GeWi-im-Unterricht.de
Geschichte, Geographie, Politik und Wirtschaft

Unterrichtsimpuls: Pressefreiheit unter Druck

Wie ist es um die Pressefreiheit weltweit bestellt? Wie ist die Lage bei uns in Deutschland? Und warum sind Meinungs- und Pressefreiheit so wichtig für unsere Demokratie? Mithilfe der folgenden Stundenskizze und Materialien könnt ihr mit euren Lernenden Antworten auf diese Fragen erarbeiten.

Einstieg in die Unterrichtseinheit

Präsentiert zu Beginn das folgende Zitat (siehe Grundgesetz) via Beamer oder an der Tafel und bittet eine Schülerin oder einen Schüler, den Satz im Plenum laut vorzulesen.

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“
(Art. 5 Abs. 1 des GG)

Klärt im Unterrichtsgespräch, ob die Lernenden das Zitat zuordnen können. Wissen sie beispielsweise, dass der Artikel aus dem Grundgesetz stammt? Präsentiert nach diesem Gespräch auch Absatz 2 und 3 von Artikel 5 und lasst diese zunächst laut vorlesen:

„Absatz 2: Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Absatz 3: Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung. Diese Artikel stellen sicher, dass die Bürger ihre Meinungen frei äußern und informieren können, während gleichzeitig die Rechte anderer geschützt sind.“

Folgende Leitfragen können euch im Unterrichtsgespräch unterstützen:

  • Leiten sich aus diesen Artikeln Rechte, aber auch Pflichten für jeden Einzelnen von uns ab?
  • Gilt die Presse- und Meinungsfreiheit nur für Journalistinnen und Journalisten? Oder bezieht sie sich auf alle Bürgerinnen und Bürger?

Betont hier, dass Meinungsfreiheit in Deutschland allen zusteht und auch klar gelebt werden kann – sei es in der Schule, im Arbeitsleben, im Privaten (z.B. in der Familie), aber auch im digitalen Raum. Geht danach aber auch auf die Einschränkungen ein (vgl. Absatz 2 und 3):

  • Über allem steht Art. 1 des GG: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Niemand darf andere Menschen beleidigen oder anderweitig herabsetzen.
  • Meinungsfreiheit heißt auch Informationsfreiheit: Allen Bürgerinnen und Bürgern muss es möglich sein, sich aus öffentlich zugänglichen Quellen informieren zu können.
  • Als wichtigste Erkenntnis ist festzuhalten: Meinungsfreiheit bedeutet nicht, alles sagen zu dürfen. Und: Die augenscheinliche Anonymität im Internet ist kein „Freifahrtschein“ für rassistische oder verfassungsfeindliche Äußerungen.

Überleitung: Warum sind Presse- und Meinungsfreiheit so wichtig?

Stellt die Frage in den Raum, warum Presse- und Meinungsfreiheit so bedeutsam sind, dass sie nach dem 2. Weltkrieg als unveränderlich in unserer Verfassung verankert wurden. Wieder könnt ihr diese Frage im Klassenverband, aber auch in Kleingruppen diskutieren und die Ergebnisse dann zusammentragen:

  • Das Grundgesetz wurde 1949 unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Diktatur verabschiedet.
  • Unter dem NS-Regime waren Medien gleichgeschaltet und wurden zensiert. Sie wurden von den Machthabern als Propagandainstrument missbraucht. Medien, die kritisch über das NS-Regime berichteten, wurden als „Lügenpresse“ verunglimpft.
  • Absicht des Grundgesetzes ist es, dass die Medien als sogenannte „vierte Gewalt“ innerhalb der Gewaltenteilung Exekutive, Judikative und Legislative kontrollieren.
  • Journalismus ist somit ein wichtiger Eckpfeiler unserer Demokratie und trägt dazu bei, sie zu schützen, da er auf Missstände im Staat aufmerksam macht.

Erarbeitung: Wie steht es um die Pressefreiheit weltweit?

Soweit die Theorie – doch wie sieht die Realität aus? Dazu erstellt die unabhängige Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ seit 1985 jährlich ein Ranking zum Zustand der Pressefreiheit in 180 Ländern. Die Ergebnisse werden auch auf einer interaktiven Weltkarte  präsentiert (alternativ als
Grafik mit Ländernamen).

Die Karte kann an die digitale Tafel projiziert und im Klassenverband analysiert werden. Alternativ können die Lernenden die Grafik am Tablet in Kleingruppen besprechen. Anhand unterschiedlicher Farben (grün für „gut“, dunkelrot für „sehr ernst“) können bereits jüngere Lernende schnell einordnen, wie es um die Pressefreiheit rund um den Globus bestellt ist.

Ergebnissicherung: Zusammenhang zwischen Pressefreiheit und Staatsform

Diskutiert anknüpfend an die Ergebnisse die Frage, ob die Lernenden einen Zusammenhang herstellen können zwischen dem Status der Pressefreiheit und der dort herrschenden Staatsform:

  • In welchen Ländern ist es gut bestellt um die Pressefreiheit und in welchen nicht?
  • Woran könnte es liegen, dass beispielsweise Russland eine „sehr ernste“ Lage attestiert wird?
  • Wie ist es allgemein um Grund- und Menschenrechte bestellt in Ländern, denen ein schlechtes Zeugnis mit Blick auf die dort herrschende Pressefreiheit ausgestellt wurde?

Aufgrund des täglichen Nachrichtengeschehens gelingt den meisten Lernenden schnell der Transfer hin zu der Erkenntnis, dass es in Autokratien und Diktaturen um die Pressefreiheit sehr schlecht bestellt ist, da Medien oft zensiert werden und Journalistinnen und Journalisten nicht frei über die Regierung berichten dürfen. Zudem erkennen sie Presse- und Meinungsfreiheit als einen weiteren wichtigen Indikator dafür, ob die Lebensumstände in einem Land demokratisch und freiheitlich sind.

Weiterführung

In höheren Klassenstufen können die Lernenden das eigene Land noch einmal unter die Lupe nehmen:
Auf welchem Platz ist Deutschland im Ranking von „Reporter ohne Grenzen“ gelandet, und welche Gründe gibt es hierfür? Sinnvoll ist es hier auch, die Lernenden dazu anzuregen, auf das eigene Erleben im Alltag (z.B. die eigene Mediennutzung) Bezug zu nehmen.

Die wichtigsten Erkenntnisse sollten sein:

  • 2025 belegte Deutschland Platz 11, allerdings ist die Lage für Journalistinnen und Journalisten nicht mehr gut, sondern nur noch „zufriedenstellend“.
  • Der wirtschaftliche Druck auf die Branche ist durch die Gratis-Mentalität im Internet enorm gestiegen, zudem wenden sich viele von klassischen Medien wie Zeitung, Hör- oder Rundfunk ab und sozialen Medien zu. Diese Entwicklung hat sich seit der Corona-Pandemie verstärkt.
  • Der Journalismus muss sich zunehmend durch Werbeeinnahmen finanzieren, die von Reichweiten im Netz und den Algorithmen der großen Tech-Konzerne wie Google oder Meta abhängig sind.
  • Gepaart mit mangelnden personellen Ressourcen führt das zu einem Konkurrenzkampf und „Clickbait“, worunter auch die Qualität der Berichterstattung leidet.
  • Gleichzeitig ist der Journalismus durch die Zunahme von Falschinformationen im Netz, oft mithilfe von KI erstellt und von populistischen Kräften gestreut, sowie damit verknüpften „Fake News“-Vorwürfen konfrontiert. Das führt teilweise dazu, dass Journalistinnen und Journalisten bei ihrer Arbeit behindert und bedroht, manchmal sogar körperlich angegriffen und verletzt werden.

Einblick in die journalistische Praxis

Zum Abschluss noch ein persönlicher Einblick in meinen journalistischen Alltag:

„Leider glauben Menschen immer häufiger, wir Journalistinnen und Journalisten seien staatlich gelenkt und kontrolliert. Einmal wurde ich im privaten Umfeld sogar gefragt, ob Angela Merkel (damals noch Kanzlerin) bei meinem Arbeitgeber, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, anruft und die Themen durchgibt, die am nächsten Tag in der Zeitung stehen sollen. An anderer Stelle kam die Frage auf, wer mir meine Artikel ‚genehmigt‘. Dann entgegne ich: ‚Niemand. Denn das wäre Zensur. Und in Deutschland gibt es immer noch Presse- und Meinungsfreiheit. Zum Glück.‘ Denn was passiert, wenn diese eingeschränkt wird, sehen wir in menschenverachtenden Autokratien und Diktaturen wie Russland, Nord-Korea oder dem Iran, wo Kolleginnen und Kollegen von mir eingesperrt, gefoltert oder sogar umgebracht werden, wenn sie wahrheitsgetreu sowie kritisch über die Machthaber berichten.“

31 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Über den Autor

Eva Heidenfelder

Freie Journalistin und Mitglied beim Verein „Journalismus macht Schule“

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben