Finanzielle Bildung gehört in den Unterricht, so die einhellige Meinung vieler zivilgesellschaftlicher und politischer Stimmen. Denn nur etwa 62 % aller erwachsenen Deutschen können laut empirischer Bildungsforschung des BMBF grundlegende Fragen rund um Finanzen beantworten.
Leider klingen diese Fragen mehr als trocken und als Lehrkraft graut einem oft genug davor, wenn insbesondere finanzielle Themen auf dem Bildungsplan stehen.
Einen motivierenden Einstieg finden
Finanzielle Bildung ist unübersichtlich und gespickt von Begriffen, die den Lernenden fremd bis unverständlich sind. Einen geeigneten motivierenden Einstieg zu finden, ist deshalb oftmals gar nicht so einfach. Begeisterung für das Themenfeld zu wecken erscheint umso schwieriger, will man nicht allein daraufsetzen, dass durch einen nahenden Schulabschluss die Notwendigkeit gefühlt wird, sich mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen. Und dennoch bietet sich der Blick auf die Zukunft nach der Schule an, wenn man die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt abholen möchte.
Persönliche Zukunftsaussichten als Basis
Ich persönlich habe eine Abneigung gegen fiktive Szenarien im Stile von „Laura und Philip wollen zusammenziehen, erstelle für sie einen Haushaltsplan“ oder „Paulas Papa arbeitet in einem Eisladen. Bestimme mithilfe der Lohnabrechnung sein monatliches Brutto- und Nettogehalt“, weil der persönliche und praxisbezogene Bezug fehlt. Daher stelle ich meine Lernenden in den Fokus und werfe die Frage auf: „Stell dir vor, du bist 20 Jahre alt. Wie sieht dein persönliches und berufliches Szenario für die Zukunft aus?“
Im Unterrichtsgespräch schauen wir auf die Zukunftsszenarien mit verschiedenen Ausbildungen oder Studiengängen und überlegen, was es braucht, um diesen Plan (auch finanziell) umzusetzen: Eine Wohnung oder andere Unterkunft? Strom, Wasser und Gas? BaföG? Versicherungen? Gestalten wir die Zukunftsszenarien konkreter aus, erlauben uns zu träumen und recherchieren ggf. Wohnungsanzeigen, dann ergeben sich daraus ein Haushaltsplan oder die Frage, was Warm- und Kaltmiete bedeutet.
Alternativ könnt ihr auch die Kopiervorlage nutzen und den Fokus direkter auf die Fragen zu lenken, die eure Lernenden beschäftigen.
Vergleicht die Fragestellungen in der Lerngruppe: Was beschäftigt euch am meisten? Könnt ihr einen Grund dafür angeben? Wie lassen sich die Fragen beantworten?
Die Lehrkraft als Expertin oder Experte
Am liebsten würde ich in diesem Bereich so schülergesteuert wie möglich vorgehen, die Jugendlichen Fragen entwickeln, recherchieren und beantworten lassen. Doch einerseits wissen sie oft nicht, wonach sie eigentlich fragen sollten, und andererseits sind die Quellen oft schwer verständlich und enthalten zu viele Fachbegriffe, die sie nicht kennen. Zudem gibt es viel Werbung, wenn man zum Beispiel bei den Banken über Konten recherchiert.
Darum werde ich mindestens zwischendurch immer wieder zur Expertin und stelle mich allen Fragen, die sich angehäuft haben. In solchen Stunden ist mein Sprechanteil hoch und würde vielleicht manchem modernen Didaktiker die Haare zu Berge stehen lassen. Mein persönliches Empfinden sagt, dass es den Jugendlichen gut tut, all ihre Fragen stellen zu können, sobald sie auf Unverständliches stoßen, und ich ihnen somit vielleicht ein paar Sorgen nehmen kann, die der Dschungel aus Finanzbegriffen bereithält.
Das Material als kritische Quelle
Arbeitsblätter, Infofilme und vieles mehr sind heute zur finanziellen Bildung im Netz frei erhältlich. Wer als Lehrkraft sucht, findet schnell viel zu viel. Verbraucherzentralen, Bundesbank, Initiativen und Verbände – überall gibt es Beiträge zum Thema finanziellen Bildung – nicht immer uneigennützig. Ein möglicher Weg, damit umzugehen, ist, Materialien zum gleichen Thema bei verschiedenen Anbietern herauszusuchen und die Lernenden zu beauftragen, das Material zu vergleichen: Was wird hier und dort in den Fokus gerückt? Welche Absicht könnte dahinterstecken?
So kann ein Gespräch über finanzielle Bildung entstehen und auch über die Frage, was Jugendliche meinen, in der Schule lernen zu sollen und wollen. In höheren Klassenstufen könnt ihr darüber hinaus diskutieren, wie auch die Gestaltung von Bildungsplänen und Materialien unter dem Einfluss gesellschaftlicher und politischer Prozesse stehen.
Nützliche Links
Beispielhaft findet ihr nachfolgend zum Thema „Konten“ verschiedene Quellen, die ihr für den kritischen Materialvergleich nutzen könnt:
- Finanztip Schule: „Girokonto – Unterrichtsmaterial“. Finanztip Schule ist die Bildungsinitiative der gemeinnützigen Finanztip Stiftung.
- OhMoney: Digitaler Lernpfad „Konten“. OhMoney ist eine Initiative der gemeinnützigen finlit foundation.
- Sparkasse Schulservice: „Kontoarten“
- Jugend und Finanzen (Schulserviceportal der Volksbanken Raiffeisenbanken): „Schülerbroschüre Umgang mit Geld I“
- Verbraucherzentrale: „Girokonto und Zahlungsverkehr“
Darüber hinaus findet ihr altersgerechte Texte und Materialien zur finanziellen Bildung natürlich auch in unseren Lehrwerken, z. B.
- Starke Seiten Wirtschaft | Berufs- und Studienorientierung 9/10, Ausgabe Baden-Württemberg.
- Einblicke Wirtschaft 7-10, Ausgabe Niedersachsen.
Mein Fazit: Finanzielle Bildung muss nicht trocken sein. Ein schülernaher und persönlicher Zugang bietet die Chance, das Thema so zu gestalten, dass die Jugendlichen das Gefühl haben, hier wahrhaft für ihr Leben zu lernen.

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