Der Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands (VGD) und der Ernst Klett Verlag schreiben zum 7. Mal den Wettbewerb für neue Unterrichtsideen im Fach Geschichte aus.
Nachwuchswettbewerb im Fach Geschichte
Nachwuchslehrkräfte aufgepasst! Der Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands (VGD) und der Ernst Klett Verlag prämieren Unterrichtsideen im Fach Geschichte! Auch 2025 haben Nachwuchslehrkräfte die Möglichkeit, ihre Unterrichtsideen von einer Fachjury sichten zu lassen. Welche Einsendungen sind preiswürdig? 2023 überzeugte der Beitrag von Nora Mussler aus Lahr. Nora Musslers Konzept kann auch in eurem Unterricht gewinnbringend eingesetzt werden.
Menschen mit Behinderungen während der NS-Zeit
In ihrem Unterrichtsentwurf „Bann G – ,Taubstumme‘ in der Hitler-Jugend?“ setzt sich die 28-Jährige Nora Mussler mit der Situation von Menschen mit Behinderungen während der NS-Zeit auseinander. Sie eröffnet Schülerinnen und Schülern mit ihrem Entwurf die Chance, ein im Unterricht manchmal unterrepräsentiertes Thema eindrücklich kennenzulernen und aus gewohnten Denkmustern auszubrechen.
„Banne“ in der „NS-Euthanasie“
Inklusion umfasst heute ein weitreichendes Verständnis von Diversität. Und sie betont das Recht auf individuelle Entwicklung und politische Teilhabe. Die „NS-Euthanasie“ ist in den Lehrplänen des Geschichtsunterrichts eingebettet, doch werden die Personen oft undifferenziert betrachtet. Ein wenig bekanntes Beispiel ist die Einführung spezieller „Banne“ für Menschen mit Behinderungen in der Hitlerjugend, darunter auch der 1934 genehmigte „Bann G (Gehörlose)“.
Exklusion statt Inklusion – Abwertung und Zwangssterilisation
1933 legitimierte das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchs“ die Abwertung und Zwangssterilisation von Menschen mit Behinderungen. In den sogenannten Sonderbannen, wie dem „Bann G“, wurden die betreffenden Menschen scheinbar integriert, aber visuell durch ein „G“ auf der Schulterklappe gekennzeichnet. Ihre Aufnahme in die Sonderbanne diente nicht der Vorbereitung auf den Wehrdienst, sondern der Indoktrination ihrer vermeintlichen Minderwertigkeit und der Datenerfassung zugunsten von Zwangssterilisationen. Dieser propagandistische Schein der Einbindung verdeutlicht, wie die NS-Politik die Exklusion als Inklusion inszenierte.
Zur Unterrichtsidee der Preisträgerin Nora Mussler
Der Unterrichtsimpuls zu Nora Musslers Unterrichtsentwurf zielt darauf ab, dass die Schülerinnen und Schüler sich mit den Mechanismen der NS-Herrschaft auseinandersetzen. Dabei erkennen sie, dass die scheinbare Integration von Menschen mit Behinderungen in die „Volksgemeinschaft“ tatsächlich eine Form der Ausgrenzung darstellte. Darüber hinaus vergleichen Lernende die historische Diskriminierung mit heutigen Herausforderungen der Inklusion und diskutieren mögliche gesellschaftliche Parallelen.
Ihr wollt noch mehr über Nora Musslers Projekt erfahren? Dann lest hier ein Interview mit der Preisträgerin:
Einbettung im Unterricht
Die Thematik ist in der NS-Zeit verankert und kann im Kontext der Themen „Volksgemeinschaft“ und „Euthanasie“ behandelt werden.
- Einstieg: Die Schülerinnen und Schüler beginnen mit einer ersten Analyse von Quellen. Hierbei arbeiten sie den Widerspruch zwischen dem „Gesetz zur Verhütung von erbkrankem Nachwuchs“ und der scheinbaren Integration von Gruppen in die Hitlerjugend heraus. Eine mögliche Leitfrage hierfür lautet: „Taubstumme in der Hitlerjugend?“
- Erarbeitung: Anschließend führen die Schülerinnen und Schüler eine detaillierte Quellenanalyse durch. Ziel ist es, zentrale Aussagen aus dem „Gesetz zur Verhütung von erbkrankem Nachwuchs“ zu erfassen und sich mit dem „Bann G“ und seiner Entstehung auseinanderzusetzen. Als Quellen können hierbei Gesetzestexte, Historikertexte und Fotografien genutzt werden. Dadurch soll es den Lernenden ermöglicht werden, die Leitfrage zu beantworten.
- Sicherung: Nach der Erarbeitungsphase werden zentrale Aspekte in einem gemeinsamen Tafelbild festgehalten. Dabei sollen folgende Punkte gesichert werden: Fakten aus dem „Gesetz zur Verhütung von erbkrankem Nachwuchs (GzVeN)“, allgemeine Aspekte zum Bann G sowie dessen Entstehung und (erzieherische) Tätigkeiten sowie die Propaganda zum GzVeN.
- Problematisierung: Die Schülerinnen und Schüler bewerten auf Basis der „UN-Behindertenrechtskonvention“ den Umgang mit Menschen mit Behinderungen in der NS-Zeit. Hierbei werden die gesellschaftliche Exklusion und die Problematik der damaligen als „Euthanasie“ bezeichneten Morde hinterfragt.
- Transfer: Ein besonderer Fokus liegt auf dem Lebensweltbezug: Die Lernenden setzen sich mit der heutigen gesellschaftlichen Situation von Menschen mit Behinderungen auseinander. Hierbei wird die Frage aufgeworfen, ob Menschen mit Behinderungen heute inkludiert oder weiterhin exkludiert werden.
- Hausaufgabe: Die Lernenden erstellen ein Video, in dem sie ihre Erkenntnisse zusammenfassen, die historischen Ereignisse bewerten und darlegen, wie der Umgang mit Menschen mit Behinderungen in der heutigen Gesellschaft geregelt ist.
- Quellen:


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