GeWi-im-Unterricht.de
Geschichte, Geographie, Politik und Wirtschaft

Präsentation statt Klausur? Ein alternatives Prüfungsformat im Geographieunterricht in der Praxis (Teil 2)

Im ersten Teil des Beitrages ging es um die Vorbereitung einer Präsentationsprüfung. Der folgende zweite Teil beschäftigt sich nun mit der Durchführung und Bewertung.

Unterrichtsimpuls

  • Die Durchführung der Prüfung erfolgte in einem Zeitraum von ca. 4 Wochen, wobei im Zeitraum 2 Wochen Ferien lagen. Damit lag die Bearbeitungszeit insgesamt bei 6 Wochen.

Themenauswahl

  • Zu Beginn des Prüfungszeitraumes stellte die Lehrkraft den Lernenden das Konzept vor und erläuterte die Schritte. Zunächst reichten die Lernenden 3 Themenvorschläge (ohne Priorisierung) ein, wofür sie eine Woche Zeit erhielten. Ein Thema bestand aus einem geographischen Raum und einem Anbauprodukt, z. B. „Kartoffeln aus Norddeutschland“ oder „Kaffee aus Peru“. Zur Findung eines Themas wurden der Lerngruppe die Inhaltsverzeichnisse aus Atlanten zur Verfügung gestellt. Dazu gab die Lehrkraft den Hinweis, dass die SuS bei der Themenwahl das Vorhandensein adäquater thematischer Karten berücksichtigen sollten. Die Lernenden konnten mithilfe der Inhaltsverzeichnisse Themen wählen, zu denen Karten zur Verfügung stehen. Nach Ablauf der ersten Wochen reichten die SuS ihre Vorschläge online über ein Lernmanagementsystem (hier: Logineo LMS bzw. Moodle) ein. Die Lehrkraft wies im Anschluss allen ein Thema zu. Dopplungen sollten vermieden werden, da es Einzelprüfungen sind.

Konzeptpapier

  • Die Lernenden erstellten nach der Zuteilung des Themas ein Konzeptpapier und mussten dieses nach einer Woche über das LMS einreichen. So sollte ein Entwurf der Präsentation mit weitestgehend verbindlicher Festlegung erstellt werden. Dies machte den Arbeitsprozess nachvollziehbarer und vermied eine mögliche Fertigstellung in einer „Nachtschicht“ vor der Prüfung. Im Konzeptpapier legten die Lernenden folgendes dar: Welche problemorientierte Leitfrage und Gliederung werden gewählt? Welche Statistiken, Bilder und thematischen Karten werden verwendet? Zudem mussten die SuS fünf Quellenangaben nennen, die gewünschten Atlaskarten angeben sowie offene Fragen oder benötigte Hilfestellungen (z. B. Diagrammerstellung mit Excel o. Ä.).

Prüfungstag

  • Die Frist zu Einreichung der endgültigen Präsentation lag ca. 2 Schulwochen (hier inklusive 2 weiterer Ferienwochen) nach Abgabe des Konzeptpapiers. Der Prüfungstag fand nach zwei weiteren Tagen statt. Er war vergleichbar mit mündlichen Prüfungstagen in den modernen Fremdsprachen gestaltet. Im vorliegenden Fall sollten die Präsentationen zwischen 10 und 15 Minuten dauern, sodass für jeweils 2 Prüfungen ein Zeitraum von 35 Minuten angesetzt wurde. Die zweite zu prüfende Person diente einerseits als „psychologische Unterstützung“ für die Lernenden, andererseits zur Wahrung der Integrität des Prüfungsprozesses für alle Beteiligten. Wenn möglich, sollte sich noch eine weitere Lehrkraft im Raum befinden.

Leistungsbewertung, Feedback und Evaluation

  • Die prüfende Lehrkraft sollte während der Prüfung v. a. Aufzeichnungen über jene Aspekte des Erwartungshorizonts anfertigen, die später nicht mehr nachvollzogen werden können. Dazu zählen insb. Performanz, Zeitmanagement oder Berücksichtigung der Raumsituation. Die Lehrkraft sollte weitere Auffälligkeiten verschriftlichen, sodass der Benotungsprozess erleichtert wird. Im Anschluss an die Prüfung stellte die Lehrkraft im Sinne der Transparenz des Arbeitsprozesses Fragen zum Entstehungsprozess der Präsentation: Also z. B. zu Quellen, Abweichungen zwischen Endprodukt und Konzeptpapier oder dem Einsatz von KI. Hierzu wurden die Lernenden vorab informiert. Die Lehrkraft kann auch vorgegeben, dass nach der Präsentation ein ca. einminütiges Statement zum Arbeitsprozess gegeben werden muss.

Festlegung der Noten

  • Die Lehrkraft sollte auf ein Ad-Hoc-Feedback oder eine erste Benotungseinschätzung direkt nach der Prüfung verzichten. Nach dem Ablauf des Prüfungstages (je nach Prüfungsdichte auch währenddessen) werden die Noten festgelegt. Hierzu bezieht die Lehrkraft Präsentationsfolien, Notizen und Konzeptpapier ein. Zudem erfolgt eine stichprobenartige Kontrolle der Quellen. Neben der Notengebung mithilfe des Erwartungshorizonts ist ein wertschätzendes Feedback ein adäquates Werkzeug: z. B. mittels Formulierungen wie „Beim nächsten Mal solltest du mehr darauf achten, dass…“. Dies fördert den Erwerb von Präsentationskompetenz. Nach Bekanntgabe der Noten sollte das Prüfungsformat evaluiert werden, um den Prozess zu optimieren, z. B. über eine anonyme Umfrage.

Feedback der Lerngruppe

  • Das Feedback der Lerngruppe zeigte, dass das alternative Prüfungsformat positiv ankam: 12 von 13 Teilnehmenden waren eher oder ganz zufrieden. Ähnliches galt bei der Organisation der Prüfung und dem wahrgenommenen Zuwachs der eigenen Kompetenzen. 9 von 13 Personen waren bei der Präsentation motivierter als bei Klausuren. Eine Mehrheit sagte, dass die Vorbereitung auf die Prüfung im Unterricht zielführend gewesen sei sowie Vorbereitung und Durchführung der Präsentation Spaß gemacht hätten. Zudem gab die Mehrzahl an, dass sie eigene Ideen einbringen konnten. Zugleich wurde der Arbeitsaufwand im Vergleich zu einer Klausur als deutlich oder etwas höher angesehen. Der Großteil der SuS fühlte sich fair benotet, wobei die SuS angaben, dass die Note der Präsentation besser gewesen sei als die einer Klausur. Dies deckte sich mit den Beobachtungen der Lehrkraft sowie dem Vergleich mit später geschriebenen Klausuren. 9 von 13 Lernende stimmten dafür, im nächsten Schuljahr erneut eine Präsentationsprüfung als Klausurersatz durchzuführen.

Fazit aus Sicht der Lehrkraft

  • Aus Sicht der Lehrkraft ist die Frage, ob der Aufwand einer Präsentationsprüfung den von Klausuren übersteigt, schwierig zu beantworten. Während zeitaufwändige Aspekte (Klausurerstellung, Klausurkorrektur) wegfallen oder verkürzt sind, ist der Prüfungstag mit großem Zeitaufwand verbunden. Zumal i.d.R. der eigene Unterricht nicht stattfinden kann, was Vertretungsaufgaben nach sich zieht. In der Prozessbegleitung des alternativen Prüfungsformats war die Erstellung der Dokumente (Vorlage Konzeptpapier, Erwartungshorizont, Probevortrag) z. T. zeitintensiv. Dies ist auch der erstmaligen Durchführung geschuldet und entfällt bei Wiederholungen. Positiv ist festzuhalten, dass sich die Rolle der Lehrkraft in der Vorbereitung zu einer Art Berater oder Mentor entwickelt – eine angenehme Abwechslung des oft hierarchischen Verhältnisses im Unterricht. Der Autor zieht ein überwiegend positives Fazit und ist gespannt, wie sich das Format gestaltet, wenn die Erfahrungen in einer möglichen Wiederholung berücksichtigt werden.

 Praxistipps

  • Bei der Zuteilung der Themen kann bei einer hohen Anzahl an Lernenden eine KI als Unterstützung genutzt werden, wobei keine Namen von Lernenden in Prompts vorkommen sollten.
  • Zur Erhöhung der Medienvielfalt gilt Folgendes:
    • Die SuS können beim Fehlen angemessenen Kartenmaterials auch Satellitenbilder verwenden.
    • Das Medium Zahl sollte, z.B. in Form von Diagrammen, eingefordert werden. Hierzu werden den SuS Portale wie TheGlobalEconomy, WKO (Länderprofile), FAOSTAT oder OEC World vorgestellt.
  • Abweichungen zwischen Endpräsentation und Konzeptpapier sollten durch die Prüfenden begründet werden können.
  • Die Präsentationsprüfung kann auch mit Erklärvideos, welche die Lernenden erstellen, durchgeführt werden. Hier ist auf Unterstützung bei technischen Hürden zu achten und zur Vergleichbarkeit mit Vorträgen sollte im Video auch der Referierende zu sehen sein.
  • Im Sinne der Transparenz des Arbeitsprozesses kann die Abgabe einer Eigenständigkeitserklärung eingefordert werden.
  • Ebenso kann vorgegeben werden, dass die Quellen zu allen Informationen direkt in den inhaltlichen Folien statt ausschließlich gesammelt im Literaturverzeichnis angegeben werden. So erhöht sich die Nachprüfbarkeit enorm.

Hilfreiche Vorlagen

1 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.

Über den Autor

Hendrik Bergers

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben