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Digitalität im Geschichtsunterricht (Teil 3/3): Fake News früher und heute

Ganz nach dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ finden wir in Vergangenheit und Gegenwart unzählige gefälschte Nachrichten. Wie sensibilisiert man Schülerinnen und Schüler für dieses Thema?

Vor allem (aber nicht nur) in den sozialen Netzwerken sind die „gefälschten Nachrichten“ allgegenwärtig: Ob bewusst manipulierte Videos und Bilder, Texte zu Werbezwecken oder ideologisch-motivierte Fake News, die sogar Wahlen beeinflussen können. „Neues aus der Gerüchteküche“ rund um das Thema Geflüchtete bietet z.B. diese Übersicht, mit dem Anliegen, Falschmeldungen sowie Verschwörungserzählungen zu enttarnen.

In ihrer optischen Gestaltung ähneln Falschmeldungen teils klassischen Mitteilungen und Nachrichten, was sie besonders gefährlich macht; allerdings fallen sie beispielsweise durch reißerische Überschriften auf. Über Post, Likes und Re-Tweets werden Fake News in den sozialen Netzwerken schnell verbreitet. Sogenannte KI-basierte Deepfakes, die auf computergenerierten Videos, Bildern und Stimmen basieren, heben Fake News auf ein neues Level.

Zu differenzieren ist zwischen der Desinformation und der Fehlinformation:

  • Desinformation: Falsche Informationen, um zu täuschen oder zu schädigen (z.B. bewusste Lügen, Gerüchte, aus dem Kontext gerissene Zitate, manipulierte Fotos …). Hier besteht die Zielsetzung folglich in der bewussten Beeinflussung und Manipulation der Zielgruppe aus persönlichen, politischen oder wirtschaftlichen Gründen.
  • Fehlinformation: Falsche Informationen, die ohne Täuschungsabsicht (journalistisch) verbreitet werden, z.B. durch Recherchefehler, falsche Deutungen, reißerische Überschriften, missverstandene Satire und Meinungen usw.

Der erste Beitrag unserer dreiteiligen Reihe „Digitalität im Geschichtsunterricht“ bietet euch grundlegende Informationen über den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Geschichtsunterricht. Hier geht es zum Beitrag:

Und was kann der Geschichtsunterricht zum Erkennen von Fake News beitragen?

Als diejenigen, die Sachtexte und Quellen analysieren, sind Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrer prädestiniert, die Lernenden für die Thematik zu sensibilisieren. Dazu gibt es verschiedene Zugänge, von denen einer exemplarisch vorgestellt wird:

Hinweise zur Durchführung:

Idealerweise arbeiten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen, um einen Austausch zu ermöglichen und die Gefahr der „digitalen Frontalarbeit“ zu umgehen. In leistungsstarken Lerngruppen können die Schülerinnen und Schüler als Alternative zum folgenden Beispiel eigenständig eine Nachricht recherchieren, die ihnen „verdächtig“ erscheint. Alternativ gibt die Lehrkraft einen Text zum Thema vor. Mithilfe der Checkliste (s. u.) können die Schülerinnen und Schüler die Nachricht überprüfen und ihr Ergebnis im Plenum vorstellen.

Einbettung im Unterricht

Ein Beispiel aus der Geschichte von 1835

Unter dem Titel „The Great Moon Hoax“ (= Der große Mondschwindel) veröffentlichte die Zeitung „New York Sun“ 1835 eine der ersten Fake News der Mediengeschichte, die zur Kategorie Desinformation gehört, da die Leserinnen und Leser bewusst getäuscht wurden. In der Artikelserie wurde über einen vermeintlichen Sensationsfund im All berichtet: Ein Wissenschaftler habe mit einem gigantischen Fernrohr Wesen auf dem Mond beobachtet, die in ihrer Erscheinungsform Insekten, bläulichen Ziegenwesen, Fledermausmenschen usw. ähneln würden. Es ist davon auszugehen, dass zahlreiche Leserinnen und Leser auf die Lügengeschichte reinfielen.
Bemerkenswert an der Falschmeldung ist die reale Grundlage: Der britische Astronom Sir John Herschel errichtete 1834 ein Observatorium am Kap der Guten Hoffnung, um den Südhimmel zu kartieren. Der für die Serie verantwortliche Redakteur verfasste seine Lügengeschichte unter dem Pseudonym Dr. Andrew Grant. Er gab vor, als Freund Informationen aus erster Hand erhalten zu haben, und lieferte eine sehr ausführliche Beschreibung des neuen Teleskops von Herschel. Die Wirkung wurde durch pseudowissenschaftliche Ausdrücke verstärkt.
Die Zeitung erreichte ihr Ziel, die Auflage wurde erheblich gesteigert und die Artikel an weitere Zeitungen verkauft, bevor nach ca. einem Monat die Richtigstellung erfolgte.

Anhand dieses Beispiels kann den Schülerinnen und Schülern verdeutlicht werden, dass die Verbreitung von Fake News kein neues Phänomen ist, sich in der Gegenwart lediglich potenziert hat.

Schwarz-weiß Zeichnung geflügelter Wesen, die angeblich von einem Wissenschaftler mit einem Fernrohr auf dem Mond entdeckt wurden. Die Wesen auf dem Bild ähneln Insekten, bläulichen Ziegenwesen, Fledermausmenschen usw. Einige schweben durch die Luft, während andere am Ufer eines Flusses sitzen oder stehen und wieder andere im Wasser baden.

Mondschwindel 1835: Fledermausmenschen, Ziegenwesen & Co. auf dem Erdtrabanten

Weitere Informationen und Originalzeichnungen finden sich u.a. auf folgenden Seiten:

https://www.geo.de/wissen/weltgeschichte/wie-eine-us-zeitung-ueber-leben-auf-dem-mond-schwindelte-33248994.html

https://www.spiegel.de/geschichte/mondschwindel-1835-a-948399.html

Checkliste zum Erkennen von Fake News

Die folgenden Fragen sollen eine Unterstützung zum Aufspüren von Fake News darstellen. Nicht jede Frage passt zu jeder Nachricht und muss auch nicht zwangsläufig in der Reihenfolge betrachtet werden.

  • Grundsätzlich ist eine kritische Grundhaltung wichtig. Deine Vorkenntnisse und Erfahrungen zum Thema können dabei hilfreich sein.
  • Überprüfe die Nachricht mithilfe deiner eigenen Vorkenntnisse und Erfahrungen.
  • Kläre, inwieweit der Text aktuell ist.
  • Prüfe, ob die Nachricht übertriebene Fakten und/oder radikale Meinungen vermittelt.
  • Sprache: Werden manipulative/übertriebene Äußerungen vorgenommen?
  • Recherchiere, woher eine Nachricht stammt: Handelt es sich um unbekannte oder unseriöse Quellen?
  • Versuche, Informationen über den Autor/die Autorin einzuholen: Ist diese/dieser als seriös einzustufen?
  • Prüfe, inwieweit die Nachricht belegbare Fakten enthält.
  • Recherchiere, ob die dargelegten Fakten richtig sind.
  • Sieh dir die Bilder oder den Videoausschnitt genau an: Wurden diese nachträglich bearbeitet oder stammen sie aus anderen Nachrichten?
  • Verwende die umgekehrte Google-Bildersuche: Gib die URL des Bildes ein oder führe einen Upload durch. Google findet in vielen Fällen heraus, woher das Bild stammt.
  • Erscheint die Nachricht bei Fake-News-Portalen (z. B. einem dieser Angebote)?
  • Intention: Welche Absicht verfolgt der Verfasser mit der Veröffentlichung des Textes? Warum wird die Nachricht überhaupt verbreitet?

Hilfreich ist auch diese Checkliste:

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Über den Autor

Dr. Holger Schmenk

Historiker, Autor, Oberstudiendirektor, Schulleiter der Freiherr-von-Stein-Schule – Europaschule Gladenbach, Fächer; Geschichte und Deutsch

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