Zum Einstieg: Schüleraktivierung
Sammelt im Klassenverband oder in Kleingruppen Themen, die die Lernenden gerade besonders interessieren, ob Fußball, Musik, Social Media, interkultureller Austausch, Gesundheit/Ernährung Notiert die Themen auf Tafel oder Whiteboard.
Legt je nach Klassengröße gemeinsam fünf bis acht Themen fest, zu denen in Kleingruppen (gerne auch als Hausaufgabe) Formate recherchiert werden, die den Jugendlichen besonders gut gefallen. Als Beispiel: Zum Thema Interkulturalität das Format „Datteltäter“ (TikTok), „Schlueter.Zander.Live.“ (Youtube) im Bereich Fußball oder im Bereich Wissenschaft & Bildung „Ihr fragt, Quarks antwortet“ (Instagram). Stellt die Ergebnisse im Plenum vor und schaut sie euch mithilfe dieser Leitfragen genauer an:
Gute Einstiegsfragen
- Welche Medien werden genutzt: Text, Fotos, Videos …?
- Welchen „Sound“ hat das Format: humorvoll, informativ, sachlich, dramatisierend?
- Welcher Kanal bzw. welche Plattform wird genutzt? Nutzt das Format vielleicht verschiedene Kanäle und bespielt sie auf unterschiedliche Art und Weise?
- Insgesamt: Was hat euch an dem Format gefallen, was weniger?
Erste Schritte zur Medienproduktion im Unterricht
Um selbst Inhalte produzieren zu können, brauchen die Lernenden zunächst das nötige Basiswissen, je nach bevorzugter Produktionsweise sowie zu den Themen Recherche und Urheberrecht. Abhängig von der verfügbaren Zeit und dem Interesse der Lernenden könnt ihr bestimmte Themen von Anfang ausklammern oder ihr lasst die Lernenden erst später entscheiden, wie sie ihre Medienprodukte erstellen und veröffentlichen. Sollten die Medienprodukte als „kreative Ersatzleistung“, also anstelle eines Referats oder einer Klassenarbeit, im Fachunterricht entstehen, sollte das Thema natürlich den entsprechenden Fachbezug haben.
Bildet wieder Kleingruppen, die sich ggf. arbeitsteilig in die Themen einarbeiten – die Jugendlichen sollen und dürfen sich ausprobieren, es sollte also genug Zeit eingeplant werden:
- Videoproduktion: Welche Schnittprogramme gibt es gratis auf dem Smartphone oder dem Tablet und wie funktionieren sie? Beispiel: Windows Movie Maker, iMovie von Apple.Viele gute Tutorials rund um das Thema Videodreh und Dramaturgie bietet der Youtube-Kanal von „Klickwinkel“, einer Initiative der Vodafone-Stiftung: Klickwinkel (YouTube).
- Bildbearbeitung und Grafikdesign: Welche kostenlose Bildsoftware ist auf Smartphone oder Tablet bereits vorinstalliert, etwa die Foto-App bei Apple oder Windows? Eine sehr gute und kostenlose Software für Grafikdesign ist „Canva“ (Link zum Anbieter). Damit lassen sich Logos sowie Vorlagen für die Kacheln auf Instagram oder eine eigene Website erstellen.
- Websitegestaltung: Wie baue ich eine eigene Website? Mit Anbietern wie „Jimdo“ oder „WordPress“ (Links zu den Anbietern) können nach dem Baukastenprinzip gratis bereits einfache Websites erstellt werden – auch ohne Vorwissen.
- Textproduktion: Welche Formate gibt es klassischerweise in den Medien und wie unterscheiden sie sich voneinander? Arbeitet euch in die verschiedenen Textsorten wie Bericht, Reportage, Kommentar oder Feature ein. Eine gute Übersicht gibt es z.B. hier im Blog (Deutsch-Blog von Klett).
- Recherche, Interviewtechnik und Faktencheck: Welche Informationen sind wichtig und wie komme ich an diese? Und wie stelle ich sicher, dass sie auch stimmen? Eine gute Übersicht dazu bietet beispielsweise dieser Beitrag hier auf unserem Gewi-Blog.
- Urheberrecht und KI: Bilder aus dem Internet dürfen nicht einfach für die eigene Medienproduktion genutzt werden – meist gibt es darauf ein sogenanntes „Copyright“, denn die oder der Urheber:in möchte für ihr/sein Werk bezahlt werden. Auf Plattformen wie „Pixabay“ oder „Pexels“ (Links zu den Anbietern) gibt es jedoch lizenzfreie Bilder mit sogenannter „Creative Commons“, kurz CC-Lizenz, die unter bestimmten Bedingungen frei genutzt werden können.Mehr dazu unter Lexikon: Creative Commons (Bayrischer Rundfunk). Auch bei der Erstellung oder der Nutzung von KI-generierten Bildern ist es wichtig, genau hinzusehen. Tipps dazu gibt es z.B. hier: BSI – Generative KI – Erkennung KI-generierter Bilder (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie).
Rollen und Aufgabenverteilung
Wie in einer echten Redaktion gibt es verschiedene zu verteilende Rollen und Aufgaben, von der Chefredaktion über Grafik-Design und Social Media-Managment bis zur Schlussredaktion (siehe Kopiervorlage). Je nach eurer Ausgangslage und Gruppengröße könnt ihr auswählen, ob ihr alle Rollen besetzt oder einzelne Rollen doppelt vergebt. Nutzt dazu die editierbare Kopiervorlage mit den Rollenkarten!
Eine Besonderheit in der Probe-Redaktion: Damit alle einen eigenen Beitrag produzieren, sind (anders als in einer echten Redaktion) alle neben ihrer Tätigkeit in der Redaktion natürlich auch Reporter:innen.
Simuliert nun eine Redaktionskonferenz: Alle, die möchten, dürfen kurz ein Thema vorschlagen. Das Ziel: Zu diesem Oberthema wird die Klasse oder AG dann unterschiedliche Inhalte erstellen und je nach Medium (z.B. Website, Schülerzeitung oder Social Media) veröffentlichen. Hilfen für die Themenfindung sowie Tipps für die Redaktionskonferenz findet ihr in der Kopiervorlage (siehe unten).
Die Redaktionskonferenz
Die Konferenz wird natürlich von den Chefredakteur:innen geleitet, die – wie in einer echten Redaktion – am Ende notfalls auch das Oberthema festlegen (z.B. „Fußball“). In Partner- oder Gruppenarbeit überlegen sich die Lernenden in ihrer Rolle als Reporter:innen den inhaltlichen Schwerpunkt ihres Beitrags (z.B. „Frauenfußball“) und die Beitragsart (z.B. Reportage).
Sammelt diese Ideen wieder und wie in einer echten Redaktion entscheiden die Chefredakteur:innen, welche Beiträge wie umgesetzt werden sollen. Am Ende sollten (je nach Thema und Gruppengröße) immer mindestens zwei Reporterinnen einen Beitrag übernehmen.
Nun geht es an die Produktion, in der alle ihre vorher festgelegte Rolle einnehmen. Die fertigen Beiträge könnt ihr dann mithilfe der Checkliste auf der Kopiervorlage bewerten und ggf. verbessern (lassen).
Und am Ende nicht vergessen: Findet einen aussagekräftigen Namen für euer Medium – dabei hilft oft ein Brainstorming samt Mindmap (Youtube) – oder ein Tool wie dieses hier: Namensgenerator für Magazine und Zeitungen (Link zum Anbieter).
Ihr braucht noch mehr Unterstützung aus der Praxis? Wendet euch an den Verein „Journalismus macht Schule“ – er vermittelt deutschlandweit Schulbesuche (Link zu Journalismus macht Schule) von Journalist:innen zu vielen verschiedenen Themen, auch zur eigenen Medienproduktion.
Einblick in die journalistische Praxis
Zum Abschluss noch ein persönlicher Einblick von Simon Wörz, Journalist beim Bayerischen Rundfunk, der für JmS kürzlich am Louise-Schroeder-Gymnasium in München zum ersten Mal eine AG Schülerzeitung angeleitet hat:
„Es gibt sie noch, die Jugendlichen, die schreiben wollen. Schülerinnen und Schüler, die Lust haben, mit Sprache zu arbeiten und über Themen zu berichten, die sie wirklich bewegen. Besonders positiv überrascht hat mich das Interesse an journalistischen Grundprinzipien wie Quellenschutz und Urheberrecht.
Auch kam von einer Schülerin die Rückmeldung, dass KI-Tools wie ChatGPT und andere Sprachmodelle auf Inhalte gratis zugreifen, wie das aber mit dem gerade Gelernten rund um das Urheberrecht passe. Zu erleben, wie 14-Jährige solche Fragen diskutieren, war beeindruckend.
Fazit: Jugendliche lassen sich dann für Journalismus begeistern, wenn man sie ernst nimmt, ihre Fragen zulässt, offen über die Herausforderungen spricht – und zeigt, warum es trotzdem einer der spannendsten Berufe bleibt.“
Weiterführendes Material
- Nachrichtenkompetenz im-Unterricht fördern – unser kostenloses Angebot (Gewi-Blog)
- Materialsammlung von „Journalismus macht Schule“ (Journalismus macht Schule)
- Schülerreporter: Mach deine Story! (ZEIT für die Schule)
- Urheberrecht: „Im Zweifel lieber verzichten“ (ZEIT für die Schule)


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