Einstieg in die Unterrichtseinheit
Diskutiert zu Beginn als Einstimmung in das Thema (kurz) die Bedeutung des folgenden Zitats:
(wahrscheinlicher Urheber: US-Senator Hiram Johnson, 1866–1945, im Zuge des Ersten Weltkriegs)
Tragt im Plenum zusammen:
- Jede Kriegspartei versucht, durch Lügen und Täuschung den Gegner zu schwächen und sich einen Vorteil zu verschaffen (früher: Spionage, falsche Funksprüche; heute: KI-generierte Inhalte)
- So soll auch die öffentliche Meinung beeinflusst werden, um z.B. die Kriegsbegeisterung oder Opferbereitschaft der Bevölkerung zu beeinflussen
- Propaganda, Zensur und gezielte Desinformation sind somit auch echte Waffen in (kriegerischen) Konflikten und Teil psychologischer Kriegsführung
Überleitung: Warum es Kriegs- und Krisenberichterstattung braucht
Stellt mit Blick auf diese Erkenntnisse nun folgende Leitfrage in den Klassenraum:
Warum müssen Journalist:innen vor allem aus Kriegs- und Krisengebieten berichten?
Schaut dazu als ersten Denkanstoß zunächst folgendes Video von „Reporter4You“ der Reporterfabrik an (Dauer: ca. 9 Minuten). Die Lernenden sollten sich dabei Notizen machen und anschließend zu zweit oder in Kleingruppen über die Leitfrage diskutieren (ca. 5-10 Minuten).
Tragt dann in großer Runde zusammen:
- Gerade in Kriegs- und Krisengebieten ist die Lage oft chaotisch und unübersichtlich. Meldungen von offizieller Seite bzw. den Kriegs- bzw. Konfliktparteien sind meist bewusst einseitig, falsch, oft sogar manipulativ.
- Häufig werden Informationssperren verhängt und Kommunikationskanäle blockiert (etwa der Zugang zu unabhängigen Portalen oder dem gesamten Internet).
- Gleichzeitig werden Journalist:innen oft von Kriegsparteien in ihrer Arbeit behindert, die Pressefreiheit unterdrückt.
- Was wirklich geschieht, kann deshalb oft nur selbst vor Ort beobachtet oder im Austausch mit der Bevölkerung/Augenzeugen in Erfahrung gebracht und überprüft werden.
- Nur durch eine unabhängige Berichterstattung kann auch das Leid der Zivilbevölkerung sichtbar gemacht werden – etwa um weltweit die Notwendigkeit humanitärer Hilfe zu verdeutlichen oder Druck auf die Kriegsparteien auszuüben, den Konflikt beizulegen
Weiterführung: Wie sieht der Arbeitsalltag einer/eines Kriegs- und Krisenreporter:in aus?
Die Lernenden sollen ihrer Fantasie freien Lauf lassen – wie stellen sie sich den Arbeitsalltag von Kriegs- und Krisenreporter:innen vor?
Dabei helfen können folgende Aussagen, über die sie sich, alleine oder zu zweit, Gedanken machen sollen:
- Kriegs- und Krisenreporter:innen begeben sich in unkalkulierbare Risiken.
- Sie berichten immer sehr emotional, lassen sich von ihren Gefühlen leiten.
- Kriegs- und Krisenreporter:innen sind Einzelkämpfer:innen, verlassen sich nur auf sich selbst.
- Sie tragen immer Helm und Schutzweste während ihrer Berichterstattung
- Kriegs- und Krisenreporter:innen sind Adrenalin-Junkies und freuen sich, wenn es „knallt“.
- Sie positionieren sich klar und sympathisieren mit einer der Konfliktparteien.
- Kriegs- und Krisenreporter:innen berichten immer von vorderster Front.
Nun folgt der Reality-Check: Stellt den Lernenden das Interview mit dem ehemaligen ARD-Korrespondenten aus Tel Aviv, Christian Limpert, zur Verfügung. Besprecht im Plenum, was sich die Jugendlichen genau so bzw. ganz anders vorgestellt haben und was sie eventuell überrascht oder nachdenklich gestimmt hat.
Ergebnissicherung: Was seriösen Journalismus von Kriegspropaganda unterscheidet
Tragt abschließend die wichtigsten Erkenntnisse zusammen, die die Lernenden in puncto einer seriösen und unabhängigen Kriegs- und Krisenberichterstattung gewonnen haben sollten:
- Die Berichterstattung ist nicht einseitig oder tendenziös und beleuchtet möglichst alle Blickwinkel.
- Sie gibt nicht unreflektiert und unwidersprochen Narrative der Kriegsparteien wieder.
- Sie ist möglichst nah am Ort des Geschehens oder gibt die Aussagen von Augenzeugen wieder.
- Sie gibt informiert umfänglich, damit ein wahrhaftiges Bild der Geschehnisse entsteht.
- Sie nimmt keinen Einfluss auf die Meinungsbildung des Publikums.
- Sie nutzt keine emotionale und effekthascherische Sprache oder Bilder.
Zum Abschluss könnt ihr euren Lernenden als Inspiration noch folgendes Zitat mit auf den Weg geben:
(Rudolf Augstein, Gründer und Herausgeber des deutschen Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, 1923–2002)
Weiterführendes Material
- „Die Wahrheit stirbt zuerst“ – über (Des)Informationen im Krieg (Zeit Online): https://youtube.com/shorts/mG7sdVspioY?si=AwNpEcyyO5dYXAsW
- Darum geht es im Nahostkrieg (Reporter4You): https://reporter4you.de/darum-geht-es-im-nahostkrieg/
- Berichterstattung im Krieg (ZDFgoesSchule): https://schule.zdf.de/video/kriegs-krisen-berichterstattung-einfach-erklaert-100
- Lernmodul Putins Krieg (Reporter4You): https://reporter4you.de/lernmodul-putins-krieg-im-unterricht/


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