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Mit Klett & Buzzard die Urteilskompetenz fördern

Was braucht es heute, um die Urteilskompetenz junger Menschen im Social-Media-Zeitalter nachhaltig zu fördern? Aus eigener Erfahrung möchte ich euch Ansätze vorstellen, wie dies im Unterricht und auch bei knapp bemessener Zeit gelingen kann. Dabei scheinen zwei Bedingungen Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermittlung und Verankerung von Urteilskompetenz zu sein:

Multiperspektivität und Regelmäßigkeit

Die notwendige Bedingung besteht in einem multiperspektivischen Nachrichtenangebot, das einerseits die gesellschaftliche Meinungsvielfalt und inhaltliche Kontroversität abbildet, andererseits aber auch journalistischen Standards gerecht wird. Social Media scheitern aufgrund der filterblasengenerierenden Algorithmen und der Flut an Desinformationen bereits an dieser ersten Bedingung.

Die hinreichende Bedingung ist dann erfüllt, wenn sich unsere Schülerinnen und Schülern wiederholt mit diesem multiperspektivischen Nachrichtenangebot auseinandersetzen. Denn von nachhaltiger Förderung der Urteilskompetenz kann nur dann die Rede sein, wenn sie auf einem wiederkehrenden Handlungsmuster beruht, das sich über die Zeit zu einer Gewohnheit verstetigen kann.

Schülerorientierung

Als Lehrkräfte unterstützen wir dies zusätzlich durch die Berücksichtigung des fachdidaktischen Prinzips der Schülerorientierung – sei es auf methodischer Ebene durch ein ansprechendes und aktivierendes Aufgabensetting und/oder auf inhaltlicher Ebene durch die Auswahl von Themen mit Bezug zur Lebenswelt der Lernenden. So bieten wir unseren Schülerinnen und Schülern die echte Chance, dass sich politische Urteilsbildung in ihrer eigenen Wahrnehmung vom schulischen Zwang zur (mehr oder weniger) selbstgewählten Routine wandeln kann.

Das Debattenraster

Dieser Beitrag soll daher zwei Optionen aufzeigen für all jene Momente im Schuljahr, in denen eine „aktuelle Doppelstunde“ nicht umgesetzt werden kann, die Urteilsbildung anhand aktueller Debatten dennoch nicht zu kurz kommen soll. Beide Optionen nutzen das Debattenraster (siehe Download-Links). Es komprimiert die bekannten Unterrichtsphasen auf ein Minimum und ermöglicht dadurch eine verkürzte thematische Auseinandersetzung, ohne dabei den Fokus der Urteilsbildung aus den Augen zu verlieren.

Mit der Buzzard-Schullizenz haben sowohl unser gesamtes Kollegium als auch unsere gesamte Schülerschaft Zugang zu den Inhalten von Buzzard. Dadurch können wir das Debattenraster in Form einer wöchentlichen Hausaufgabe fest in den Unterricht(sbeginn) einbetten.
In dieser Form wird das Debattenraster bereits seit mehreren Jahren im Unterricht eingesetzt – und hat sich als niederschwellig in der Handhabung und als nachhaltig hinsichtlich seiner Wirkung auf die Urteilskompetenz erwiesen. Erprobt und evaluiert wurde und wird dies an unserer Schule, einem allgemeinbildenden Gymnasium in Baden-Württemberg, ab der Klassenstufe 8 bis in die Kursstufe 2.

Auch in Kombination mit der „Debatte des Monats“ bietet euch das Debattenraster die Möglichkeit, erste Schritte hin zur routinierten Urteilsbildung in eurem Unterricht zu gehen – sei es als vorzubereitende Hausaufgabe oder als wiederkehrender Stundeneinstieg.

Beide Optionen erfüllen sowohl die notwendige als auch die hinreichende Bedingung zur nachhaltigen Förderung der Urteilskompetenz. Darüber hinaus berücksichtigt die „Debatte des Monats“ durch eine gezielte Themenauswahl und aufgrund des innovativen Charakters des Nachrichtenportals Buzzard auch das fachdidaktische Prinzip der Schülerorientierung.

Wem der monatliche Rhythmus nicht genügt, der kann in einem ersten Schritt die bereits vorhandenen kostenlosen „Debatten des Monats“ des GeWi-Blogs nutzen, um den Umgang mit dem Debattenraster vertiefend einzuüben. Und wer dann den Gedanken einer wöchentlichen Routine weiterdenken möchte, der kann zudem über Buzzard einen kostenlosen Vier-Wochen-Testzugang für die gesamte Lehrer- und Schülerschaft beantragen, bevor die Entscheidung über eine Schullizenz getroffen werden muss.

Einbettung im Unterricht

Wie bereits angeklungen, lässt sich die Bearbeitung und Präsentation des Debattenrasters aus einem Guss direkt zu Beginn der Unterrichtsstunde aufeinander aufbauend durchführen, oder aber alternativ durch eine Hausaufgabe vorentlasten (Bearbeitung zu Hause, Präsentation im Unterricht).

Die Vor- und Nachteile beider Varianten müssen je nach vorhandenen Ressourcen und intendiertem Handlungsschwerpunkt gegeneinander abgewogen werden.

Nicht selten stößt die behandelte Debatte auf gesteigertes Interesse unserer Schülerinnen und Schüler, was sich in einem über das Debattenraster hinausgehenden Redebedarf niederschlägt. Auch hier obliegt die Einschätzung uns Lehrkräften, inwieweit eine (spontane) Vertiefung mit unseren Unterrichtszielen kompatibel ist.

Das komprimierte Debattenraster und die vollwertige „Debatte des Monats“ können also auch als ein methodisch-didaktisches Spektrum verstanden werden: Zwischen beiden Optionen gibt es ausreichend Handlungsspielraum für individuelle Anpassungen. Ungeachtet der schlussendlich gewählten Umsetzungsvariante bleiben sowohl die Arbeitsaufträge zur Bearbeitung als auch das Debattenraster als solches für eure Schülerinnen und Schüler unverändert und bieten damit Wiedererkennungswert und Verstetigungspotential.

Arbeitsaufträge

Sämtliche Arbeitsaufträge sind innerhalb des Debattenrasters an vorhergesehener Stelle schriftlich zu bearbeiten und festzuhalten.

  1. Lies die Einleitung und den Hintergrund zur ausgewählten Debatte.
    a) Notiere die Leitfrage der Debatte sowie den Wochentag und das Datum ihres Erscheinens.
    b) Fasse in eigenen Worten zusammen, worum es in der Debatte geht und in welchen politischen und zeitlichen Kontext sie einzuordnen ist.
  2. Triff basierend auf den ersten erhaltenen Informationen ein Spontanurteil zur Leitfrage der Debatte, indem du Zutreffendes ankreuzt.
  3. Lies die Pro- und Contra-Perspektiven im Medienspiegel sowie die Analyse. Notiere das für dich stärkste Pro- und Contra-Argument.
  4. Dein finales Urteil:
    a) Triff ein finales Urteil zur Leitfrage der Debatte, indem du Zutreffendes ankreuzt.
    b) Begründe abschließend deine Urteilsfindung. Folgende Fragen können dir dabei helfen:
  • Hat sich deine Meinung im Vergleich zum Spontanurteil durch die Auseinandersatzung mit den Pro- und Contra-Perspektiven geändert/nicht geändert? Begründe.
  • Warum haben dich die jeweiligen Argumente überzeugt/nicht überzeugt?
  • Welche persönlichen Werte (z. B. Gerechtigkeit, Freiheit, Sicherheit, Nachhaltigkeit) haben deine Urteilsbildung am stärksten beeinflusst? Begründe.
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Über den Autor

Johannes Mees

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