Das Planspiel „Nutzen, ausnutzen, schützen – Wie lösen wir maritime Nutzungskonflikte?“ von Tabea Borchers gewann 2023 den ersten Preis des Wettbewerbs GEO INNOVATIV. Der Ernst Klett Verlag schreibt den Preis zusammen mit dem Verband Deutscher Schulgeographen alle 2 Jahre aus. Erfahrt mehr über das innovative Planspiel und wie ihr euch mit eigenen Ideen auf die neue Ausschreibung bewerben könnt!

Das Weltmeer und seine Bedeutung für uns
Nahrungsquelle, Transportweg, Energie- und Rohstofflieferant für Erdöl, Erdgas, Erze, Diamanten u. ä. – das Weltmeer ist all das für uns. Und in allen Bereichen gibt es eine jährlich steigende Nachfrage, während zugleich die Ressourcen knapper werden. Zudem geht die vielfältige Inanspruchnahme des Meeres mit diversen Nutzungs-konflikten einher. Wir Menschen sind von den Funktionen des Meeres, wie z. B. Kohlenstoffdioxid und Wärme zu binden, abhängig. Im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zeichnet sich die hohe Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung des Themas ab.
Es ist daher wichtig, diese Thematik im Erdkundeunterricht für die Lernenden der Jahrgänge 7 und 8 greifbar zu präsentieren. Dies geschieht hier über den Weg eines Planspiels, das im folgenden vorgestellt wird. Wird es den Schülerinnen und Schülern im Spiel gelingen, Nutzungskonflikte im Weltmeer zu lösen?
Nutzungskonflikte in einem Weltmeer lösen
Zur Umsetzung wird im Rahmen der Thinking-Through-Geography (TTG) die Methode „Planen und Entscheiden“ empfohlen. In dieser entwerfen die Schülerinnen und Schüler nach festgelegten Regeln und Rahmenbedingungen einen Handlungsplan und begründen diesen. Im Spiel übernehmen die Lernenden die Rollen der Regierungsmitglieder, welche über die Nutzung eines fiktiven Meeres entscheiden. Dabei kollidieren wirtschaftliche und ökologische Interessen. Es gilt, diese gegeneinander abzuwägen und innerhalb des einzuhaltenden Budgets zu einem begründeten Ergebnis zu kommen.

Didaktische Reduktion und Differenzierung
Die Informationen und Regeln sind sowohl in Textform als auch bildlich dargestellt. Auch die Maßnahmen und die Berechnung ihrer Kosten sind möglichst übersichtlich gestaltet. Dabei wurden die Preise nicht realistisch, sondern gut rechenbar gewählt, um zu gewährleisten, dass die Argumentation und Beurteilung der Ideen im Zentrum stehen. Benötigen die Lernenden während des Aushandlungsprozesses Unterstützung, um einen Ausgangspunkt für ihre Diskussion zu finden, steht ihnen eine Hilfekarte zur Verfügung. Weitere Spielkarten gibt es für Gruppen, die besonders schnell arbeiten und zusätzliche Möglichkeiten benötigen, um sich kreativ auszuleben.
Nutzungskonflikte im Weltmeer lösen – ein Planspiel: Einbettung im Unterricht
Das Planspiel setzt Wissen zu den folgenden Themen voraus, welches im Vorfeld bekannt sein oder gemacht werden sollte:
- Ökosystem Meer,
- Fischfangmethoden,
- Fischzucht in Aquakulturen (on-shore, off-shore) in Verbindung mit Mangrovenwäldern,
- nachhaltige Aquakulturen mit geschlossenem Nahrungskreislauf,
- Rohstoffvorkommen von Erdöl, Erdgas, Diamanten o. ä. und ihre potenzielle Nutzung,
- ggf. Topographie Weltmeere.
Die Umsetzung des Planspiels bündelt an dieser Stelle die Inhalte der Unterrichtssequenz. In dieser Stunde werden zunächst das fiktive Meer und die Ausgangssituation vorgestellt (siehe Präsentation Planspiel „Maritime Nutzungskonflikte“). Es stellt sich die Frage, wie dieses Meer (optimal) genutzt werden könnte. Nun schlüpfen die Schülerinnen und Schüler in ihre Rollen als Regierungsmitglieder und beginnen ihre Arbeit in den Kleingruppen:
- Zuerst befassen sich die Lernenden individuell mit dem ausgehändigten Material (siehe Arbeitsblatt Planspiel „Maritime Nutzungskonflikte“) und beginnen im Anschluss die Diskussion als Gruppe.
- Sobald sie einen Plan ausgehandelt haben, vervollständigen sie die Karte des fiktiven Meeres und bereiten eine Begründung vor.
- Im Plenum werden zwei möglichst unterschiedliche Ergebnisse präsentiert. Es eröffnen sich verschiedene vertiefende Diskussionsansätze: Es können Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Lösungsvorschläge sowie die Prioritäten der Gruppen identifiziert werden oder die Konsequenzen, die sich aus den getroffenen Entscheidungen ergeben, diskutiert werden. Zudem können die Plausibilität der Begründungen sowie die Ergebnisse im Hinblick auf die Kriterien Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit bewertet werden.
- Im Nachgang dieser Unterrichtsstunde können weitere Aspekte zum Thema „Weltmeere“ vertieft werden, wie z. B. die Meeresverschmutzung durch Mikroplastik.
GEO INNOVATIV – Auszeichnung für kreative Unterrichtskonzepte
Das Planspiel „Maritime Nutzungskonflikte“ für Klasse 7/8 gewann 2023 den GEO INNOVATIV Wettbewerb für junge Lehrkräfte. Der Nachwuchspreis sieht sich geographischer Bildung und Nachhaltigkeitserziehung verpflichtet. Er wird alle 2 Jahre gemeinsam vom Ernst Klett Verlag und dem Verband Deutscher Schulgeographen ausgeschrieben. Im Hinblick auf Tabea Borchers Planspiel lobte die Jury den methodischen und didaktischen Ansatz, die sehr guten Materialien sowie die spielerische Herangehensweise des Beitrags.
Auch in diesem Jahr sind wieder Referendarinnen und Referendare sowie Lehrkräfte der Geographie mit bis zu 5 Berufsjahren aufgerufen, neue Unterrichtseinheiten zum GEO INNOVATIV Wettbewerb einzureichen. Das aktuelle Thema lautet „Welt verstehen – Welt gestalten“!
Es werden Lerneinheiten der Klassen 5 bis 13 gesucht, die neu und erprobt sowie didaktisch und methodisch innovativ sind. Sie sollen Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, die jetzige Welt zu verstehen und die zukünftige Welt mitzugestalten. Alle Informationen zur Ausschreibung und Bewerbung findet ihr hier:


Hinterlasse einen Kommentar