Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten geht im September in die nächste Runde: „Bis hierhin und nicht weiter!? Grenzen in der Geschichte“ lautet das Thema der 29. Ausschreibung. Unsere dreiteilige Serie berichtet über die Hintergründe und den Ablauf des Wettbewerbs.
Alle zwei Jahre heißt es: Vorhang auf für den prestigeträchtigen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Ausgeschrieben von der Körber-Stiftung, prämiert er spannende Projekte von Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland. Der Programmbereich Gesellschaftswissenschaften im Ernst Klett Verlag ist Partner des Geschichtswettbewerbs. In unserer Beitragsserie stellen wir jeweils ein prämiertes Projekt aus dem Jahr 2023 vor, beleuchten, warum eine Teilnahme sinnvoll ist, und liefern spannendes Unterrichtsmaterial und -ideen.
Geschichte in der Nachbarschaft entdecken
Die Dortmunder Schülerin Valérie Raillon ist in ihrem Beitrag „Wohnen in den Arbeiterkolonien des Ruhrgebiets“ auf Spurensuche in ihrer Nachbarschaft gegangen. Die Kolonie „Felicitas“ befindet sich unter einer Mulde unweit ihres Wohnorts. Sie ging der Arbeitersiedlung in unmittelbarer Nähe ihres Gymnasiums und ihres eigenen Wohnorts auf den Grund, beleuchtete die Lebensrealität der Arbeiter und das Aus der Siedlung in den 1970er Jahren. Die dabei entstandene Facharbeit ist eine spannende Aufarbeitung des Themas Strukturwandel im Ruhrgebiet. Die Schülerin arbeitete das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen, der Bedeutung von erschwinglichem Wohnraum und Umweltfaktoren wie Lärm- und Feinstaubemissionen und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit der Anwohner akribisch heraus: Eine Thematik, die auch heute nicht an Relevanz verloren hat.
Mitmachen lohnt sich
Wir sprachen mit Valérie Raillons Tutorin Maren Abendroth über die Teilnahme am Wettbewerb. Die Geschichtslehrerin betreute das Projekt und hob den Mehrwert einer solchen Ausschreibung hervor. Die fertige Arbeit in den Händen zu halten sei auch für die betreuende Lehrkraft ein toller Moment. Man könne beobachten, wie die Schülerinnen und Schüler am Projekt wachsen und selbstständiger würden. Wenn es dann auch noch für eine Preisverleihung reicht: umso schöner.
Durch den Wettbewerb würden Schülerinnen und Schüler dazu ermuntert, sich eigenständig, forschend und entdeckend an außerschulischen Lernorten mit Geschichte zu beschäftigen. Ihre Schülerin habe sich in Archive gewagt, Abwasserpläne studiert und Zeitzeugeninterviews geführt und sie selbst zum Staunen gebracht. Hier ist das ganze Interview mit der Lehrerin zu sehen:
Methodisch fit – mit dem Material von Klett
Die Schülerin nutzte unter anderem die Befragung von Zeitzeugen für ihre Recherche. Als lebende Quellen können Menschen, die eine bestimmte Zeit erlebt haben, Geschichte(n) erzählen. Für ihren Beitrag sprach Valérie Raillon mit fünf Zeitzeugen, von denen zwei ehemalige Bewohner der Arbeitersiedlung waren. In ihrem Arbeitsbericht erläutert die Schülerin ihre Vorgehensweise, etwa, dass sie die Gespräche aufzeichnete oder sich mit manchen Gesprächspartnern mehrfach traf. Außerdem übte sie Quellenkritik, indem sie die Aussagen, die teilweise verklärend waren, kritisch einordnete.
Viele Schülerinnen und Schüler haben noch keine Erfahrung mit Zeitzeugenbefragungen gemacht. Hier möchten wir bei den Projekten eine Unterstützung geben. Gerade am Anfang einer Recherche kann ein Zeitzeugengespräch viele Richtungen aufzeigen. Mit unserem Material können die wichtigen Aspekte eines solchen Interviews fixiert und für die weitere Arbeit festgehalten werden.
Autor: Jan Müller




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