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Unterrichtsimpuls: Nachrichtenkompetenz in heterogenen Lerngruppen fördern

Kindern und Jugendlichen begegnen täglich eine Vielzahl von verschiedenen Informationen – doch sie begegnen ihnen nicht unter den gleichen Voraussetzungen. Welche Herausforderungen dies mit sich bringt und wie ihr Nachrichtenkompetenz ganz praxisnah fördern könnt, zeigt dieser Beitrag.

Ausgangslage und Herausforderungen

Die JIM-Studie 2025 (vgl. JIM-Studie 2025) zeigt, dass Gespräche mit Familie (67 Prozent) und Freundeskreis (55 Prozent) für Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren nach wie vor zu den wichtigsten Orientierungshilfen im Umgang mit Nachrichten gehören. Dies verdeutlicht zugleich, dass die Einordnung von Informationen nicht allein durch die sozialen Medien, sondern maßgeblich auch durch das persönliche Umfeld geprägt wird.

Genau hierin zeigt sich gleichzeitig eine Herausforderung für Bildungsgerechtigkeit: Ob über Nachrichten gesprochen wird, welche Themen aufgegriffen werden und welche Informationsquellen genutzt werden, hängt vom Umfeld der Jugendlichen ab.

So zeigt die benannte Studie auch, dass Lernende an Gymnasien Nachrichten-Apps deutlich häufiger nutzen (21 Prozent) als Gleichaltrige an anderen Schulformen (10 Prozent).

Daher kommt der Schule als gemeinsamer Gesprächsort eine besondere Bedeutung zu. Gerade an Schulen in herausfordernden Lagen kann sie Jugendlichen einen geschützten Raum eröffnen, wo aktuelle Themen gemeinsam reflektiert, Fragen gestellt, unterschiedliche Perspektiven sichtbar gemacht und vertrauenswürdige Informationsquellen identifiziert werden.

Nachrichtenkompetenz wächst auch ohne viel Text.

Eine Herausforderung für den Unterricht besteht darin, dass Nachrichten- und Informationskompetenzvermittlung häufig über sprach- und textorientierte Zugänge erfolgt. Ein ausschließlich textbasierter Zugang wird heterogenen Lerngruppen jedoch nicht gerecht. Unterschiedliche Erstsprachen, variierende Lesekompetenzen, verschiedene Medienbiografien und kulturelle Prägungen erfordern differenzierte Methoden. Heterogenität erfordert in diesem Zusammenhang nicht weniger Inhalt oder fachliche Reduktion, sondern vielfältigere Zugänge.

Praxisimpulse und Materialien

Die folgenden Praxisimpulse zeigen exemplarisch, wie Nachrichten- und Informationskompetenz in heterogenen Lerngruppen gefördert werden kann. Die Impulse bieten zudem flexible Anknüpfungspunkte für den Unterricht. Sie eignen sich sowohl als Einstieg in ein Thema als auch als eigenständige Bausteine oder zur Integration in umfassendere Unterrichtseinheiten.

Impuls 1: Journalismus hat viele Gesichter (ab Klasse 5)

  • Lernziel: Die Lernenden setzen sich mit unterschiedlichen Personen auseinander, die alle journalistisch tätig sind. Sie entwickeln ein erstes Verständnis von Journalismus und warum diese eine wichtige Orientierung für verlässliche Informationen bieten.
  • Zeitumfang: Variabel, abhängig von Vorwissen, Sozialform und Anzahl der ausgewählten Profile: 20 bis 45 Minuten
  • Material: Porträts der Journalist:innen (leicht im Internet auffindbar), Informationstexte (KV 1), ggf. Karteikarten, Blankopapier, ggf. Begriffsglossar (KV 2)
  • Auswahl der Journalist:innen: Linda Zervakis, Aiman Abdallah, Tessniem Kadiri, Dunja Hayali, Antje Kießler, Jaafar Abdul Karim
  • Ablauf:
    • Einstieg/Aktivierung: Lernende sehen verschiedene Gesichter von Journalist:innen (ausgedruckte oder online präsentierte Bilder ohne Informationstexte). Der Begriff Journalismus wird zunächst bewusst noch nicht eingeführt.
      Lernende stellen Vermutungen auf: Was haben diese Personen gemeinsam?
      Sammelt einige Vermutungen, anschließend notieren die Lernenden ihre
      persönlichen Vermutungen auf Karteikarten.
    • Arbeitsphase: Die Abbildungen der Journalist:innen inklusive der dazugehörigen kurzen Informationstexte (KV 1) hängen im Raum verteilt.
      Bei einem Gallery-Walk/Museumsgang informieren sich die Lernenden über die jeweiligen Personen, um die Vermutungen zu überprüfen.
      Differenzierung: Arbeit mit einem Übersetzungstool oder Partnerarbeit bei sprachlicher Heterogenität
    • Reflexion: Was haben alle diese Personen gemeinsam? Welche Vermutungen haben sich bestätigt? Begriff Journalismus einführen. Ggf. Pinnwand in Klasse „Journalismus hat viele Gesichter“ o.Ä.
  • Vertiefung/Fortführung im Unterricht:
    • Vertiefende Recherche der Lernenden zu ausgewählten Journalist:innen, Blick auf Unterschiede und somit unterschiedliche Arbeitsfelder von Journalist:innen.
    • Vertiefende Weiterarbeit zum Berufsfeld Journalismus im Unterricht: Blog-Beitrag zum Berufsfeld Journalismus
    • Kanäle/Profile der Journalist:innen verfolgen, gezielt auf die Personen in Medien achten
    • Weitere Journalist:innen kennenlernen
    • Analoge oder digitale Sammlung mit vertrauenswürdigen Journalist:innen

Impuls 2: Profil-Check (ab Klasse 8)

  • Lernziel: Die Lernenden setzen sich mit Social-Media-Profilen auseinander, die Informationen verbreiten, und entwickeln ein erstes Verständnis dafür, die Vertrauenswürdigkeit einzelner Profile anhand grundlegender Kriterien einzuschätzen.
  • Hinweis: Wichtig ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass viele Profile sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Ziel ist keine Schwarz-Weiß-Bewertung, sondern eine begründete Einschätzung auf Basis festgelegter Kriterien.
  • Zeitumfang: Variabel, 20 bis 45 Minuten je nach gewählter Variante
  • Material und technische Voraussetzungen
    Empfehlenswert ist es, die Profile (Vorschläge siehe KV 3, individuell austausch- und erweiterbar) gemeinsam live zu betrachten, da diese Methode sich nur schwer statisch und analog abbilden lässt. So können sowohl die Inhalte als auch die Gestaltung der Profile besser eingeordnet und analysiert werden. Ihr könnt die Profile über die Webansicht im Browser zeigen (in der eingeschränkten Ansicht, wenn man nicht angemeldet ist). Alternativ kann ein Smartphone mit dem Smartboard verbunden werden, um die TikTok-App zu öffnen und die Profile direkt zu präsentieren.
  • Vertiefung/Fortführung im Unterricht:
    Fortlaufendes Aufgreifen im Unterricht möglich für eine im Klassenraum wachsende Sammlung geprüfter Profile (analog oder digitalisiert als Padlet, Taskcard etc.)

Nachrichten- und Informationskompetenzförderung gelingt nicht nur in Projekten und umfassenden Unterrichtsreihen – sie wächst auch in kleinen Momenten. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Teilt sie uns gern in den Kommentaren mit.

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