Alle zwei Jahre wird der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten von der Körber-Stiftung ausgeschrieben. Dabei werden spannende Projekte von Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland prämiert. Der Programmbereich Gesellschaftswissenschaften im Ernst Klett Verlag ist Partner des Geschichtswettbewerbs. Um euch einen Überblick zu verschaffen, welche Themen und Ansätze für ein solches Projekt möglich sind, stellen wir einen Beitrag aus der letztjährigen Bundespreisverleihung vor. Im ersten Teil der Serie zum Thema starke Frauen.
Pionierin der Seefahrt – und deren Widerstände
Die Hamburgerin Lara Ahlers hat sich in ihrem Beitrag „Kapitänin ohne Schiff. Annaliese Teetz und ihr Kampf gegen die Ausgrenzung auf See“ mit der ersten deutschen Kapitänin Annaliese Teetz beschäftigt. Wie die Seefahrerin kommt Lara Ahlers aus Hamburg und begeistert sich für das Meer. Passend zum Thema der Ausschreibung „Bis hierhin und nicht weiter!? Grenzen in der Geschichte“ hat sich die Schülerin mit dem gesellschaftlichen und politischen Gegenwind befasst, der Teetz auf dem Weg zum ersten Kapitänspatent für eine Frau in Deutschland entgegenschlug. Dabei beleuchtete die Elftklässlerin die Umstände, denen Teetz begegnete, sowie ihren Einsatz, ihrer Leidenschaft beruflich nachgehen zu können. Kritisch beleuchtet sie dabei die Rolle der Seefahrerin im Nationalsozialismus und geht auch der Frage nach, ob sie überzeugte Nationalsozialistin war oder eher „mitgeschwommen“ ist, um ihr berufliches Ziel zu erreichen.
Gründe fürs Mitmachen
Wir sprachen mit Lara Ahlers‘ Tutorin Elke Niesters über die Teilnahme am Wettbewerb. Ihre Schülerin habe sich selbstständig mit dem Thema befasst und an ihrem Beitrag geforscht. Durch einen Aufenthalt auf einem Schulschiff war Ahlers zu der Überlegung gekommen, welche Rolle Frauen auf See spielten und spielen. Die Geschichtslehrerin betreute das Projekt und hob den Mehrwert einer Teilnahme für Schülerinnen und Schüler sowie Tutorinnen und Tutoren hervor. Es sei beglückend, abseits vom üblichen Klassenzimmeralltag interessierte Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, eine Forschungsfrage zu entwickeln, zu bearbeiten und schließlich in einem Beitrag zu präsentieren.
Sehen Sie hier das ganze Interview mit Tutorin Elke Niesters:

Erfahren Sie mehr über das Projekt Laura Ahlers‘: https://koerber-stiftung.de/mediathek/1-bundespreis-beim-geschichtswettbewerb-2025-lara-ahlers/
Unterrichtsimpuls: Frauen in der Geschichte – übersehen, benachteiligt, beklaut?
In der Unterrichtseinheit, die sich für Klassen ab der Mittelstufe eignet, sollen übersehene und übergangene Leistungen von Frauen in der Geschichte beleuchtet werden. Dafür beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Biografien von Denkerinnen, Erfinderinnen und Pionierinnen in der Geschichte. Außerdem sollen Gründe für die systematische Benachteiligung und Unterdrückung der Frauen erarbeitet werden. Die Einheit bietet sich etwa in Sequenzen zum Thema Revolution von 1848/1849, Frauenwahlrecht oder Gesellschaft im geteilten Deutschland an.
Einstieg
Als Einstieg in die Stunde zeigt die Lehrkraft Bilder von Gegenständen oder Ideen, die von Frauen stammen. Etwa der erste Algorithmus (Ada Lovelace), der Scheibenwischer (Mary Anderson) oder der Kaffeefilter (Melitta Bentz). Eine Übersicht für solche Beispiele und deren Hintergründe gibt es hier. Die Schülerinnen und Schüler dürfen Vermutungen anstellen, was die gezeigten Bilder gemeinsam haben. Dann löst die Lehrkraft auf und leitet zum Stundenthema über: (Un-)Sichtbarkeit von Frauen und ihrer Leistungen in der Geschichte.
Erarbeitung
Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten in Gruppenarbeit die Geschichte(n) von Frauen. Dafür dürfen sie eigenen Vorschlägen, Vorwissen und Interessen nachgehen. Einen kompakten Überblick solcher Biografien gibt es hier. Außerdem gibt es ein Instagram-Angebot vom Bayerischen Rundfunk, das den Schülerinnen und Schülern einen lebensweltnahen Überblick zu Frauengeschichte(n) bietet. Je nach Umfang der Stunde bzw. vorgesehener Unterrichtssequenz kann die Lehrkraft den Umfang dieser Recherchephase festlegen. Mit unserer Kopiervorlage können die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse schriftlich festhalten und in der Sicherungsphase zusammenführen. Die Kopiervorlage findet ihr unten.
Sicherung
Nach der Erarbeitungsphase stellen die Schülerinnen und Schüler die von ihnen recherchierten Personen vor. Falls technisch möglich können die Referierenden Bilder von den Frauen und ggf. ihren Erfindungen bzw. Errungenschaften zeigen. Anschließend leitet die Lehrkraft zum Thema Benachteiligung der Frau über. Anhand der geschilderten Widerstände in den unterschiedlichen Biografien kann dann eine Diskussion über Sichtbarkeit und Teilhabe – gerade in der Gegenwart – folgen.
Literaturtipp
Die Historikerin und Journalistin Leonie Schöler hat mit „Beklaute Frauen“ ein spannendes und kurzweiliges Buch über die unsichtbaren Frauen in der Geschichte geschrieben. Es kann als Inspiration für das Thema Frauengeschichte dienen und (in der Oberstufe) in Auszügen auch mit Schülerinnen und Schülern gelesen werden.
Mehr zum Thema auf dem GeWi-Blog: Hier findet ihr die Unterrichtsimpulse aus der letzten Edition


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