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Unterrichtsimpuls: „Privilege Walk“ im Klassenzimmer

Mitte 2023 waren laut UNHCR etwa 110 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Fluchtursachen und Situationen in den Herkunftsregionen könnten oft unterschiedlicher nicht sein. Aber auch in den Aufnahmeländern sind die Möglichkeiten und Chancen der Schutzsuchenden stark differenziert. Mit der Methode „Privilege Walk“ könnt ihr gut mit euren Lernenden zu diesen Themen ins Gespräch kommen und sie für die Situationen und Chancen unterschiedlichster Personen in unserer Gesellschaft sensibilisieren.

Die Methode „Privilege Walk“

Die Methode „Privilege Walk“ eignet sich sehr gut, um sich die verschiedenen Möglichkeiten und Chancen, die unterschiedliche Menschen einer Gesellschaft haben, vor Augen zu führen. Dafür begeben sich die Schülerinnen und Schüler mithilfe von Rollenkarten in fiktive Rollen. Nachdem sich die Lernenden mit ihrer Rolle vertraut gemacht haben, stellen sie sich im Klassenzimmer (oder auf dem Schulhof) in einer Reihe auf. Die Spielleiterin bzw. der Spielleiter (z. B. die Lehrkraft) stellt nun verschiedene Fragen zu Lebensumständen, zu Bildung- und Berufschancen oder zum Alltag. Diese Fragen können dabei sowohl auf allgemeine als auch auf explizite Situationen abzielen, z. B.:

  • Hast du Zugang zu sauberem Wasser?
  • Hast du Zugang zum Internet?
  • Kannst du bzw. konntest du deinen Beruf frei wählen?
  • Fühlst du dich sicher, wenn du im Dunkeln allein nach Hause gehst?

Alle Schülerinnen und Schüler, die im Sinne ihrer zugeteilten Rolle die Fragen mit „Ja!“ beantworten können, gehen pro Frage einen Schritt nach vorn. Die anderen Lernenden, die eine Frage mit „Nein!“ beantworten, bleiben stehen oder gehen einen Schritt zurück. Das Ganze kann wahlweise auch mit Spielfiguren auf einem Spielfeld dargestellt werden.

Die Ergebnisse des „Privilege Walks“ reflektieren

Nachdem alle Fragen gestellt wurden, könnt ihr das Bild der verschiedenen Spielfiguren auf dem Spielfeld bzw. die Positionen der Schülerinnen und Schüler im Unterrichtsraum besprechen. Hier bieten sich verschiedene Ansätze. Zum einen können die Schülerinnen und Schüler über ihre eigene Rolle reflektieren und im Unterrichtsgespräch der Klasse präsentieren, wann und warum sie sich wie bewegen konnten und wie sie die Chancen und Möglichkeiten ihrer Rolle innerhalb der Gesellschaft einschätzen.

Alternativ könnt ihr auch so vorgehen: Stellt vor der Durchführung der Methode alle Rollen im Klassenplenum vor. Verteilt die Rollenkarten anschließend verdeckt an die Schülerinnen und Schüler und führt die Methode wie oben beschrieben durch. Im Nachgang können die Schülerinnen und Schüler versuchen zu erraten, wer welche Rolle verkörpert hat. Dadurch können zusätzlich Unterschiede zwischen Eigen- und Außenwahrnehmung thematisiert werden.

Material zur Methode

Geeignetes Material für diese Methode findet ihr zum Beispiel auf den Internetseiten des Vereins Charta der Vielfalt e. V. oder des Hilfswerks Brot für die Welt.

Einbettung im Unterricht

Die Methode des „Privilege Walks“ eignet sich für verschiedene Unterrichtseinheiten. Am ehesten lässt sich die Methode bei den Themen „Migration“ und „Globalisierung“ einsetzen. Über die Methode könnt ihr mit euren Schülerinnen und Schülern gut ins Gespräch darüber kommen, dass oft nicht alle Menschen in einer Gesellschaft die gleichen Chancen haben.

Auch andere Thematiken lassen sich mithilfe dieser Methode besprechen. So können zum Beispiel auch die Lebenssituationen von verschiedenen Kindern und Jugendlichen in unterschiedlichen Ländern der Erde oder in unterschiedlichen Epochen der Geschichte miteinander vergleichen. Zwar ist hier sicher ein etwas höherer Abstraktionsgrad bei den Schülerinnen und Schülern gefordert – wieso aber nicht auch auf diese Weise einmal die Lebensumstände im Mittelalter mit denen in der Antike oder heute vergleichen.

  • ACHTUNG: Je nach Thema können bei der Durchführung eines „Privilege Walks“ zahlreiche Emotionen hervorgerufen werden. Gerade beim Thematisieren von Chancengerechtigkeit in einer Gesellschaft können bei Schülerinnen und Schülern unterschiedliche  Erfahrungen und Emotionen getriggert werden. So können die Fragen und Aussagen zum einen bei Lernenden, die bereits Erfahrungen mit Rassismus oder Sexismus machen mussten, verletzende Situationen und Erlebnisse hervor- und wachrufen. Aber auch bei Schülerinnen und Schülern ohne Rassismuserfahrungen kann die Methode zu Schuld- und Schamgefühlen führen. In jedem Fall empfiehlt es sich die Wirkung und den Nutzen der Methode vorab zu hinterfragen und je nach Lerngruppe zu entscheiden, ob diese Methode zum gewählten Thema eingesetzt werden kann.
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Über den Autor

Leopold Saalfeld

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