Wie entscheiden Unternehmen eigentlich, wo sie sich ansiedeln? Entdeckt praxisnahe Impulse, um euren Schülerinnen und Schülern die Bedeutung der Standortwahl spannend zu vermitteln. Ihr erfahrt, welche Kriterien für Unternehmen wichtig sind und bekommt Tipps, wie ihr wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich und schülerorientiert aufbereitet. Nutzt anschauliche Materialien für Geographie- und Wirtschaftsunterricht und macht Themen wie Infrastruktur, Kosten und Arbeitsmarkt lebendig im Klassenzimmer.
Standortwahl – Theorie und Praxis
Kaum eine Woche vergeht, in der in der Öffentlichkeit nicht über die Standortwahl von Unternehmen diskutiert wird. Meistens geschieht das global und abstrakt – China als wichtiger Investitionsstandort deutscher Unternehmen, der Wettbewerb zwischen den USA und Europa um Zukunftstechnologien, die Europäische Union als integrierter Wirtschaftsraum. Große Begriffe, die weit weg zu sein scheinen von der Lebensrealität der Schülerinnen und Schülern.
Die Entscheidungen von Unternehmen über ihre Investitionsstandorte haben aber unmittelbare Folgen für jeden Einzelnen. Arbeitsplätze entstehen dort, wo sich Unternehmen ansiedeln oder ihre Standorte erweitern. Je nach Größe der Unternehmen profitieren davon nicht nur die direkt angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Von den Löhnen und Gehältern gehen die Beschäftigten vor Ort zum Einkaufen, zum Friseur und ins Café; sie zahlen Steuern und bezahlen Miete oder bauen Häuser; sie finanzieren ihren Kindern die Musikschule oder engagieren sich im lokalen Sportverein. Bei großen Investitionen profitieren so ganze Gemeinden, Städte, Landkreise oder sogar Regionen von den Effekten.
Wie aber entscheiden Unternehmen konkret, wo sie sich ansiedeln? Dazu gibt es als eines der ersten und aus heutiger Sicht groben Modelle die von Alfred Weber bereits im Jahr 1909 entwickelte Standorttheorie. Ein übersichtliches Infoblatt zur Geschichte und den Komponenten der Standorttheorie findet ihr hier:
Für Schülerinnen und Schüler bleiben Wirtschaftsprozesse dennoch häufig abstrakt. Produktionsfaktoren und Produktionsprozesse, Wirtschaftskreisläufe und Absatzmärkte sind auch mit gutem Material nicht immer einfach zu vermitteln. Gleichzeitig bestimmen genau diese Aspekte nicht zuletzt über die Zukunftsaussichten der nächsten Generation.
Unser Impuls für euren Unterricht lautet daher:
Wirtschaft erlebbar machen am Beispiel der Standortwahl von Unternehmen!
Praktisch jede Stadt hat eine Agentur für Wirtschaftsförderung, meistens ganz einfach zu finden über eine Internetsuche mit dem Suchbegriff „Wirtschaftsförderung“ und der Stadt oder dem Landkreis eurer Schule. Fragt dort einfach einmal an, ob ihr mit der Klasse oder Lerngruppe vorbeikommen könnt oder ein Vertreter euch in der Schule besucht. Wirtschaftsförderung ist nichts anderes als der Versuch, die Standorttheorie in praktische Arbeit zu übersetzen.
- Was genau macht die Wirtschaftsförderung und warum?
- Was sind aus Sicht der Wirtschaftsförderung die konkreten Standortvorteile eurer Stadt oder Region und warum unterscheidet sie sich darin von anderen Städten und Regionen?
- Wie vermittelt sie das Unternehmen?
- Wie hat sich die Wirtschaft in der Stadt oder Region in den vergangenen Jahren entwickelt und was waren die wichtigsten Unternehmensansiedlungen (oder auch -wegzüge)?
- Wo sind in eurer Stadt Industriegebiete?
- Haben diese erkennbare Branchenschwerpunkte und wie lassen diese sich mit der Theorie von Weber in Einklang bringen (oder auch nicht)?
Und wenn ihr schon dabei seid: Vielleicht noch interessanter ist es, direkt mit Unternehmerinnen und Unternehmern selbst zu sprechen. Die sind häufig leider sehr beschäftigt und haben wenig Zeit. Aber auch sie haben oft schulpflichtige Kinder oder engagieren sich für ihre Heimatstadt. Also fragt sie doch gerne direkt an:
- Warum haben sie ihr Unternehmen genau hier angesiedelt?
- Welche Kriterien spielen eine Rolle, wenn sie über Investitionen entscheiden?
- Spielen räumliche Distanzen im 21. Jahrhundert noch eine so große Rolle, wie von Weber attestiert?
- Was ist mit Dienstleistungsunternehmen, die gar keine Güter produzieren und transportieren können oder müssen – was sind für sie die entscheidenden Standortfaktoren?
Alle diese Fragen könnt ihr gemeinsam in der Klasse diskutieren oder euern Schülerinnen und Schülern projektartig als Hausaufgaben mitgeben. Vielleicht könnt ihr die Fragen auch bei einem Unternehmensbesuch vor Ort beantworten. Bei der Suche nach geeigneten Gesprächspartnern kann euch vielleicht auch die lokale Wirtschaftsförderung helfen.
Also viel Spaß bei dem Versuch, Webers Standorttheorie mehr als 100 Jahre später in der Realität zu testen und euern Schülerinnen und Schülern dabei vielleicht gleich ein Gefühl dafür mitzugeben, wie wichtig es ist, einige wirtschaftliche Grundkonzepte auch als künftige Arbeitnehmerinnen und Arbeiternehmer oder auch als mögliche Unternehmerinnen und Unternehmer zu verstehen.









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