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Die NS-Massenmorde – dokumentiert in Ludwigsburg

Die „Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen“ in Ludwigsburg wurde 1958 gegründet, um Material für die Verurteilung von NS-Tätern zu sammeln. Die Staatsanwälte trugen aus aller Welt Akten zusammen. Diese sind heute für die Forschung von unschätzbarem Wert. Mithilfe der kostenlosen Kopiervorlage könnt ihr die Relevanz der Forschungsstelle mit euren Schülerinnen und Schülern näher beleuchten.

Der Historiker Dr. Martin Cüppers erforscht eine der bedeutendsten Quellensammlungen zur NS-Geschichte:
die Akten der „Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung von NS-Verbrechen“.

Die Arbeit der „Zentralen Stelle“ ist ein lohnendes Thema für den Geschichtsunterricht.
Die Ludwigsburger Akten zeigen,

  • wie der Holocaust konkret vor Ort ablief,
  • wie Opfer den Holocaust erlebt und beobachtet haben,
  • wie Täter in erschreckendem Maße freiwillig handelten,
  • wie Täter versuchten, ihre Spuren zu beseitigen,
  • wie groß die gesellschaftlichen Widerstände gegen die Aufarbeitung der NS-Zeit waren.

Für ein Schulbuchkapitel haben wir Herrn Dr. Cüppers zu seiner Forschungstätigkeit an der Zentralen Stelle interviewt.
Das folgende Interview findet ihr auch auf der kostenlosen Kopiervorlage, einschließlich Erschließungsaufgaben für den Unterricht:

Interview mit dem NS-Forscher Dr. Martin Cüppers

NS-Forscher Dr. Martin Cüppers

Dr. Martin Cüppers ist wissenschaftlicher Leiter der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart. Er berät die Geschichtsredaktion des Ernst Klett Verlages zur Darstellung des Holocausts in Bildungsmedien.
(Bildquelle: privat)

Rüdiger Fleiter: Herr Cüppers, Sie werten als Historiker die Akten aus, die in Ludwigsburg über Jahrzehnte zusammengetragen wurden. Warum ist diese Aktensammlung so bedeutend?
Martin Cüppers: Die Nationalsozialisten haben am Kriegsende schriftliche Belege ihrer Verbrechen systematisch beseitigt. Nur zufällige Bruchstücke sind erhalten. In Ludwigsburg wurden ab 1958 unzählige Aussagen von Opfern und Vernehmungen einstiger Täter zusammengetragen. So ist nachträglich eine Quellensammlung zum Holocaust und anderer Verbrechen entstanden, ohne die unser Wissen viel geringer wäre.

Was ist an der Ludwigsburger Quellensammlung besonders interessant?
Die Justiz machte in Ermittlungsverfahren zahlreiche Überlebende ausfindig. Die Überlebenden schilderten, wie sie dem ja ganz systematisch angelegten Holocaust entkommen konnten. Diese Opferperspektiven sind für uns fundamental wichtig.

Was verraten die Akten über die Täter?
Die Vernehmungen von Tätern belegen, wie wir uns Alltag unter der NS-Herrschaft vorstellen müssen. Es gab eben nicht nur Befehle Hitlers, die dann irgendwie gehorsam und bürokratisch befolgt wurden. Vielmehr standen Mörder ihren Opfern millionenfach direkt gegenüber. Dabei zeigte sich eine entsetzliche Dimension von Menschenverachtung, Brutalität und freiwilliger Teilnahme an den Massenverbrechen. Nur so konnten der Holocaust und andere Völkermorde der Nationalsozialisten verwirklicht werden.

Sie erwähnten, dass die NS-Täter Spuren ihrer Verbrechen beseitigten.
Die Täter verstanden genau, dass alle Belege ihres mörderischen Handelns beseitigt werden mussten, damit sie den Alliierten nicht in die Hände fallen. So begann eine gigantische Aktenvernichtung.

Was sagen Sie Menschen, die behaupten, den Holocaust habe es nicht gegeben?
Die Leugnung oder eine leichtfertige Gleichsetzung des Holocaust beispielsweise mit Kolonialverbrechen belegen Unwissen oder eine bewusste Täuschung. Die in Ludwigsburg gesammelten Quellen beweisen dagegen, wie hunderttausende Täter und manche Täterinnen sich bereit zeigten, ihre Opfer in nie gekannter Systematik zu ermorden. Das ist einzigartig und wir sind gefordert, dass es das bleibt.

NS-Forschung im Unterricht

Das Thema kann behandelt werden im Zusammenhang mit

  • dem Nationalsozialismus (Ablauf des Holocaust, Quellen zum Holocaust),
  • der Nachkriegszeit (Umgang mit den NS-Verbrechen),
  • Rechtsradikalismus (Leugnung des Holocaust).

Auch als außerschulischer Lernort eignet sich die Zentrale Stelle. Dort können die Schülerinnen und Schüler mehr über die Ermittlungsarbeit erfahren. Es gibt zudem Bildungsangebote zu Konzentrationslagern in der Region, zur Tötung von Menschen mit Behinderung, zum Umgang mit der NS-Vergangenheit oder zum heutigen Grundgesetz.

https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/bildungsarbeit/ludwigsburg/

Unterrichtsidee für die Kopiervorlage zur Zentralen Stelle:

  • Einstieg:
    – „Den Holocaust hat es nicht gegeben.“ Sammeln von Argumenten, die diese Aussage von rechtsextremen Gruppen widerlegen.
    – Überleitung zum Stundenthema: Es gibt einen Ort in Deutschland mit einer herausragenden Quellensammlung, der wie kein zweiter den Holocaust dokumentiert. → Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung von NS-Verbrechen
  • Erarbeitung:
    – Bearbeitung der Kopiervorlage in Partner- oder Gruppenarbeit mit den Aufgaben 1 bis 4
  • Sicherung:
    – gegenseitige Vorstellung der Ergebnisse
  • Schlussdiskussion:
    – „Den Holocaust hat es nicht gegeben.“ Widerlegung der These von Rechtsextremen am Beispiel der Ludwigsburger Aktensammlung

Zum Weiterlesen anlässlich des Holocaustgedenktages

  • In unserem Blogbeitrag „Medientipp: Die Quellen sprechen“ findet ihr eine atemberaubende Auswahl an Interviews mit Zeitzeugen sowie eingesprochenen Quellentexten zur Verfolgung von europäischen Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus. Anhand eines Interviews mit dem Zeitzeugen Horst Selbiger erhaltet ihr in dem Beitrag konkrete Tipps zum Einsatz im Unterricht.
  • Unser „Medientipp: Stolpersteine in NRW interaktiv erkunden“ stellt die neue WDR-App vor, welche die Schicksale von verfolgten, deportierten oder ermordeten Jüdinnen und Juden hinter den gut 16.000 digital kartographierten Stolpersteinen in NRW erlebbar macht.
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Über den Autor

Dr. Rüdiger Fleiter

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