Mit dem Auftritt von Chat GPT ist das Thema Künstliche Intelligenz (KI) schlagartig in der Schule angekommen – zum einen als Unterrichtsgegenstand, der in der Schule bzw. im Unterricht thematisiert werden kann und soll. Und zum anderen als Instrument, das sowohl von euch als Lehrkräften als auch von euren Schülerinnen und Schülern genutzt werden kann.
Inzwischen gibt es auch schon die ersten offiziellen kultusministeriellen Empfehlungen, z.B. in Bayern und Nordrhein-Westfalen, zum Einsatz und Umgang mit diesen Instrumenten. Ein erster grundlegender Beitrag zum Einsatz von ChatGPT speziell im Geographieunterricht ist in diesem Artikel zum Download zu finden:
Kontroversen und Ambiguität – Pro-Contra-Diskussion und Rollenspiel
Hier gibt es nun einen bewusst kurzen Impuls, wie ihr Künstliche Intelligenz aus dem Bereich der Sprachgenerierung, also etwa Chat GPT oder den sogenannten Copilot der Microsoft-Suchmaschine Bing, im Fach Erdkunde sowohl nutzen als auch in seinen Limitierungen thematisieren könnt. Gut geeignet sind dafür kontroverse Themen, wie sie z.B. beim Komplex „Globale Erwärmung, Klimawandel und Energiewende“ anzutreffen sind.
Die entsprechenden Debatten sind vor allem rund um die Fragen, wie der globalen Erwärmung begegnet werden soll und eine Energiewende zu schaffen ist, zunehmend einerseits von Unsicherheiten sowie andererseits von unsachlichen Zuspitzungen geprägt. Demzufolge ist eine grundsätzliche Kompetenz, die es heutzutage in der Schule zu entwickeln gilt, die der Ambiguitätstoleranz: Das ist die Fähigkeit, gewisse Unsicherheiten zum einen auszuhalten, zum anderen aber auch innerhalb unsicherer Felder die vorliegenden Fakten valide bewerten und auch zu Entscheidungen kommen zu können. Gut geeignet hierfür sind die euch schon länger bekannten und genutzten Methoden wie Pro-Contra-Diskussionen oder Rollenspiele. Doch wie und an welcher Stelle kann hier die KI ins Spiel kommen?
Windenergieausbau, ja oder nein? – Redebeiträge von der KI verfassen lassen
Nehmen wir ein konkretes und aktuelles Beispiel, bei dem sich auch die Debattenlage aufgrund sich verändernder Rahmenbedingungen beständig ändert: der Ausbau der Windenergienutzung in Deutschland als Beitrag zu einer notwendigen Energiewende (übrigens auch ein häufig anzutreffendes Thema in unseren Terra-Produkten 😉). Zu diesem Thema könnt ihr gut eine Pro-Contra-Diskussion oder auch ein Rollenspiel bzw. ein Planspiel durchführen.
Und dabei könnt ihr sinnvoll eines der angesprochenen Chat-KI-Tools nutzen, nachdem die fachlichen Grundlagen erarbeitet worden sind und die Diskussion bzw. das Rollenspiel bevorstehen: entweder um in eigener Vorbereitung oder durch die Schülerinnen und Schüler selbst je eine Rede eines Gegners bzw. Befürworters des Windenergieausbaus verfassen zu lassen.
Der Vorteil hierbei: Ihr müsst nicht selbst tätig werden, indem ihr oder eure Schülerinnen und Schüler entweder mühsam nach einer entsprechenden Rede sucht bzw. selbst eine verfasst, sondern ihr erhaltet die entsprechenden Ergebnisse innerhalb weniger Sekunden und könnt diese sogar noch nachbessern lassen (oder natürlich auch selbst nachbessern).
In ähnlicher Form könntet ihr die KI auch nutzen, sich als „Experte“ für oder gegen den Ausbau der Windenergie für ein „Gespräch“ zur Verfügung zu stellen: Dabei können direkt die Fragen eurer Schülerinnen und Schüler an den KI-Chat-Partner gerichtet werden – und bei Bedarf sind auch Nachfragen oder Nachjustierungen möglich.
Grenzen der KI erkennen
Ebenso wichtig ist es dann jedoch – nach Durchführung des Rollenspiels oder der Diskussion, wozu ja auch die Bewertung der interessegeleiteten Reden bzw. Antworten gehört – die „Arbeitsweise“ der KI zu thematisieren: Also vor allem der Hinweis darauf, dass eine sprachgenerierende KI einzig dazu da ist, schlüssig klingende und an den jeweiligen Zweck angepasste Texte zu produzieren. Dies fußt eben allein auf Statistik und nicht auf Wahrheitsgehalt, wozu gehören kann, dass Fakten „halluziniert“, sprich: ausgedacht werden.
Demnach könntet ihr nach Durchführung des Rollenspiels oder der Diskussion noch untersuchen, welche Texte und Fakten von der KI geliefert werden und wie belastbar diese sind. Am Ende dieser Untersuchungen sollte die Erkenntnis stehen, dass im Grunde alle vermeintlichen Fakten in einem zweiten Schritt abgeprüft werden müssen. Gleichzeitig könnt ihr als Ergebnis ggf. festhalten, dass solche Chat-KI-Tools z.B. als Ausgangspunkt für kreativere Sprachprodukte durchaus sinnvoll eingesetzt werden können.
„Ausbaustufen“
Ihr könnt bei dem Beispiel auch weitere KI-Tools nutzen, um noch einen Schritt weiterzugehen: Die von der Schreib-KI entworfenen Redebeiträge können von einer Sprach-KI („Text-to-Speech“, z.B. Eleven Labs) in wählbarer Art und Weise eingesprochen werden. Oder ihr nutzt Video-KI-Tools (z.B. Elai.io), um die Redner z.B. in Form von Avataren zum „Leben“ zu erwecken …
Einbettung im Unterricht
- Umfang der Gesamtmethode: etwa 3 Stunden
- Umfang der KI-Thematisierung: 1 Stunde

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