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Unterrichtsimpuls: Wenn Journalistinnen und Journalisten Fehler machen

Die folgende Unterrichtseinheit ist je nach verfügbarer Zeit flexibel umsetzbar. Auch die Ergebnissicherung kann kreativ und vielseitig erfolgen, z.B. als (kleine) Präsentation, als Plakat für eine kleine Ausstellung oder als digitale Version für die Website der Schule oder die Schülerzeitung.

Zum Einstieg: Schüleraktivierung

Recherchiert im Klassenverband oder in Kleingruppen Beispiele für Fehler, die Journalistinnen oder Journalisten gemacht haben. Wichtig vorab: Grenzt im Plenum die folgenden zwei Begrifflichkeiten voneinander ab:

  • Falschmeldung: Eine Meldung/Nachricht oder andere mediale Inhalte, die unwahr sind bzw. nicht den Tatsachen entsprechen; sie werden (meist) unabsichtlich veröffentlicht. Früher nannte man sie „Zeitungsente“.
  • Fake News: Bewusst unwahrer Inhalt, der falsche Tatsachen verbreitet und Fakten ignoriert in der Absicht, Menschen zu täuschen oder zu manipulieren. Eine weitere Bezeichnung ist „Desinformation“.

Stellt klar, dass es um die erste Kategorie „Falschmeldung“ geht. Mögliche Suchergebnisse könnten sein:

Das Nachrichtenmagazin „stern“ veröffentlicht 1983 Auszüge aus den angeblichen Original-Tagebüchern von Adolf Hitler, für die sie Millionen D-Mark an Konrad Kujau zahlen. Nur wenig später stellt sich heraus, dass dieser die Dokumente gefälscht hat. Die gesamte Chefredaktion muss daraufhin zurücktreten (Anmerkung: Auch wenn die Dokumente selbst gefälscht waren, hielt die Redaktion sie für echt, also eine typische „Falschmeldung“).

Die damalige US-Regierung unter George W. Bush begründete ihren militärischen Einmarsch im Irak und den darauffolgenden Krieg mit der Behauptung, Diktator Saddam Hussein verfüge über Massenvernichtungswaffen. Die meisten Medien übernahmen dieses politisch motivierte Narrativ (Erzählung) unwidersprochen. Später stellte sich die Behauptung tatsächlich als unwahr heraus.

2005 liegt der damalige Papst auf dem Sterbebett, die ganz Welt blickt schon seit Tagen auf den Vatikan in Rom. Schon Stunden vor seinem tatsächlichen Tod vermelden die italienische Nachrichtenagentur Ansa und der amerikanische Nachrichtensender CNN jedoch bereits per Eilmeldung sein Ableben.

Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ veröffentlicht über Jahre Reportagen des vielfach preisgekrönten Reporters Claas Relotius. Der erfindet jedoch jahrelang Zitate, Protagonistinnen und Protagonisten. Ein Kollege überführt ihn 2018 schließlich. (Anmerkung: Auch wenn Claas Relotius seine Texte bewusst manipuliert hat, wollte er Menschen nicht desinformieren, sondern sein eigenes Ansehen als „Starjournalist“ weiter unterfüttern.)

Im Februar 2026 sendet die Nachrichtensendung „heute-journal“ einen Beitrag über die Abschiebepraktiken der US-Behörde ICE. Dabei wird eine Sequenz aus einem alten Video von 2022 als aktuell verwendet. Zudem werden mit der KI „Sora“ erstellte Sequenzen nicht als KI-generiert gekennzeichnet, wozu sich seit dem Launch von ChatGPT 2022 fast alle Qualitätsmedien freiwillig verpflichtet haben.

Alternative: Falls die Zeit fehlt oder die Recherche für eure Gruppe zu herausfordernd sein könnte, gebt diese Ergebnisse von Beginn zur Hand. Dann bietet es sich an, jeden „Fall“ an einzelne Lernende oder kleine Gruppen zu verteilen, die sich kurz einlesen und dann im Plenum schildern, was genau passiert ist und den Unterschied zwischen Falschmeldung und Fake News nochmals herausarbeiten.

Blick hinter die Kulissen: Warum passieren im Journalismus Fehler?

Diskutiert nun, warum Journalistinnen und Journalisten Fehler machen. Die wichtigsten Punkte sollten sein:

Auch Journalistinnen und Journalisten sind Menschen und machen Fehler, so wie wir alle; auch sie haben vielleicht zu wenig geschlafen, sind selbst erkältet und deshalb unaufmerksam oder haben einfach einen schlechten Tag.

Der Journalismus steht unter Druck, viele Menschen haben nicht mehr so viel Vertrauen in die Berichterstattung etablierter Medien. Viele Medienschaffende haben Angst, dass dieser Vertrauensverlust weiter zunimmt, wenn sie Irrtümer oder Fehler öffentlich machen.

Gerade in Nachrichtenredaktionen muss es oft schnell gehen und man arbeitet mit Informationen, die gerade erst veröffentlicht wurden. Gleichzeitig herrscht der Druck, möglichst als erste Medium eine Neuigkeit zu verbreiten: Wer zu langsam ist, erreicht oft weniger Menschen. Weniger Reichweite wiederum bedeutet weniger Erlöse durch Werbeeinnahmen im Internet.

Durch die immer geringeren Einnahmen können viele Medien immer weniger Personal beschäftigen. Gleichzeitig ist die Flut an Informationen – besonders auch an Desinformation (Fake News) – im Internet enorm gestiegen. Es müssen also von immer weniger Menschen immer schneller Fakten überprüft werden.

Die Welt wird, nicht zuletzt durch neue Technologien wie KI immer komplexer. Es wird herausfordernder, politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche oder wissenschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und verständlich aufzubereiten.

Der sogenannte „confirmation bias“ sorgt dafür, bevorzugt all jene Informationen wahrzunehmen und als richtig einzuordnen, die das eigene Weltbild bestätigen. Informationen, die diesen widersprechen, werden weniger stark wahrgenommen oder sogar verneint. Auch Journalistinnen und Journalisten ignorieren mitunter Hinweise, die ihrer Hypothese für einen Beitrag widersprechen, oder sogar nur nach Fakten und Quellen suchen, die ihre Hypothese bestätigen.

Wie geht es besser? Der richtige Umgang mit Fehlern

Sammelt in Kleingruppen oder direkt im Plenum Vorschläge, wie Journalistinnen und Journalisten mit Fehlern umgehen sollten. Mögliche Leitfragen:

  • Was würden sie selbst tun, wenn sie einen Fehler gemacht haben?
  • Was würden sie sich von anderen wünschen, wenn diese einen Fehler gemacht haben?
  • Warum könnte eine gute Fehlerkultur besonders im Journalismus wichtig sein (Stichwort: Vertrauen in den Journalismus)?

Tragt danach die Ergebnisse an Tafel oder Whiteboard zusammen. Diese sollten sein:

  • Flucht nach vorn: Sobald klar ist, dass ein (gravierender) Fehler passiert ist, sollte ein Medium das auch öffentlich machen und sich klar dazu bekennen.
  • Transparente Korrektur: Während Tipp- oder Orthografiefehler kommentarlos berichtigt werden, sollten gröbere Fehler benannt und markiert werden, beispielsweise durch einen hervorgehobenen Zusatz im Text oder direkt über/unter dem fehlerhaften Beitrag. Auch Datum und Uhrzeit der Korrektur sollten vermerkt werden.
  • Sich entschuldigen: Journalistinnen und Journalisten oder die Chefredaktion eines Mediums sollten sich für den Fehler bei ihrem Publikum entschuldigen, vor allem aber bei möglichen Betroffenen, die durch den Fehler in einem falschen Licht dargestellt wurden.
  • Ursachenforschung: Die Journalistin oder der Journalist sollte recherchieren, wie es zu dem Irrtum kommen konnte, um diesen künftig zu vermeiden. Auch die Redaktion sollte intern ihre Abläufe und redaktionellen Standards überprüfen: Wurden falsche Quellen zitiert? Oder das „Vier-Augen-Prinzip“ missachtet, hat also niemand anderes den Beitrag nochmals kontrolliert und die Fakten überprüft?

Für höhere Klassenstufen: Ein Blick in Pressekodex und Medienrecht

Wenn Medien falsch über Personen, Institutionen oder Unternehmen berichten, sind sie zur Korrektur verpflichtet. Hierbei wird zwischen der rechtlichen (juristischen) und ethischen Verpflichtung unterschieden.

Lasst die Lernenden arbeitsteilig zu folgenden Begriffen recherchieren:

  • Beschwerde
  • Richtigstellung/Berichtigung
  • Gegendarstellung

Tragt im Plenum die Ergebnisse zusammen. Als Ergebnissicherung könnt ihr auch die Kopiervorlage nutzen. Alternativ kann diese Aufgabe auch als Hausarbeit, Referat oder besondere Lernleistung gestellt werden.

Einblicke in die Praxis

Felix Rohrbeck hat Volkswirtschaftslehre und Kommunikationswissenschaften studiert und ein Volontariat beim NDR absolviert und arbeitet als freier Wirtschaftsjournalist. Im Rahmen eines Fellowships des Media Lab Bayern hat er sich sechs Monate mit der Fehlerkultur im Journalismus beschäftigt.

Im Oktober 2025 hat er einen in der Medienbranche viel beachteten Artikel zum Thema Fehlerkultur im Branchenmagazin „journalist“ veröffentlicht. Darin schreibt er unter anderem: „Die Menschen nehmen es uns nicht übel, wenn wir Fehler machen, weil auch wir nur Menschen sind und mit wirtschaftlichen und strukturellen Zwängen zu kämpfen haben. Wohl aber, wenn sie dahinter Manipulation, Fremdsteuerung oder bewusstes Lügen vermuten. Gerade weil wir Journalisten so wenig über unsere Fehler, Versäumnisse und die tatsächlichen Gründe sprechen, reimen sich viele Menschen eigene Erklärungen zusammen. Sie vermuten dann oft eine böse Absicht, auch wenn das in den allermeisten Fällen nicht zutreffend ist.“

Zu hören ist Rohrbach zum selben Thema in der Folge „Vertrauen – Das passiert, wenn Journalisten Fehler ehrlich zugeben“ aus dem Podcast „Nice & Nötig“ des Branchenmagazins „Übermedien“. Sein Tenor, um verloren gegangenes Vertrauen in etablierte Medien zurück zu gewinnen: „Ich glaube wirklich, dass das Eingeständnis von eigenen Fehlern eine der wirksamsten Waffen gegen Polarisierung ist.“

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Über den Autor

Eva Heidenfelder

Freie Journalistin und Mitglied beim Verein „Journalismus macht Schule“

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