In Zeiten von Digitalisierung und Fachkräftemangel verändert sich auch die Arbeitswelt. Neue Ausbildungsberufe sind entstanden – und trotzdem interessieren sich 30% der Teenager für gerade einmal zehn Berufe. Höchste Zeit für eine bessere Berufsorientierung im Unterricht!
Die Ergebnisse nationaler und internationaler Studien sind auf den ersten Blick erstaunlich: Danach nehmen Jugendliche für ihre persönliche Berufsorientierung nur einen kleinen Ausschnitt der Berufswelt in den Blick.
Entsprechend zählen in Deutschland seit Jahrzehnten unverändert die Berufe Kraftfahrzeugmechatroniker:in, Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel bzw. für Büromanagement, Verkäufer:in und Medizinische/r Fachangestellte/r zu den Top 10 der beliebtesten Ausbildungsberufe. Dabei gibt es in Deutschland über 330 anerkannte Ausbildungsberufe – und Fachkräfte werden in vielen Branchen händeringend gesucht.
Ursachen und Konsequenzen für die berufliche Orientierung
Woran liegt es also, dass sich ein beträchtlicher Teil der Jugendlichen nur für so wenige Berufe interessieren? Studien zufolge werden die Berufswünsche der Jugendlichen stark durch sozioökonomischen Status, Geschlecht und Herkunft bestimmt. Hinzu kommt der Einflussfaktor der Eltern – vielen ist schlichtweg die heutige Vielfalt der Berufe und Berufswege nicht bekannt. Umso notwendiger erscheint es daher, die berufliche Orientierung in der Schule zu stärken und das Wissen über mögliche Ausbildungsberufe zu weiten.
Neue Ausbildungsberufe
Beispielhaft möchten wir euch daher im Folgenden fünf neue Ausbildungsberufe vorstellen, die in den letzten Jahren in Deutschland entstanden sind und die bei Stunden zur Berufsorientierung nicht mehr fehlen sollten.
- Kaufmann/Kauffrau für E-Commerce (seit 2018)
Der Onlinehandel hat sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Kaufleute für E-Commerce sind Fachleute im digitalen Handel und spielen eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung und Umsetzung von Online-Marketingstrategien. - Fachinformatiker/Fachinformatikerin für Künstliche Intelligenz (seit 2020)
Mit dem Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI) sind Fachleute für Künstliche Intelligenz gefragter denn je. Sie entwickeln und optimieren KI-Systeme, um Unternehmen bei der Automatisierung von Prozessen und der Analyse großer Datenmengen zu unterstützen. - Kaufmann/Kauffrau für Digitalisierungsmanagement (seit 2019)
Kaufleute für Digitalisierungsmanagement sind darauf spezialisiert, Unternehmen auf ihrem Weg zur digitalen Transformation zu begleiten. Sie planen und optimieren digitale Prozesse und tragen dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit von Organisationen zu steigern. - Fachkraft für Robotik (seit 2021)
Die Robotik hat in den letzten Jahren in der Industrie stark an Bedeutung gewonnen. Fachkräfte für Robotik sind für die Programmierung, Wartung und Integration von Industrierobotern verantwortlich. - Fachkraft für Nachhaltigkeit (seit 2019)
Nachhaltigkeit ist zu einem zentralen Thema in der heutigen Wirtschaft geworden. Fachkräfte für Nachhaltigkeit entwickeln und implementieren nachhaltige Strategien im Unternehmen und tragen so dazu bei, ökologische und soziale Verantwortung zu fördern.
Einbettung in den Unterricht
Weitere Informationen zu diesen neuen Berufen und natürlich auch zu allen anderen Ausbildungen gibt es im Internet zuhauf. Die Kunst ist, sich in dieser Informationsflut zurechtzufinden – und zunächst einmal zu wissen, nach welchem Berufen man überhaupt suchen könnte. Dazu können euch folgende Unterrichtsideen und Methoden helfen.
Berufe-Brainwriting: Welche Berufe kennt ihr?!
Diese Methode könnt ihr in Kleingruppen (4 bis 6 Personen), aber auch in der ganzen Klasse einsetzen. Teilt dazu die Kopiervorlage „Berufe-Brainwriting“ aus. So geht’s:
- Notiert zu jedem Buchstaben so viele Berufe wie möglich. Denkt dabei an Verwandte, Bekannte, Freundeskreis und deren Familie, an (berühmte) Vorbilder. Zeit: 3 Minuten.
- Gebt das Arbeitsblatt weiter an die Person, die rechts neben euch sitzt. Ergänzt weitere Berufe. Zeit: 3 Minuten
- Macht damit weiter, bis euer eigenes Arbeitsblatt wieder bei euch angekommen ist.
- Wertet aus: Welches Team hat die meisten Berufe gefunden?
- Gleicht eure Ergebnisse mit dem Berufe A-Z von planet-beruf.de ab. Reflektiert eure Erkenntnisse und ergänzt Berufe, die euch bisher nicht eingefallen sind und die ihr spannend findet.
Bei Schritt 5 könnt ihr ggf. auch die fünf oben erwähnten neuen Ausbildungsberufe explizit nennen.


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