Er war der „Andenlöwe“ und einer der herausragendsten Naturforscher des 19. Jahrhunderts: Denn der Sachse Eduard Friedrich Poeppig legte über 10.000 km auf dem amerikanischen Kontinent zurück – unter abenteuerlichen Bedingungen und mit geringsten Mitteln. Erfahrt in unserem Unterrichtsimpuls zu Eduard Friedrich Poeppig, was er für die Geographie leistete!
Persönlichkeiten vorgestellt
In der Themenreihe „GEO PERSONALITIES“ stellen wir interessante Frauen und Männer vor, die Spannendes tun oder Bedeutendes erreicht haben.
Unterrichtsimpuls Eduard Friedrich Poeppig – Von Sachsen in die weite Welt
Arm, aber ambitioniert: Der Naturforscher Eduard Friedrich Poeppig (1798–1868) plante nach seinem Studium der Medizin und Naturgeschichte (Universität Leipzig) eine große akademische Karriere. Und befördern sollte das Ganze eine botanische Forschungsreise nach Übersee.
Mangels eigener Mittel tat sich Poeppig mit der Naturforschenden Gesellschaft zu Leipzig zusammen. Ihre Mitglieder leisteten als Aktionäre Zahlungen an Poeppig, wofür er in der Fremde Pflanzen sammeln und nach Leipzig senden sollte.

Wie findet ihr solche historischen Themen wie den Unterrichtsimpuls Eduard Friedrich Poeppig im Block? Schreibt uns euer Feedback in den Kommentaren, damit wir noch genauer auf eure Wünsche eingehen können!

Poeppigs großes Ziel: Südamerika
Mit dem ersten Geld reiste Poeppig 1822 nach Kuba und nahm seine Jagdhündin als Begleitung mit. Glückselig erkundete er die Insel und sammelte Unmengen floristischer Proben. Dann jedoch hörte er 1824 eine niederschmetternde Neuigkeit: Der berühmte Alexander von Humboldt plante, ein Buch über die Insel zu publizieren. So verließ Poeppig demotiviert Kuba, denn auch er hatte eigentlich ein Werk darüber geplant. Nun jedoch wendete er sich neuen Zielen zu und reiste zunächst nach Nordamerika und 1827 weiter nach Chile.
Dort durchstreifte Poeppig auf der Suche nach unbekannten Pflanzen die chilenischen Anden. Und dabei war er so unermüdlich, dass er von indigenen Wegführern den Namen „Cunafcunpagi“ erhielt. Diese Bezeichnung lautet auf Deutsch: Der „Andenlöwe, welcher Blumen trocknet“.
Wollt ihr mehr über deutsche Naturforscherinnen und Naturforscher erfahren? Der Verleger Hans Meyer bestieg im 19. Jahrhundert als Erster den Kilimandscharo. Allerdings war seine Reise geprägt von kolonialen Ansprüchen und Herrenmenschentum. Unser Artikel Unterrichtsimpuls: Hans Meyer – Die Erstbesteigung des Kilimandscharo zwischen Gipfeltraum und Kolonialwahn gibt euch mehr Informationen zu Afrikareisen, Kolonialgeographie und dem Kilimandscharo!
Poeppigs Forscherleben: Gefahren und Drogen
Gleichwohl gab es Schwierigkeiten: Denn in den Anden ertrank Poeppig fast in einem Gebirgsbach, litt unter der Höhenkrankheit und stürzte beinahe in eine Gletscherspalte. Und in Peru (1829 bis 1831) überstand er die Malaria, überlebte den Biss einer Giftschlange und verschaffte sich Drogen-Tripps mit den Blättern des Coca-Strauches. Als Abschluss seiner Mammuttour befuhr der Naturforscher mit einem Floß 1831/1832 die Flüsse Huallaga, Marañón und Amazonas, ehe er im Herbst 1832 nach Deutschland zurückkehrte. Seine Hündin war leider am Ende der Reise, noch in Übersee, verstorben.

Poeppig als Forscher der Superlative…
Poeppig leistete Beachtliches: Zehn Jahre lang erforschte er Nord-, Mittel- und Südamerika, legte dabei über 10.000 Kilometer auf dem Land und Wasser zurück. Deshalb gilt er neben Humboldt und Thaddäus Haenke als einer der bedeutendsten Amerikaforscher des 19. Jahrhunderts. Beispielsweise erkundete er als erster Botaniker die Hochanden. Der Ertrag seiner Reise, die in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung vergleichbar ist mit Humboldts Amerikatour (1799 bis 1804), waren u. a. 17.000 getrocknete Pflanzen (etwa 4.000 Arten), 3.000 Pflanzenbeschreibungen und hunderte Tierpräparate.
…im kolonialen Kontext!
Aber Poeppig muss wissenschaftshistorisch reflektiert betrachtet werden. Er war auch Profiteur eines ausbeuterischen Systems. Auf Kuba – der damals wichtigsten spanischen Kolonie – hatte er mehrere Monate als „Sklavenarzt“ auf einer Kaffeeplantage gearbeitet. Mit seinem Lohn reiste Poeppig weiter und sammelte Naturgegenstände ein, die später in den europäischen Sammlungs- und Wissenschaftskontext gelangten. So ambitioniert er als Forscher gewesen sein mag, so unweigerlich ist Poeppig dennoch mit dem kolonialpolitischen System des 19. Jahrhunderts verquickt.
Einbettung im Unterricht
Unterrichtsimpuls: Eduard Friedrich Poeppig
Der Bezug auf die „Personality“ Eduard Friedrich Poeppig bietet sich für eine Unterrichtseinheit im Geographie- oder Geschichtsunterricht an. Denn als Unterrichtsimpulse in Geographie bzw. Erdkunde können die Inhalte des Beitrages eine Erweiterung der Themen Südamerika, Amazonien, Tropischer Regenwald, Klima-, Landschafts- und Vegetationszonen, die Welt erforschen sowie Expeditionen sein. Und bezogen auf den Geschichtsunterricht ist eine Einbettung in Inhalte zur Expeditions- und Kolonialgeschichte sehr gut möglich. So eignen sich je nach Klassenstufe sowie Alter ausgewählte Inhalte des Impulses.
Schritt 1:
Die Lehrkraft stellt die „Personality“ vor. Anschließend werden gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern die Rahmenbedingungen der Umsetzung geklärt. Anhand der Inhalte des Impulses und einer Recherche in Poeppigs Reisebericht sowie einer weiterführenden Recherche im Internet können die folgenden Leitfragen bearbeitet werden:
• Welche Reiseroute legte Poeppig zurück?
• Poeppig bereiste verschiedene Vegetations- und Klimazonen – welche waren das?
• Wie erfolgte die eurozentristische Erkundung Außereuropas im 19. Jahrhundert am Beispiel Poeppigs und anderer Reisender?
• Viele Reisende veröffentlichten nach ihrer Rückkehr einen populärwissenschaftlichen Reisebericht – warum?
• „Reicher“ Humboldt vs. „armer“ Poeppig – Wie war das Spannungsfeld der Reisefinanzierung im 19. Jahrhundert?
Schritt 2:
Die Lernenden bearbeiten eine oder mehrere Leitfragen. Gemeinsam wird der Zeitrahmen festgelegt, in welchem die Bearbeitung erfolgen soll. Möglich ist eine Stundenarbeit (nur ausgewählte Leitfragen) oder eine Bearbeitung als Hausaufgabe. Bei Partner- oder Gruppenarbeit erfolgt die Einteilung in Lerngruppen.
Schritt 3:
Die Lernenden geben ihre Ergebnisse schriftlich ab oder präsentieren sie im Rahmen eines Vortrages. Bei diesem interdisziplinären Thema bietet sich sehr gut eine gemeinsame Diskussion im Anschluss an die Präsentation an.


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