Ob Geographie, Geschichte, Wirtschaft oder Politik – es gibt so viele spannende Themen und mindestens ebenso so viele gute Sachbücher! Wir haben aus jedem Fachgebiet ein Sachbuch für euch ausgewählt, das uns in der Redaktion besonders beeindruckt hat.
Hier sind unsere Buchtipps für euch:
Die seltsamsten Orte der Welt
Alastair Bonnett
Die seltsamsten Orte der Welt
C.H. Beck
296 S., ISBN 978-3-406-67492-1
Ortlos geht es einfach nicht. Jede und jeder ist angebunden an Plätze, Räume und Stellen der Erdoberfläche – real oder imaginär. Lokalitäten, um unser Sein zu verorten. Und was es für Orte gibt! Geliebte, verhasste, umstrittene, instrumentalisierte, geheimnisvolle, vergessene und tausenderlei andere. Manchmal so individuell wie jeder von uns, manchmal so kollektiv wie unsere gesamte Spezies. Noch dazu verschwinden Plätze plötzlich von der Landkarte, während andere neu auftauchen. Nichts ist statisch. Keine Geographie und kein Ort. Auch wenn wir es manchmal so empfinden angesichts von Karten und Satellitenbildern, die scheinbar jede Stelle dingfest machen.
Erfrischend wie eine Sommerbrise an einem luftigen Ort beleuchtet der britische Geograph Alastair Bonnett leichtfüßig und äußerst abwechslungsreich unsere menschgegebene Topophilie: Wie wir uns mit Örtlichkeiten identifizieren und uns wieder lossagen, uns an Plätze verlieren und sie wieder von uns stoßen, Orte aus dem Nichts schaffen und wieder ans Nirgendwo übergeben. Unbedingt lesenswert – denn auch das Sommerloch soll ja ein Ort sein!
Afrika und die Entstehung der modernen Welt
Howard W. French
Afrika und die Entstehung der modernen Welt
Klett-Cotta
512 S., ISBN 978-3-608-98667-9
Der US-amerikanische Journalist arbeitet in seiner packenden Darstellung knapp 600 Jahre transatlantische Geschichte Afrikas auf und weist dem Kontinent einen entscheidenden Beitrag zum wirtschaftlichen und politischen Aufstieg westlicher Industriestaaten zu. So sei der Erfolg der kapitalistischen Wirtschaftssysteme ohne die Ausbeutung des afrikanischen Kontinents mit Millionen von Sklaven kaum möglich gewesen – mit verheerenden Folgen für dortige Gesellschaften und Spätfolgen bis heute.
Dabei räumt er mit Vorurteilen über eine angeblich fehlende Geschichte Afrikas auf, stellt wichtige Persönlichkeiten vor und regt zum Nachdenken über europäische wie amerikanische Verantwortung und die Gestaltung einer neuen Weltpolitik an.
Das Buch ist kurzweilig und zugänglich geschrieben, stellt durch die Biografie des Autors viele lebensnahe, emotionale Bezüge her und bietet so einen interessanten, ungewöhnlichen Zugang zu einem komplexen Thema.
Hitler, Stalin, meine Eltern und ich
Daniel Finkelstein
Hitler, Stalin, meine Eltern und ich
Hoffmann und Campe
528 S., ISBN 978-3-455-01666-6
Der jüdische Journalist Daniel Finkelstein erzählt in diesem Buch sehr eindrucksvoll, wie seine Eltern die Terrorherrschaft von Hitler einerseits und Stalin andererseits überlebt haben. Daniels Mutter Mirjam floh mit ihrer Familie von Berlin nach Amsterdam. Ihr Vater Alfred Wiener dokumentierte erst von dort, dann von London aus die Nazi-Verbrechen in seiner “Wiener Library”, die noch heute als eines der wichtigsten Archive zum Holocaust gilt. Doch noch vor der Übersiedlung von Frau und Kindern nach London marschieren die Deutschen in Holland ein und schicken sie nach Bergen-Belsen.
Daniels Vater Ludwik, in Lwiw als einziges Kind einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren, wurde mit seiner Familie von den Kommunisten zur Zwangsarbeit in einen sibirischen Gulag geschickt. Die Schilderung, wie Ludwiks die eisigen Winter in einem winzigen Haus aus Kuhdung überlebt hat, ist ebenso wie das Kapitel über Bergen-Belsen kaum zu ertragen. Dennoch sind es immer wieder Zeichen von Menschlichkeit und Stärke sowie Finkelsteins persönlicher, klarer Schreibstil, die das Buch zu einem besonderen Leseerlebnis machen.
Cultural Backlash: Trump, Brexit, and Authoritarian Populism
Pippa Norris, Ronald Inglehart
Cultural Backlash: Trump, Brexit, and Authoritarian Populism
Cambridge University Press
540 S., ISBN 9781108595841
Pippa Norris von der Harvard Universität und Ronald Inglehart von der University of Michigan widmen sich in diesem Buch von 2019 der Frage, warum in so vielen Ländern weltweit, in unterschiedlichsten Staatsformen und Wahlsystemen populistische Politiker so erfolgreich sind. Sie bauen dafür ein komplexes Gerüst aus Wahlpräferenzen, Umfrageergebnissen, ökonomischen Daten, Einstellungen und Werten, Alterskohorten und anderen Dimensionen, um dem Phänomen analytisch und jenseits der Alltagseindrücke auf den Grund zu gehen.
In Teilen sind die akademischen Herleitungen stark methodisch geprägt und für ein akademisches Fachpublikum geschrieben. Gleichzeitig sind die Kernergebnisse und Ableitungen für alle interessant, die sich intensiv mit dem Phänomen auseinandersetzen wollen (und die methodischen Kapitel dabei gerne nur querlesen können). Im Ergebnis entsteht ein vielschichtiges Werk, das mit seiner Fundamentalanalyse des Populismus beeindruckt und fast schon als Nachschlagewerk für die Einordnung tagesaktueller Themen dienen kann.
In Defense of Public Debt
Barry Eichengreen et al.:
In Defense of Public Debt
Oxford University Press
320 S., ISBN 978-0-19-757789-9
In Deutschland sorgen Staatsverschuldung und Schuldenbremse gerade im Jahr 2024 wieder für erhebliche Diskussionen. Aber auch in den USA führt die Schuldengrenze („debt ceiling“) regelmäßig zu einem Showdown zwischen Republikanern und Demokraten. Insofern trifft das Buch „In Defense of Public Debt“ (2021) auch heute noch den Nerv der Zeit.
Eichengreen und seine Mitautoren gehen darin bis zurück in die Anfänge dokumentierter Staatsschulden im Jahr 400 vor Christus und zeigen von da an einen Pfad auf, in dem Schulden eng verknüpft sind mit der Entstehung von Staatlichkeit an sich. Schulden als Notwendigkeit, um sich gegen äußere Bedrohungen verteidigen zu können; als Hilfsmittel, um moderne Sozialstaaten aufzubauen; als letzte Bastion, um in Krisen (Finanzkrise 2008, Corona-Krise 2020) den Kollaps ganzer Volkswirtschaften zu verhindern.
Ob sich daraus wirklich eine „Defense of Public Debt“ ableiten lässt oder ob es nicht passender eine „History of Public Debt“ heißen müsste, sei dahingestellt. Denn die Autoren gehen weit weniger detailliert auf die Tragfähigkeit von Schulden ein, auf Verdrängungsphänomene staatlicher und privater Ausgaben, auf Allokations- und Anreizfragen. Aber als eindrückliche Historie über Staaten und Schulden ist das Buch für Wirtschaftsinteressierte durchaus lesenswert.








„Vielen Dank für die tollen Buchtipps! Besonders interessiert mich ‚Die seltsamsten Orte der Welt‘ von Alastair Bonnett. Es klingt nach einer faszinierenden Reise durch die geographischen Kuriositäten unseres Planeten. Auch ‚Afrika und die Entstehung der modernen Welt‘ von Howard W. French scheint ein sehr aufschlussreiches Buch zu sein, das eine neue Perspektive auf die Geschichte bietet. Ich freue mich darauf, diese Bücher in meine Sommerlektüre aufzunehmen. Danke für die Empfehlungen!“
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Original German Comment: „Vielen Dank für die tollen Buchtipps! Besonders interessiert mich ‚Die seltsamsten Orte der Welt‘ von Alastair Bonnett. Es klingt nach einer faszinierenden Reise durch die geographischen Kuriositäten unseres Planeten. Auch ‚Afrika und die Entstehung der modernen Welt‘ von Howard W. French scheint ein sehr aufschlussreiches Buch zu sein, das eine neue Perspektive auf die Geschichte bietet. Ich freue mich darauf, diese Bücher in meine Sommerlektüre aufzunehmen. Danke für die Empfehlungen!“