Annahmen des Szenarios
Ein Szenario geht von Fakten aus. Es zeigt Entwicklungen auf und bietet die Chance, sich darauf einzustellen und aktiv zu werden. Die demografischen und sozialen Herausforderungen in Sachsen-Anhalt sind groß, die AfD zählt in dem Bundesland einen der größten Landesverbände. Seit 2023 stuft ihn der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch ein. Die Programmatik sei „wesentlich von der rassistischen Ideologie des Ethnopluralismus durchdrungen“, heißt es beim Ministerium für Inneres und Sport des Landes. Weil unklar ist, wie die Landtagswahl tatsächlich ausgeht, werden Annahmen aufgrund möglichst aktueller Umfragewerte getroffen: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Partei mit über 40 Prozent erstmals stärkste Kraft in einem Bundesland wird. CDU, SPD und Linke verlieren, FDP und Grüne scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde, das BSW (ab Oktober 2026: Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft) könnte mit geringer Prozentzahl in den Landtag kommen. Alle Parteien lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD ab. Nach wochenlangem Streit treten einzelne (fraktionslose) Abgeordnete zur AfD über. Sie kann eine Alleinregierung bilden.
Testfall für die „wehrhafte Demokratie“
Angriffe gegen demokratische parlamentarische Verfahren und Institutionen, die Verwaltung, Kultureinrichtungen sowie zivilgesellschaftliche Akteur:innen werden erwartet. Projekte gegen Rechtsextremismus, Rassismus oder Antisemitismus und für Vielfalt und Demokratiebildung erhalten keine Fördermittel mehr. In den Schulen wird „Heimatkunde“ für eine patriotische Gesinnung gelehrt.
Die Amadeu Antonio Stiftung wirft nicht nur ein Szenario an die Wand, sondern gibt auch Tipps für die Zivilgesellschaft (demokratische Bündnisse, Gegenöffentlichkeiten) und zeigt weitere Handlungsoptionen einer wehrhaften Demokratie. Denn der Rechtsstaat hat Mittel, sich gegen Angriffe zu wehren. Grundlegende demokratische Prinzipien wie die Menschen- und Bürgerrechte, Volkssouveränität und Gewaltenteilung sind vom Grundgesetz (u.a. durch die „Ewigkeitsklausel“ nach Art.79 Abs. 3 GG) geschützt und dürfen nicht abgeschafft werden. Die Landes- und Bundesverfassungsgerichte können angerufen werden, sobald beispielsweise Wissenschafts-, Presse- oder Meinungsfreiheit unter Druck geraten.
Link zum Szenario:
Sachsen-Anhalt in den Händen der AfD
Mithilfe des Szenarios lassen sich wichtige Kompetenzen politischer Bildung entwickeln
- Das Wissen und Verständnis für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaat vertiefen: Die Schülerinnen und Schüler analysieren die Aussagen einer Partei, untersuchen deren Entwicklung und erkennen mögliche Gefahren für die Demokratie. Sie können verschiedene Gegenmaßnahmen der wehrhaften Demokratie benennen.
- Verantwortung übernehmen und Selbstwirksamkeit erfahren: Die Schülerinnen und Schüler entwickeln Ideen für eigenes demokratisches Engagement in ihrem Umfeld und führen entsprechende Aktivitäten durch.
- Die Wertschätzung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stärken: Die Schülerinnen und Schüler bewerten politische Akteure und Parteien auf der Grundlage demokratischer Werte sowie in Beziehung zu den eigenen Freiheits- und Handlungsspielräumen.
Einbettung im Unterricht
- Gruppenpuzzle
Die Schülerinnen und Schüler arbeiten Aussagen und Forderungen der AfD zu den Themenfeldern Bildung, Migration, innere Sicherheit und Zivilgesellschaft heraus. - Szenario-Werkstatt
Was würde sich ändern, wenn die AfD an die Macht käme? Die Schülerinnen und Schüler entwickeln, gestalten und präsentieren das Szenario. Tipp: Materialien in der Zukunfts-Timeline als Ausgangspunkt oder Anregung nutzen. - Mindmap
Die Schülerinnen und Schüler zeigen die Bausteine einer wehrhaften Demokratie auf: staatliche Maßnahmen, zivilgesellschaftliches Engagement, individuelle Einflussmöglichkeiten.
- Demokratiemuskeln stärken
Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit den Säulen der Demokratie (freie Wahlen, Partizipation, Recht und Menschenrechte, Gewaltenteilung). Bricht eine Säule weg, könnte ein autoritärer Staat entstehen, das bedeutet: weniger Freiheit, weniger Kontrolle, mehr Macht bei wenigen.
Eine demokratische Gesellschaft zeichnet sich durch Vielfalt und Toleranz, konstruktive Kritik, Gewaltverzicht, den Schutz von Minderheiten und Kompromisse aus.
Die Schülerinnen und Schüler erfahren Demokratie durch: Respekt und Fairness im Alltag, Plan- und Rollenspiele, Konfliktlösungsstrategien, aktives Zuhören, Argumentieren …
Die Erarbeitungsschritte 1. und 3. können jeweils in einer Unterrichtsstunde erfolgen. Die kreativen Aufgaben im Erarbeitungsschritt 2 sollten (zu Hause) einzeln, mit einem Lernpartner oder in Kleingruppen vorbereitet und in einer Unterrichtsstunde präsentiert werden. Der Erarbeitungsschritt 4 ist eine langfristige Aufgabe der Demokratiebildung, kann aber gezielt gefördert werden. Insgesamt eignen sich die Erarbeitungsschritte auch für Projekttage am Ende des Schuljahres.
Unser Tipp: Nutzt mit euren Schülerinnen und Schülern auch die Aktiv-Aufgaben im neuen kostenlosen Klett-eCourse „Demokratie aktiv“.
Über die Amadeu Antonio Stiftung
Die Amadeu Antonio Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung und wurde 1998 in Berlin gegründet. Sie setzt sich ein für Demokratie und Menschenrechte und die Stärkung der Zivilgesellschaft gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Sie fördert Initiativen vor Ort, klärt auf über Phänomene wie Hass im Netz, Verschwörungserzählungen und extremistische Ideologien, ist Netzwerkpartnerin und Expertisegeberin, unter anderem durch Bildungsangebote, Publikationen und Beratung.








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