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Wiedervernässung von Mooren als Strategie zur Eindämmung des Klimawandels – Eine Pro-Kontra-Debatte

Wir Menschen haben in den letzten beiden Jahrhunderten den größten Teil der Moorflächen in Deutschland entwässert. Wertvolle Ökosysteme sind dabei zerstört worden und die sich zersetzenden Torfkörper haben sich zu Quellen von Treibhausgasen entwickelt. Können wir diesen Prozess durch die Wiedervernässung von Mooren stoppen und so zur Eindämmung des Klimawandels beitragen?

Moore als Senken und Quellen von Treibhausgasen

Moore haben eine wichtige Funktion für den Kohlenstoffkreislauf der Erde und damit auch für das Klima. Die in intakten, also feuchten, Mooren vorkommenden Torfmoose und andere Pflanzen entnehmen der Atmosphäre während ihres Wachstums Kohlenstoffdioxid (CO2). Mithilfe des Kohlenstoffs bauen sie organische Substanz auf. Aufgrund der Sauerstoffarmut in den wassergesättigten Bereichen des Moores kann sich die abgestorbene Pflanzensubstanz nicht vollständig zersetzen. So bilden sich im Lauf der Jahrtausende mächtige Torfschichten. Sie enthalten neben Stickstoff, Phosphor und Kalium große Mengen Kohlenstoff. Bei der Torfbildung werden auch geringe Mengen des Treibhausgases Methan (CH4) freigesetzt. Doch ingesamt werden der Atmosphäre mehr Treibhausgase entzogen als zugeführt.

Mehr Kohlenstoff als in Wäldern

In den Torfschichten aller Moore der Erde ist mehr Kohlenstoff als in der Biomasse aller Wälder gespeichert. Die in den Mooren weltweit akkumulierte Kohlenstoffmenge wird auf etwa 530 – 694 Gt. geschätzt. Davon entfallen auf die nördlichen Moore, welche sich v. a. in der borealen und subborealen Zone Europas, Asiens und Nordamerikas befinden, allein 473 – 621 Gt. Während des Holozäns wurden in diesen pro Quadratmeter und Jahr durchschnittlich 18,6 g Kohlenstoff akkumuliert.

Bedeutung von Mooren für die globale Erwärmung

Die Moorflächen Europas befinden sich v. a. im Norden und Osten des Kontinents. Sie nehmen eine Fläche von etwa 1.000.000 km² ein, was ungefähr 10 % der Gesamtfläche des Kontinents entspricht. Jedoch sind von diesen Mooren nur noch 320.000 km² intakt. Denn die übrigen Flächen wurden durch künstliche Entwässerung degradiert, um sie für den Torfabbau oder die Land- und Forstwirtschaft nutzbar zu machen. In Deutschland, wo Moore v. a. in Norddeutschland und Bayern zu finden sind, ist diese Degradation noch weiter fortgeschritten: Hier sind weniger als 5 % der ursprünglichen Moorflächen noch intakt.

Moore und ihr Einfluss auf den Klimawandel

Durch die Entwässerung von Mooren dringt Luftsauerstoff in den Torfkörper ein und Mikroorganismen beginnen mit dessen Zersetzung. So werden Moorflächen von Senken zu Quellen der Treibhausgase Kohlenstoffdioxid (CO2) und Lachgas (N2O). Somit gelangen die Gase in die Atmosphäre und verstärken den Treibhauseffekt. EU-weit werden jährlich etwa 220 Mt. CO2 durch entwässerte Moorflächen freigesetzt. Das entspricht etwa 5 % der gesamten Emissionen in der EU. Die entwässerten Moorflächen nehmen zwar nur 2,5 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche ein, aber da sie etwa 25 % der Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft ausmachen, ist die Bedeutung für die globale Erwärmung groß.

Renaturierung

Moorflächen haben eine große Bedeutung als Quellen und Senken von Treibhaus-gasen. Ihre Wiedervernässung, d. h. die Wiederherstellung eines intakten Zustandes, spielt daher eine große Rolle bei der Eindämmung der Globalen Erwärmung. Es ist wichtig, die weitere Zersetzung der Torfkörper zu verhindern. Denn diese sollen wieder wachsen und der Atmosphäre mehr CO2 entziehen, als abgegeben wird. Für die Renaturierung müssen Entwässerungsgräben und -rohre verschlossen oder Dämme zum Aufstauen errichtet werden. Dadurch kann der Moorwasserspiegel wieder steigen. Manchmal muss man zunächst zusätzliches, möglichst nährstoffarmes Wasser einleiten.

Drohnenaufnahme: Verschluss eines Entwässerungsgrabens zur Wiedervernässung einer Moorfläche im Emsland

Verschluss eines Entwässerungsgrabens zur Wiedervernässung einer Moorfläche im Emsland

Wiedervernässung: Absinken und Überstau vermeiden

Der Moorwasserspiegel soll auch in den sommerlichen Trockenphasen nicht mehr als 20 cm unter das Oberflächenniveau absinken. Denn sonst drohen eine Schädigung der Vegetation und eine Zersetzung des Torfkörpers. Ebenso verhindern muss man einen Überstau, d. h. das vollständige Abtauchen der Mooroberfläche. Sonst wird das klimaschädliche Treibhausgas Methan in größeren Mengen freigesetzt. Es bildet sich durch Zersetzungsprozesse der organischen Substanz unter Wasser.

Weitere positive Effekte der Renaturierung von Mooren

Die Renaturierung von Moorflächen hat neben dem Klimaschutz weitere positive Effekte. Denn aufgrund ihrer Eigenschaft als Wasserspeicher können Moore einen ausgleichenden Einfluss auf den Wasserhaushalt und den Hochwasserschutz einer Region haben. Auf diese Weise kann der Oberflächenabfluss bei Starkregenereignissen vermindert und Wasser für Trockenperioden und Dürren verfügbar gehalten werden. Zudem verbessert sich die Wasserqualität des Oberflächenwassers durch die Filterwirkung der Moore und die Artenvielfalt nimmt zu.

Herausforderungen der Wiedervernässung von Mooren

Die Renaturierung einer Moorfläche benötigt viel Zeit. Und so vergehen oft Jahrzehnte, bis sich ein stabiles und standortangepasstes Moorökosystem entwickelt, welches der Atmosphäre mehr Treibhausgase entzieht, als es an diese abgibt. Aber gerade in den ersten Jahren der Wiedervernässung kann es zu verstärkten Methanemissionen mit einer entsprechend negativen Klimabilanz kommen. Und besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen bei Flächen, die vorher intensiv landwirtschaftlich genutzt sowie stark gedüngt wurden und bei denen die Torfkörper bereits stark geschädigt bzw. mineralisiert sind. Nach der Wiedervernässung gehen dann z. B. Stickstoffverbindungen, Phosphate und organischer Kohlenstoff in Lösung. Außerdem werden neben Kohlenstoffdioxid auch Methan oder das noch stärkere Treibhausgas Lachgas freigesetzt.

Renaturierung von Mooren – Belange berücksichtigen

Bei einem Renaturierungsvorhaben muss das gesamte Gewässereinzugsgebiet betrachtet werden. Demnach sind alle Eigentümerinnen und Eigentümer der Flächen zu berücksichtigen und es muss geprüft werden, welchen Einfluss ein durch die Renaturierung bedingter Grund-wasseranstieg hat. Auch wenn der Flächenbedarf möglicher Wiedervernässungsprojekte deutschlandweit gering ist, bestehen große regionale Unterschiede. So ist es problematisch, dass in einzelnen Regionen beträchtliche Anteile an landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren gehen könnten. Denn dadurch verlören einzelne Landwirtschaftsbetriebe ihre Ertragsgrundlage. Und mitunter muss man Straßen verlegen oder Gebäude aufgeben, die vom Grundwasseranstieg bedroht sind.

Folgen von Moor-Renaturierung für die Landwirtschaft

Forschende suchen nach alternativen Erwerbsmöglichkeiten für die von Renaturierungsprojekten betroffenen Landwirtinnen und Landwirte. Zum Beispiel kann ein Teil der wiedervernässten Flächen für eine extensive Beweidung (z. B. durch Wasserbüffel) oder den Anbau sogenannter Paludikulturen (von lateinisch palus = Sumpf) genutzt werden. So können beispielsweise Schilf, Seggen oder Rohkolben regelmäßig abgeerntet werden. Daraus lassen sich Verpackungsmaterialien, Dämmstoffe oder Baumaterialien wie Reet für die Dacheindeckung herstellen. Zudem können diese Pflanzen als nachwachsende Energierohstoffe (z. B. Biogas) verwendet werden. Jedoch müssen Anbau und Ernte möglichst schonend erfolgen. Und es dürfen nur solche Maschinen eingesetzt werden, die den Torfkörper nicht verdichten.

Wiedervernässung von Mooren zur Eindämmung des Klimawandels – Lösungansätze gesucht

Zudem muss man beachten, dass aktuell die Nutzung von Paludikulturen in den meisten Fällen nicht wirtschaftlich ist. Die Landwirtschafts-kammer Nordrhein-Westfalen stellte fest, dass derzeit für NRW ein entsprechender Absatzmarkt fehlt. Außerdem ist die Infrastruktur für Verarbeitung und Vermarktung nicht bzw. nur unzureichend entwickelt. Man benötigt effektive finanzielle Förderinstrumente (z. B. CO2-Einspaarprämien) für die betroffenen Landwirtinnen und Landwirte, um die Stilllegung von Flächen oder die Nutzung von Paludikulturen attraktiv zu machen.

Einbettung im Unterricht

Wiedervernässung von Mooren – eine Maßnahme zur Eindämmung des Klimawandels?

Hinweise zur Behandlung im Unterricht:

  • Eine Pro-Kontra-Debatte ist eine Möglichkeit, sich mit dem Thema Wiedervernässung von Mooren intensiv und reflektiert auseinanderzusetzen, denn die Methode hat feste Regeln. Und sie ist geeignet, durch einen Wechsel der Perspektive Interessenkonflikte nachzuvollziehen, den eigenen Standpunkt zu bestimmen und ein ausgewogenes Urteil zu fällen. Ihren Ursprung hat die Methode in den Debattierclubs im angelsächsischen Raum.
  • Die Methode ist v. a. dann geeignet, wenn es zu einem Thema klare Entscheidungsalternativen im Sinne von Ja oder Nein gibt. Zudem kann sie Ausgangspunkt für das Entwickeln von Kompromisslösungen sein. Die Schülerinnen und Schüler müssen im Rahmen der Debatte gegensätzliche Standpunkte zu einem Thema deutlich herausarbeiten, äußern, begründen und der Position der anderen Partei vergleichend gegenüberstellen. Die Debatte mündet in einer Entscheidung in Form einer Abstimmung. Ziel ist es, jeweils eine Mehrheit für die vertretene Position zu gewinnen.
  • Die Schülerinnen und Schüler lernen, ein Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Sie hören zu, vollziehen die Aussagen der Gegenseite nach, reagieren darauf, stellen Gegenthesen auf und begründen diese. Und sie können die Argumente in einem anschließenden Auswertungsgespräch reflektieren. So eignet sich die Methode – neben dem Erwerb und der Sicherung von Sachkompetenzen – besonders gut, um Kompetenzen aus den Bereichen Kommunikation, Beurteilung/Bewertung und Handlung anzueignen und zu vertiefen.

Hinweise zur Durchführung

  1. Als Einstieg in die Unterrichtseinheit (1 DS) bietet sich eine Interpretation des Fotos „Renaturierung eines Moorstandortes“ an. Anschließend entwickeln die Schülerinnen und Schüler erste Hypothesen, warum ehemalige Moorstandorte trockengelegt wurden (z. B. Nutzung als Landwirtschaftsfläche, Anlegen von Verkehrswegen usw.) und jetzt wiedervernässt werden sollen (z. B. Naturschutz, Wiederherstellung der Artenvielfalt). Zudem benennen sie mögliche Probleme bzw. Konflikte.
  2. In der Arbeitsphase werden diese mithilfe der Kopiervorlage (Aufgaben 1 bis 3a) verifiziert. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich vor Beginn der Debatte mit dem Sachstand vertraut machen, die Positionen herausarbeiten und einen Standpunkt zum Thema entwickeln. Auf diese Weise analysieren sie Argumente der Gegenseite, entwickeln eigene Argumente und begründen sowie vertreten diese sachgerecht.
  3. Die Unterrichtseinheit wird mit der Pro-Kontra-Debatte abgeschlossen. Material 6 gibt im Hinblick auf die Vorbereitung und Durchführung der eigentlichen Debatte eine Hilfestellung. Die lehrende Person kann je nach Situation die Gruppen nach Wünschen der Schülerinnen und Schüler zusammenzusetzen oder die Aufteilung nach dem Zufallsprinzip vornehmen. Dabei sollten nicht mehr als 6 Teilnehmende in einer Gruppe sein.
  4. Bei großen Klassenstärken muss die Lehrkraft mitunter je zwei Pro- und Kontra-Gruppen bilden. Sie soll während der Debatte auch darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden. Zudem müssen die Schülerinnen und Schüler für das Auswertungsgespräch genügend Zeit zur Verfügung haben. Denn so können sie Argumente und Ergebnis reflektieren.

Wiedervernässung von Mooren zur Eindämmung des Klimawandels: Vorschlag für die Behandlung im Unterricht

  1. Einstieg: Bildauswertung im Unterrichtsgespräch, z. B. über das Foto. Hier sollen die Schülerinnen und Schüler das auf dem Foto Erkennbare beschreiben. Anschließend stellen sie erste Hypothesen zur Bedeutung von Mooren auf. Und sie überlegen, warum Moorflächen trockengelegt wurden und nun renaturiert werden sollen.
  2. Erarbeitung: Bearbeitung der Kopiervorlage (Aufgaben 1-3). Die Aufgaben 1-3a) dienen der Vorbereitung auf die Pro-Kontra-Debatte.
  3. Sicherung: Gemeinsame Besprechung der Arbeitsergebnisse und Reflexion der Pro-Kontra-Debatte im Unterrichtsgespräch.
    • Tipps zur Binnendifferenzierung: Lösungshilfen der beigefügten Kopiervorlage
    • Zeitansatz für das Unterrichtsbeispiel: zwei Unterrichtsstunden (1 DS)

Quellen und Links

Dieses Thema findet sich auch in diesem Terra Schulbuch:

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Über den Autor

Jens Bickel

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