Begriffe verstehen
Eine zentrale Herausforderung ist das Verständnis der Begriffe „Haushalte“ und „Unternehmen“. Für die Lernenden muss greifbar werden, dass in der schematischen Darstellung, die den Abschluss der Unterrichtseinheit bilden soll, nicht Herr Müller und der Hofladen von Frau Schneider in Wechselbeziehung stehen, sondern dass sich hinter „Haushalte“ die Gesamtheit aller Haushalte und ebenso hinter „Unternehmen“ die Gruppe aller denkbaren Unternehmen verbirgt.
Darauf baut die folgende, praxiserprobte Unterrichtseinheit auf (Zeitbedarf: ca. 2 Doppelstunden).
Gruppenarbeit: Wechselbeziehungen entdecken
Da ich eine Freundin des induktiven Arbeitens bin und meiner Meinung nach ein nachhaltiges Begriffsverständnis nur dann entsteht, wenn die Lernenden aktiv an der Entwicklung der Definition mitwirken, beginnen wir mit einer Gruppenarbeit und einem Puzzle. Kopiert dazu die Kopiervorlage in Gruppenstärke auf festeres Papier, schneidet die Kärtchen aus und verteilt je ein Set Karten pro Gruppe.
Aufgabe für die Gruppen ist, die ökonomischen Transaktionen zu analysieren, zueinander in Beziehung zu setzen und die Karten nach eigenen Vorstellungen zu ordnen. Beispiele: Herr Müller arbeitet im Hofladen von Frau Schneider: Sie erhält seine Arbeitskraft, er erhält ein Gehalt. Herr Müller fährt mit dem Auto zur Arbeit: Er tankt bei Herrn Demir. Herr Müller erhält Benzin, Herr Demir erhält Geld. Herr Müller muss außerdem fürs Abendessen einkaufen, das macht er bei Bäcker Schmidt usw.
Manche Gruppen entdecken, dass immer eine Privatperson und ein Unternehmen beteiligt sind. Andere teilen die Transaktionen in solche, bei denen die Privatperson arbeitet, und solche, bei denen sie als Konsument oder Konsumentin auftritt. Wieder andere Gruppen verfolgen den Weg des Geldes vom Hofladen über das Portemonnaie von Herrn Müller, den Einkauf beim Bäcker, der Gehaltszahlung an die Angestellten und deren Einkauf im Hofladen wieder zurück zu Frau Schneider.
Ergebnisse auswerten
Da die Lernenden die Karten nach eigenen Vorstellungen ordnen dürfen, entstehen vielfältige Ergebnisse. In der Regel erfordern diese Ergebnisse neben einem Austausch auch eine Weiterentwicklung, um zu dem allgemein bekannten Modell des einfachen Wirtschaftskreislaufs zu gelangen. Aber auch andersartige Ergebnisse und Sortierungen bieten wertvolle Erkenntnisse. So bilden und festigen sich etwa die Begriffe „Haushalte“ und „Unternehmen“ oft bei der Beschreibung der eigenen Überlegungen in der Auswertungsphase.
Ein Kreislaufmodell entwickeln
Anschließend fordere ich die Gruppen auf, ein Modell zu entwickeln, das verallgemeinert, wie die Wirtschaft funktioniert, und dies auf einem Plakat darzustellen. Aus meiner bisherigen Erfahrung nach mehreren Durchläufen kann ich bestätigen: Bisher gab es in jeder meiner Klassen mindestens ein Kreismodell.
Und auch die Aufforderung an die Lernenden, ihre Modelle mit der klassischen Darstellung im Schulbuch zu vergleichen sowie Vor- und Nachteile verschiedener Modelle zu diskutieren, trägt dazu bei, das Verständnis zu vertiefen und Inhalte zu festigen.
Reflexion und Anregungen zur Weiterarbeit
Ein möglicher Anschluss ist die Reflexion des gängigen Modells:
- Warum rotiert in unserer Vorstellung vor allem das Geld und nicht die Waren?
- Wie müsste eine Wirtschaft aussehen, in der auch die Waren einen Kreislauf bilden? Hier bietet sich die Möglichkeit, über Nachhaltigkeit zu diskutieren.
- Und rotiert das Geld tatsächlich? In der Realität trifft dies nicht auf die gesamte Geldmenge zu.
Hier lässt sich entweder ein Gespräch darüber anschließen, wie sich das ökonomische Handeln vermögender und weniger vermögender Personen unterscheidet. Oder man kann das Augenmerk auf den Aspekt des Sparens lenken und über weitere unberücksichtigte Aspekte direkt den erweiterten Wirtschaftskreislauf andenken.
Eine weitere Perspektive bietet hier ein Exkurs zum Schwundgeld und dem Wunder von Wörgl (hörenswert als „Geschichte aus der Geschichte“, verfügbar unter https://www.geschichte.fm/podcast/zs87/)
Den Ausspruch „Dein Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer“ können die Lernenden hoffentlich am Ende dieser Einheit ökonomisch fundiert erklären. Vielleicht ist das dann die Schreibaufgabe im nächsten Test?


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