Am 22. August startet die Herren-Bundesliga in die Saison 2025/26 und damit ihre 63. Spielzeit. Die Nationalmannschaften der Frauen starten nach der im Juli ausgetragenen Europameisterschaft am 6. September in die Bundesligasaison. Mit einem Zuschauerschnitt von etwa 40.000 bei den Männern ist der Fußball der mit Abstand beliebteste Sport in Deutschland. Fußball ist heute ein Massenphänomen, welches seinen Ursprung in der Zeit der Weimarer Republik hat.
Denn nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde der Sport einer breiten Bevölkerung zugänglich und zum gesamtgesellschaftlichen Phänomen. Die kulturellen Entwicklungen der Weimarer Republik wie die „Goldenen Zwanziger“ sind weithin bekannt. Welche Modernisierungswirkung der Sport hatte, wird dagegen oft übersehen.
Der unaufhaltsame Aufstieg des Sports
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges unterzeichneten die Deutschen den Versailler Vertrag. Dieser sah eine starke Reduzierung der Armee vor. Durch den Wegfall der Wehrpflicht und die erzwungene Abrüstung war der Sport eine Möglichkeit für die Politik, die Deutschen fit zu halten. Zusätzlich profitierte die arbeitende Bevölkerung von sozialpolitischen Errungenschaften wie dem Acht-Stunden-Tag, dem halben freien Samstag und kleinem Urlaubsanspruch von drei bis vier Tagen im Jahr: Es gab nun mehr private, freie Zeit, um sich zu betätigen und bspw. in Vereinen zu organisieren. Die Organisation der Menschen in Sportvereinen war eine Milieuangelegenheit:
Denn es entwickelten sich bürgerliche Turnvereine, Arbeitersportvereine und konfessionelle Sportverbände. Durch den Siegeszug der Medien entstand nun auch eine Öffentlichkeit, die es ermöglichte, das Geschehen in Echtzeit mitzuerleben: Im Radio konnte man Boxkämpfe oder Autorennen verfolgen, berühmte Sportler warben von Litfaßsäulen für Produkte und neu gegründete Sportmagazine brachten die Inhalte auf die Küchentische der Deutschen. Überhaupt entwickelte sich mit dem Profisport die Verehrung sportlicher Idole, die oft als Projektionsfläche dienten.
Sonderausstellung zum Thema in Weimar
Das Museum „Haus der Weimarer Republik“ in Weimar hat sich in seiner aktuellen Ausstellung „Freiheit in Bewegung“ mit dem Thema befasst. Das Kurationsteam hat die Ausstellung wie eine Sportlaufbahn angelegt. An der Außenseite lässt sich anhand von Bild- und Textquellen nachvollziehen, wie sich der Sport schrittweise zum Teil des alltäglichen Lebens entwickelte. Zu diesen Quellen gehören Cover von Sportmagazinen, Bilder von Wettkämpfen und schriftliche Zeugnisse von Zeitgenossen. Die Geschichte des Sports wird in Etappen erzählt. Sie behandelt zunächst, wie die körperliche Ertüchtigung als Militärersatz diente und so die Einschränkungen des Versailler Vertrags auffangen sollte. Es wird das wachsende Vereinswesen mit seinen konfessionell geprägten Clubs und Arbeitersportvereinen beleuchtet.
Weitere Aspekte, welche die Besuchenden geboten kriegen, sind unter anderem die langsame Annäherung Deutschlands an die Weltöffentlichkeit durch internationale Wettbewerbe. Außerdem erfährt man, wie sich der Breiten- und Profisport ausbildete und sich damit bis heute nachwirkende Weichenstellungen vollzogen. Im Inneren der Bahn finden sich zudem verschiedene Stationen zu individuellen Biografien von Personen, die den Sport geprägt haben. Wenn es das Curriculum und die räumliche Entfernung zulässt, kann ein Besuch eine vielversprechende Ergänzung zum Unterrichtsalltag sein. Die Ausstellung ist bis zum 12. Januar 2026 zu sehen. Mehr Informationen findet ihr auf der Website des Museums.
Einbettung in den Unterricht
Im Unterricht lässt sich die Sequenz zum Sport in der Weimarer Republik gut anbinden an die kulturellen und gesellschaftlichen Neuerungen der ersten deutschen Demokratie. Wenn zuvor Kunst und Kultur oder die „neue Frau“ behandelt wurden, kann die Beschäftigung mit dem Sport eine neue Ebene der gesellschaftlichen Entwicklungen in der jungen Republik eröffnen.
Einstieg
Als Einstieg kann die Lehrkraft als Bildimpuls Fotos von Profisportlerinnen und -sportlern aus der Gegenwart zeigen und die Schülerinnen und Schüler so zu ersten Wortmeldungen anregen. Die Schülerinnen und Schüler erklären, wen sie da sehen, welchen Sport die Person ausübt und was sie darüber wissen. Im Unterrichtsgespräch können die Aspekte des (Profi-)Sports herausgearbeitet werden (Welche Rolle spielt Sport in eurem Leben? Inwiefern unterscheidet sich deren Alltag von eurem? Seit wann gibt es das denn? Wie war das wohl früher?).
Dann leitet die Lehrkraft zum Thema der Stunde über: In der Weimarer Republik entwickelte sich der Sport zum Massenphänomen und wurde dadurch Bestandteil des Lebens der Deutschen. Was waren Gründe dafür und welche Auswirkungen hatte das?
Erarbeitung
Die Lehrkraft stellt den Schülerinnen und Schülern Fragestellungen bzw. Themen vor, die in Gruppen erarbeitet werden sollen. Vorschläge dafür findet ihr unten in unserem Artikel. Dafür können sich die Schülerinnen und Schüler nach Interessensschwerpunkten in Gruppen organisieren, wahlweise gibt die Lehrkraft die Zusammensetzungen vor. Voraussetzung für die Arbeit an den Fragen sind digitale Endgeräte, Smartphones reichen zur Recherche aus. Falls nicht erlaubt oder nicht bei allen Schülerinnen und Schülern vorhanden, sollte ein Tablet-Koffer organisiert oder der Computerraum gebucht werden.
Die Gruppen erarbeiten die Fragestellungen, die am Ende der Stunde wie ein Mosaik zusammengeführt werden und ein Bild vom Sport in der Weimarer Republik ergeben sollen. Je nach technischen Möglichkeiten kann dies per PowerPoint-Präsentation, klassisch als Plakat oder Kurzreferat mit knappem Handout erfolgen.
Die Fragestellungen sind als Inspiration gedacht und können angepasst oder nach Interessen/Vorwissen der Schülerinnen und Schüler erweitert werden.
Nach den Präsentationen der Gruppen kann die Lehrkraft die einzelnen Aspekte zusammenführen. Im Unterrichtsgespräch sollte die gesamtgesellschaftliche Wirkung des Breiten- und Profisports in der Weimarer Republik unter den erarbeiteten Aspekten herausgestellt werden. Schließlich kann diskutiert werden, welche Kontinuitäten sich bis in unsere Gegenwart ziehen und unser (Sport-)Leben noch heute beeinflussen.
Differenzierung/Transfer: KI-Aufgabe
Je nach Leistungsstand der Klasse kann es Gruppen geben, die früher mit ihren Ergebnissen aufwarten. Eine Aufgabe, die unter Verwendung von Künstlicher Intelligenz bearbeitet wird, kann hier zur Differenzierung beitragen und einen kritischen Umgang mit der KI schulen.
Mit einer KI, die für den Unterricht zugelassen ist, sollen die Schülerinnen und Schüler einen Radiobeitrag erstellen, der in den 1920ern ein historisches Sportevent (Boxkampf/Autorennen/Fußballspiel) begleitet. Die Gruppe sucht zunächst gemeinsam ein ausreichend belegtes Event heraus und informiert sich darüber. Denkbar wären hier Max Schmelings erster WM-Kampf gegen Jack Sharkey 1930, die Berliner Sechstagerennen oder Fußballmeisterschaften bzw. -länderspiele wie das Freundschaftsspiel Deutschland – Österreich 1931. Dann einigt sie sich auf einen zielführenden und produktiven Prompt (Tipps für gutes Prompten hat das Klett-Team für euch zusammengestellt).
Das Ergebnis wird dann geprüft: Ist der Beitrag spannend gestaltet? Halten die Inhalte einem historischen Faktencheck stand? Entspricht der Text sprachlich den 1920er-Jahren oder haben sich moderne Vokabeln reingemogelt? Wird die Dynamik ausreichend abgebildet und für die Hörerschaft nachvollziehbar geschildert? Gegebenenfalls wird der Prompt bzw. der Zieltext nachjustiert. Das Ergebnis wird im Anschluss der Klasse präsentiert.
Potenziale
Aus dem produktorientierten Charakter der Aufgabe ergeben sich mehrere Potenziale:
- Kreativität und Perspektivwechsel: Die Aufgabe fordert kreative Textgestaltung aus Sicht der Zeitgenossen und fördert so das historische Lernen.
- Digitale Quellenkritik und Analyse: Indem der Beitrag im Anschluss auf seine Plausibilität und historische Genauigkeit untersucht wird, üben die Schülerinnen und Schüler einen kritischen Umgang mit KI-generierten Inhalten.
- Medienkompetenz: Die Aufgabe ermöglicht einen praxisnahen Umgang mit digitalen Technologien im Klassenzimmer und sensibilisiert für deren Chancen und Grenzen.
- Kooperations- und Präsentationskompetenz: Die Präsentation fördert Austausch und Diskussion in der Klasse.
- Motivation: Die Idee, einen historischen „Live-Moment“ nachzuempfinden, kann motivierend auf Schülerinnen und Schüler wirken.
Aufgabe/Fragestellung
- Warum erlebte der Sport den Durchbruch zum Massenphänomen?
- Die „Neue Frau“: Der Sportplatz als Ort der Emanzipation?
- Wie wurde der Fußball zum Lieblingssport der Deutschen?
- Welche Rolle spielten soziale/konfessionelle Milieus beim Sport?
- Jüdischer Sport in Deutschland: Welche Rolle spielten jüdische Vereine, Sportler und Sportlerinnen?
- Die ersten Sportstars: Wer waren die bekanntesten Sportler und Sportlerinnen der Zeit?
- Was kannst du über Sportvereine in deiner Gegend in der Zeit der Weimarer Republik herausfinden?
- Welche Sportarten – im Vergleich zu heute – waren damals populär?
Erwartungshorizonte/Linktipps
1)
- Neue Körperkultur seit Jahrhundertwende (https://www.bruecke-museum.de/de/sammlung/perspektiven/849/reformbewegungen-um-1900-padagogik-korper-wohnen-und-das-frauenwahlrecht);
- Einführung des 8-Stundentags, halber Samstag frei, Ferienanspruch (https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/industrie/achtstunden);
- Wegfall der Wehrpflicht durch Versailler Vertrag: Sport als „Ersatzmilitär“ (https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/aussenpolitik/versailles);
- Boom der Vereine und Sportarten
2)
- Die „Neue Frau“ auf dem Sportplatz: https://www.dosb.de/aktuelles/news/detail/100-jahre-frauensport-1920-bis-1930
3)
- Fußball wird zum Lieblingssport der Deutschen: https://www.deutschlandfunkkultur.de/fussball-deutschland-geschichte-massenphaenomen-turnen-100.html
4)
- Rolle der Milieus: https://www.deutschlandfunk.de/arbeiter-turn-und-sportbund-die-geschichte-des-deutschen-100.html
5)
- Jüdischer Sport in Deutschland: https://www.bpb.de/themen/zeit-kulturgeschichte/juedischesleben/511313/vergessene-wurzeln-die-geschichte-des-juedischen-sports-in-deutschland
- Jüdische Sportstars: https://juedische-sportstars.de/hintergrund
6)
- Denkbar wären: Boxer Max Schmeling, Leichtathlet Rudolf Harbig, Fechterin Helene Mayer, Leichtathletin Lina Radke-Batschauer u.a.
7)
- Je nach Informationslage kann das Stadtarchiv aufgesucht oder entsprechende digitale Angebote konsultiert werden.
8)
- Recherche bizarrer Sportarten der 1920er-Jahre im Internet: Motorradwagenrennen, Pushball, Landskiff oder Eissegeln bzw. Sport, der heute in geringerem Ausmaß noch praktiziert wird (Faustball, Boxsport, Rhönradfahren)


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