Einstieg in die Unterrichtseinheit
Präsentiert zu Beginn folgende Frage via Beamer oder an der Tafel. Bitte eine Schülerin oder einen Schüler, den Satz laut vorzulesen:
„Dürfen Journalistinnen und Journalisten einfach sagen oder schreiben, was sie wollen?“
Diskutiert diese Frage im Klassenverband und sammelt dabei, welche Aufgaben Journalistinnen und Journalisten haben und welche Regeln für sie verbindlich sind:
- Es ist die Aufgabe von Journalistinnen und Journalisten, Menschen zu informieren.
- Die Themen können sie frei wählen.
- Sie dürfen jedoch nicht einfach schreiben, was ihnen gefällt.
- Sie müssen alle Informationen und Quellen zu einem Thema zusammentragen und diese in einem Beitrag präsentieren.
- Äußern sie eine Meinung, muss dies klar gekennzeichnet (etwa mit dem Begriff „Kommentar“) und stichhaltig begründet werden.
- Journalistinnen und Journalisten müssen sich an ethische Grundsätze halten, die etwa der Pressekodex vorgibt. Dazu gehören Opferschutz, Wahrung von Persönlichkeitsrechten oder das Diskriminierungsverbot.
Zwischenfazit: Diese Anforderungen und Qualitätsstandards für Journalistinnen und Journalisten unterscheiden sie von Influencern oder Youtubern, denn diese sind nicht durch den Pressekodex daran gebunden.
Überleitung: Was macht einen guten journalistischen Beitrag aus?
Aktiviert nun das Vorwissen der Lernenden: Welche Kriterien sind wichtig beim Verfassen eines Berichts? Wiederholt ggf. die sogenannten „W-Fragen“:
- Wer ist beteiligt?
- Was ist geschehen?
- Wo ist es passiert?
- Wann ist es geschehen?
- Wie genau ist es passiert?
- Warum ist es geschehen?
- Woher stammen die Informationen?
Erarbeitung: Wann wird über ein Thema berichtet – und wann nicht?
Per Handzeichen (Hand heben = „Ja!“) sollen die Lernenden nun entscheiden, ob über die folgenden Szenarien am Abend in der Tagesschau berichtet wird oder nicht:
- Ein Hund läuft vor einen LKW, der LKW stellt sich auf der Fahrbahn quer, die Autobahn muss stundenlang gesperrt werden.
- Die Schulleitung der Schule tritt zurück.
- Der Bundeskanzler tritt zurück.
- Der Hund der Klassenlehrerin ist weggelaufen.
- In der Schule gibt es Feueralarm, alle müssen das Gebäude verlassen.
- Das Europaparlament muss geräumt werden, es gab eine anonyme Bombendrohung.
Überlegt gemeinsam, woran es liegt, dass manche der Ereignisse es wahrscheinlich in die Tagesschau schaffen, andere hingegen nicht. Erarbeitet anhand dieser Überlegungen die sogenannten Nachrichtenfaktoren, an denen sich Journalistinnen und Journalisten stets orientieren:
- Relevanz/Tragweite
- Neuigkeit
- Aktualität
- Nähe/Betroffenheit
- Frequenz
- Prominenz
- Kuriosität/Überraschung
- Konflikt/Emotion
Geschehen viele wichtige Dinge gleichzeitig, müssen Journalistinnen und Journalisten priorisieren. Geschieht wenig, etwa in der Sommerferienzeit, schaffen es dagegen auch einmal Schnappschildkröten oder Schlangen im Badesee in die Medien.
Ergebnissicherung: Woran erkennt man journalistische Qualität?
Die Ergebnissicherung kann arbeitsteilig während des Unterrichts oder als Hausaufgabe zu einem der beiden Beiträge erfolgen. Grundlage hierfür sind die folgenden Beiträge zum Thema „Soll das Wahlalter auf 16 gesenkt werden?“
- Wählen mit 16 Jahren: Trend geht zu niedrigerem Wahlalter | MDR.DE
- Debatte um das Wahlalter 16: „Wir müssen die Jungen beteiligen“ | taz.de
Dazu bearbeiten die Lernenden das folgende Arbeitsblatt:
Tragt im Plenum die Ergebnisse zusammen:
- Anlass der Berichterstattung war die Europawahl im Juni 2024, bei der Jugendliche zum ersten Mal bereits ab 16 Jahren wählen durften, bezog sich also auf ein aktuelles Ereignis mit großer politischer Tragweite.
- Der Beitrag des MDR (Mitteldeutscher Rundfunk) ist ein klassischer Bericht, der sachlich und umfangreich alle Facetten des Themas beleuchtet.
- Der Beitrag der Tageszeitung „taz“ ist auch ein Bericht, der das Thema aber auch noch um die Einschätzung einer exklusiv für den Beitrag befragten Expertin mit Fachwissen anreichert.
(Optionale) Weiterführung für höhere Klassenstufen
In höheren Klassenstufen können die Lernenden sich noch eingehender mit dem Arbeitsalltag von Journalistinnen und Journalisten auseinandersetzen. Hilfreich ist es dabei, den Blick auf die Arbeitsumstände zu lenken. Schaut gemeinsam, in Kleingruppen oder alle für sich allein die ersten ein bis zwei Minuten dieses Videos an, das 2015 im Zuge der Pariser Terroranschläge live gesendet wurde:
Stern-Reporter: Plötzlich mitten im Anti-Terror-Einsatz
Stellt im Klassenverband die Frage, ob der Reporter hier journalistisch sauber gearbeitet hat. Erkenntnisse sollten sein:
- Er berichtet live, obwohl er gar nicht weiß, was genau passiert ist („I don’t know what’s going on.“).
- Er bringt sich selbst mutmaßlich in Gefahr.
- Er behindert womöglich den Einsatz der Polizei.
- Er verunsichert das Publikum, womöglich sogar mit Fehlinformationen.
Überlegt gemeinsam oder in Kleingruppen, warum der Journalist hier keinen allzu guten „Job“ gemacht hat. Die wichtigsten Erkenntnisse sollten sein:
- Journalistinnen und Journalisten stehen unter enormem Zeitdruck, vor allem in den Online-Medien: Schnelligkeit und Exklusivität sind zum wichtigsten Erfolgsmerkmal geworden.
- Mit immer weniger Personal und schwindenden Budgets muss eine immer größer werdende Anzahl an Informationen überprüft und gewichtet werden.
- Exklusive, schnelle und sensationelle Meldungen generieren eine besonders hohe Reichweite.
- Je höher die Reichweite, desto mehr Werbung können die (Online)-Medien verkaufen. Gleichzeitig sind die Budgets für Werbeanzeigen begrenzt und hart umkämpft.
Einblick in die journalistische Praxis
Zum Abschluss noch eine Erfahrung aus meinem Arbeitsalltag:
„Schülerinnen und Schüler fragen mich oft, warum ich nicht Influencerin werde, wenn es so schwer ist, im Internet Geld mit meinen Inhalten zu verdienen. Bei ihren Idolen klappt das ja auch, einfach ein Video auf TikTok hochladen und damit reich werden. Der große Unterschied: Youtuber, Influencer und Content Creator fühlen sind nicht denselben Qualitätsstandards verpflichtet. Oft beantworten ihre Beiträge nicht alle Fragen, die man zu einem Thema stellen kann oder muss. Sie trennen meist nicht zwischen Meinung und Nachricht. Und machen sogar Werbung für bestimmte Produkte oder haben Sponsoren. Das ist kein Journalismus.“
Zum Weiterlesen
- Nachrichtenkompetenz im-Unterricht fördern – unser kostenloses Angebot
- Materialsammlung von „Journalismus macht Schule“
- So geht Medien: Was ist Meinung? Was eine Nachricht?
- SZ-Reihe Medienbildung: Wie funktionieren Medien?
- So geht Medien: Nachrichtenfaktoren – Warum wir sehen, was wir sehen
- WDR Medien und Schule: Der Weg einer Nachricht

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