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Medientipp: Interaktive Graphic Novel „Wir leben hier!“ über das Leben von Jugendlichen in der DDR

Die interaktive Graphic Novel „Wir leben hier!“ ermöglicht es, spielerisch intensive Einblicke in das Leben von Jugendlichen in der DDR zu erhalten. Wie sah das Leben der Jugendlichen damals aus? Mit welchen Hindernissen hatten sie zu kämpfen und welche Träume verfolgten sie? Inwiefern ermöglicht ein spielerisch angeleiteter Perspektivwechsel einen Einblick in die Vergangenheit?

Fiktive Geschichten von Jugendlichen in der DDR

Jeder Mensch hat Träume. Karo träumt davon zu studieren und Lehrerin zu werden. Sybille möchte als Krankenschwester Soldaten in der UdSSR versorgen. Klaus träumt von anderen Ländern und Kulturen und einem Leben, in dem er nicht verstecken muss, dass er Bücher wie George Orwells „1984“ liest. Und Bodo möchte einfach nur frei, unangepasst, Punk sein und die Musik hören und spielen, die er will. Karo, Sybille, Klaus und Bodo sind Figuren in der interaktiven Graphic Novel „Wir leben hier“, die als Kooperationsprojekt der Stiftung Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar, der musealis GmbH, der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und der Stiftung Ettersberg entstand.

Die Geschichten der vier Charaktere basieren auf realen Erlebnissen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die in der DDR aufgewachsen sind. Die Schülerinnen und Schüler haben beim Spielen die Möglichkeit, in der Rolle einer Figur Entscheidungen zu treffen und nachzuvollziehen, welche Konsequenzen diese Handlungen in der DDR-Gesellschaft haben konnten. Außerdem werden Sequenzen von Zeitzeugeninterviews eingeblendet. Das Spiel ermöglicht einen Zugang und eine Auseinandersetzung mit tiefgreifenden Fragen zum Alltagsleben in der DDR und zur Reflexion der eigenen Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler.

Das Spiel kann das Versprechen, Nutzerinnen und Nutzer könnten durch das Spielerlebnis „Aspekte der DDR-Geschichte […] erfahren“ natürlich nicht einlösen, weil auch das Eintauchen in historisches Storytelling den Aspekt der historischen Alterität nicht außer Kraft setzt. Das auf Zeitzeugenberichten basierende Angebot bietet aber Stoff für eine lebendige, unterhaltsame und schülernahe Unterrichtsgestaltung und diverse Reflexionsansätze für eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Lebensbedingungen in Diktatur und Demokratie.

Weiterführende Informationen zum Spiel:
Spielidee und Hintergrund: https://www.wir-leben-hier.com/hintergrund
Die echten Biografien hinter den Charakteren: https://www.wir-leben-hier.com/zeitzeug-innen

Einbettung im Unterricht

Unter dem folgenden Link findet ihr verschiedene Begleitmaterialien für euren Unterricht. Diese können je nach verfügbarem Zeitbudget im Unterricht angewendet werden. Sie dienen als Ergänzungs- und Vertiefungsmaterial, das Spiel kann jedoch auch ohne die Verwendung des zusätzlichen Materials im Unterricht eingesetzt werden.

Es empfiehlt sich, für den Einsatz des Spiels mindestens eine Doppelstunde einzuplanen. Die Eingliederung des Spiels in den Unterricht kann dabei in drei Phasen geschehen.

  1. Einstieg:
    Zu Beginn sollten einführende Hinweise zum Spiel, der thematischen Einbettung in das Unterrichtsgeschehen und eventuell zum notwendigen Fachwortschatz gegeben werden.
  2. Erarbeitung:
    Während der Erarbeitung können die Schülerinnen und Schüler in Partner- oder Gruppenarbeit die einzelnen Episoden durchspielen. Hierbei kann spezifisch herausgehoben werden, dass die Schülerinnen und Schüler bei der Arbeit in Kleingruppen dazu angehalten werden sollen, ihre individuellen Entscheidungen während des Spiels mit ihren Gruppenmitgliedern zu teilen und dazu Notizen zu machen.
  3. Sicherung und Reflexion:
    Um die Spielerfahrung mit Bezug auf die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler zu reflektieren, lohnt sich am Ende der Doppelstunde eine Diskussion, die z. B. folgende Themen in den Blick nimmt: die Bedeutung von Meinungsfreiheit und Demokratie für Heranwachsende (in der DDR und heute); ein Vergleich der Umsetzungsmöglichkeiten von Ansprüchen und Hoffnungen Jugendlicher in der DDR und heute sowie ein Austausch zu Möglichkeiten, Dissens und Unzufriedenheit in einer Diktatur und Demokratie auszudrücken.
    Abschließend sollten die Schülerinnen und Schüler ihre Spielerfahrung und den Einsatz des Spiels kritisch reflektieren: Wie beurteilen die Schülerinnen und Schüler die Behauptung, durch das Spiel könnten „Aspekte der DDR-Geschichte […] aktiv erfahren“ werden? Damit wird Schülerinnen und Schüler der Konstruktcharakter von Geschichte bewusst und historisches Denken geschult.
  4. optionale Vertiefungsphase:
    Im Anschluss an die Reflexionsphase können die Inhalte bspw. mithilfe des Begleitmaterials auf der Website oder Recherche-Aufträgen noch einmal individuell vertieft werden. Hierbei kann auf die besonderen Interessen der Schülerinnen und Schüler zu diesem Themengebiet eingegangen werden.
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Über die Autorin

Florentine Diersch

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