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Klimagerechtigkeit im Unterricht

Das Pariser Klimaabkommen und das dort festgehaltene 1,5-Grad-Ziel für die globale Erwärmung gelten als Meilensteine im Kampf gegen den Klimawandel. Nie zuvor hatten sich so viele Nationen auf verbindliche Ziele zur weltweiten Reduktion von klimaschädlichen CO2-Emissionen geeinigt. Doch Fragen nach der konkreten Lastenverteilung oder Klimagerechtigkeit sind noch längst nicht ausdiskutiert.

Vier Dimensionen von Gerechtigkeit

Ausführliche Hintergründe zum Pariser Klimaabkommen und die Frage, ob die dort formulierten Ziele überhaupt noch erreichbar sind, diskutiert eine vierteilige Serie unseres Autors Hendrik Bergers. Auch deren vierter und letzter Teil ist hier auf unserem GeWi-Blog als PDF verfügbar. Dort wirft der Autor auch die Frage auf, die in den vergangenen Jahren immer dringlicher wurde: Wie kann die Weltgemeinschaft eine solch epochale Aufgabe meistern, wenn die Voraussetzungen einzelner Länder, ihre historischen CO2-Beiträge und ihre Perspektiven auf ihren gerechten Beitrag zum Klimaschutz höchst unterschiedlich sind?

Vor diesem Hintergrund eignet sich das 1,5-Grad-Ziel hervorragend für Diskussionen rund um die verschiedenen Dimensionen von Gerechtigkeit bzw. Klimagerechtigkeit: Chancengerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit, Bedarfsgerechtigkeit und Generationengerechtigkeit stehen für ganz unterschiedliche Blickwinkel und Konzepte in Bezug auf den vermeintlich einfachen Begriff „Gerechtigkeit“; und sie begegnen uns in vielen Lebens- und Alltagssituationen immer wieder. Von sozialen Sicherungssystemen über Bildungs- und Aufstiegschancen bis hin zu Einkommensunterschieden zwischen und innerhalb von Ländern. Übersichtlich zusammengefasst hat die vier Dimensionen z.B. das Portal „SozialPolitik“: https://www.sozialpolitik.com/soziale-gerechtigkeit

Manchmal auch als „magisches Viereck“ bezeichnet, sind diese vier Dimensionen leider alles andere als magisch – denn sie verstärken sich nicht gegenseitig, sondern lassen sich üblicherweise nicht gleichzeitig erreichen und schließen sich zum Teil geradezu aus.

Unser Impuls für euren Unterricht lautet daher: Klimagerechtigkeit recherchieren, präsentieren, diskutieren

Im Kontext des 1,5-Grad-Ziels bietet es sich an, dass die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen diskutieren, welchen Beitrag eines Landes sie als gerecht empfinden und warum. Der Hintergrundartikel beschreibt zum einen die Unterschiede einer einfachen „Equality“-Betrachtung, in der jedes Land gleich viel CO2 reduzieren muss, einer relativen „Equality“-Betrachtung, in der jedes Land gleich viel CO2 relativ zu seiner Wirtschaftskraft einspart, und einem „Equity“-Ansatz, der auch das Wissen um unterschiedliche Voraussetzungen und historisch kumulierte CO2-Emissionen einbezieht. Zudem sind innerhalb einzelner Länder nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen vom Klimawandel betroffen; umgekehrt sind ärmere Bevölkerungsschichten in den meisten Fällen deutlich stärker betroffen als wohlhabende – egal in welchem Land.

Es gibt also viel zu diskutieren. Der Klimawandel steht dabei exemplarisch für viele Gerechtigkeitsfragen, die den Schülerinnen und Schülern immer wieder begegnen.

Unten stehen mögliche Ansätze, mit denen eine entsprechende Diskussion in der Klasse angestoßen und moderiert werden könnte. Und unter den Downloads steht eine Kopiervorlage mit einem kurzen Quiz. Viel Spaß damit!

Aufgaben zum Klimawandel:

Untersucht in Gruppenarbeit den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gerechtigkeit. Beantwortet dazu die folgenden Fragen und stellt eure Ergebnisse der Klasse vor:

  1. Beschreibt kurz, was unter dem Begriff „Klimawandel“ verstanden wird und welche Auswirkungen er auf die Umwelt und die Gesellschaft haben kann.
  2. Erläutert die verschiedenen Aspekte von Gerechtigkeit, die in der Klimadebatte diskutiert werden, z. B. Chancengerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit,
  3. Bedarfsgerechtigkeit und Generationengerechtigkeit oder auch zwischenstaatliche Gerechtigkeit und ökologische Gerechtigkeit.
  4. Diskutiert die Herausforderungen, die mit der Erreichung von gerechten Lösungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel verbunden sind: Welche Konflikte können auftreten? Welche Gruppen sind besonders betroffen?
  5. Überlegt gemeinsam, welche politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ansätze und Maßnahmen dabei helfen könnten, gerechte Lösungen im Umgang mit dem Klimawandel zu finden.

Präsentiert eure Ergebnisse in der Klasse und diskutiert mögliche Perspektiven und Lösungsansätze für eine gerechtere Klimapolitik.

Rollenspiel zum Klimawandel:

Alternativ ist ein Rollenspiel möglich, in dem mehrere Gruppen einzelne Länder repräsentieren und sich aus deren Sicht für eine gerechte Bekämpfung des Klimawandels einsetzen. Bedingung: Alle müssen ehrlich bereit sein Lasten zu tragen und an einer gemeinsamen Lösung interessiert sein.

Das Rollenspiel sollte in der Komplexität in niedrigeren Klassenstufen reduziert werden und v.a. zur Diskussion anregen. In höheren Klassenstufen könnten explizite Rechercheaufträge und fundierte Positionspapiere integriert werden.

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Über den Autor

Armin Häberle

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