insbesondere, dass der Ursprungs von Informationen und die Offenlegung der verwendeten Hilfsmittel nachvollziehbar sind. Den Einsatz kann und sollte man nicht verbieten, jedoch übernehmen die Präsentierenden die Verantwortung für mögliche Fehler der KI.
Ebenso darf KI niemals als einzige Quelle für Informationen dienen. Es kann zudem vorgegeben werden, dass nicht nur das genutzte Tool und der Zweck der Anwendung, sondern auch alle Prompts oder der gesamte Gesprächsverlauf anzugeben sind. Im Rahmen einer verantwortungsvollen, reflektierten Verwendung bietet KI große Potenziale hinsichtlich der Qualität des Endprodukts sowie des Kompetenzerwerbs während der Vortragsvorbereitung.
Im zweiten Teil dieses Beitrags wird es um die Durchführung und Bewertung der Präsentationsprüfung gehen.


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