Was in der Gesellschaft kontrovers ist, sollte auch in der Schule kontrovers diskutiert werden. Dafür müssen die Schüler und Schülerinnen zunächst wissen, was sich hinter dem EPD verbirgt.
Was ist der „Equal Pay Day“ und wie wird er berechnet?
Der Equal Pay Day macht auf die geschlechtsspezifische Lohnlücke aufmerksam, die laut Statistischem Bundesamt 16 Prozent in Deutschland beträgt (Stand 2025. So erhielten Frauen im Jahr 2025 mit durchschnittlich 22,81 Euro einen um 4,24 Euro geringeren Bruttostundenverdienst als Männer (27,05 Euro). Das bedeutet: Rechnet man den Wert von 16 Prozent in Tage um, arbeiten Frauen vom 1. Januar an 58 Tage unentgeltlich. In diesem Jahr fällt der EPD auf den 27. Februar 2026. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Gender Pay Gap nicht verändert, er stagniert also (2024: 18 Prozent).
Ein konkreter Ansatz für den Unterricht
Als Zahlenfreundin arbeite ich gerne mit Statistiken. Ohne Frage sind diese beim Thema Einkommensentwicklungen ein gewinnbringendes Material. Bei der Bundeszentrale für Politische Bildung oder auch bei der Organisation Business and Professional Women, die den EPD in Deutschland veranstalten, findet man zahlreiche Informationen und aktuelle Daten.
Allerdings sind Daten für die Lernenden häufig abstrakt und das Phänomen der Einkommensungleichheit wird dadurch nicht zwingend greifbar. Einen Ausweg bietet hier die Mystery-Methode. Die Lernenden werden zu Ermittlerinnen und Ermittlern in einem konkreten Fall: Warum kann Sonja den Urlaub nicht so locker bezahlen wie ihr Mann Murat? So bekommt die Ungleichheit ein Gesicht.
Einbettung im Unterricht
Der Einstieg erfolgt über die Kopiervorlage mit der Vorstellung von Sonja und Murat und dem konkreten Problem. Nach dem Vorlesen der Szenerie tauchen die Lernenden in die Informationen auf den Karten ein und suchen selbstständig nach Antworten. Ich empfehle die Bildung von Dreier- und Vierergruppen – in größeren Gruppen sind die Einzelnen oft zu wenig beteiligt.
Die Einlesezeit kann etwas turbulent sein – erfahrungsgemäß wird es von selbst ruhiger, wenn die ersten Teams beginnen, ihre Karten zu ordnen und auf dem Tisch auszubreiten. Nach etwa 30 Minuten könnt ihr die Teams bitten, eine Antwort zu formulieren, die möglichst viele der gefundenen Informationen einbezieht. Schließlich stellen mehrere Gruppen ihre Antworten in der Klasse vor. Alternativ können die Lernenden die Karten auf Plakate kleben und beschriften lassen.
Tipps zur Reflexionsphase
In der abschließenden Unterrichtsphase der Stunde wird diskutiert und reflektiert. Angeregt durch die Betrachtung des Einkommensunterschieds könnt ihr eure Lernenden dazu auffordern, eigene Fragestellungen zu entwickeln. Oder ihr greift gezielt unterschiedliche Aspekte auf – einige Beispiele:
- Ist es überhaupt schlimm, wenn Frauen weniger verdienen als Männer?
- Können Frauen nicht einfach andere Berufe erlernen?
- Welche Maßnahmen könnten aus eurer Sicht zur Lösung des Problems beitragen?
- Wie kommt es, dass so viele Familien die Care-Arbeit bei den Frauen belassen?
- Und hat der Staat darauf überhaupt Einfluss?
- Kann ein Aktionstag wie der EPD aus eurer Sicht etwas bewirken?
Viele Fragen, die der Equal Pay Day aufwirft, lassen sich nicht in einer Unterrichtsstunde klären – dazu braucht es weiterführende Auseinandersetzung mit zusätzlichen Materialien. Und zu vielen Fragen gibt es auch (noch) keine Lösung, sie werden aktuell in der Politik diskutiert.
Eine Klärung des Begriffs ist allerdings ein sinnvoller Auftakt für die Sensibilisierung des „kleinen Unterschieds beim Einkommen“.


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