Sprachliche Besonderheiten in Wirtschaft und Politik
Die Fächer Wirtschaft und Politik zeichnen sich durch eine große Bandbreite an Textsorten aus, die jeweils spezifische sprachliche Anforderungen mit sich bringen:
- Informierende Sachtexte: Komplexe Satzgefüge, Passivkonstruktionen, Nominalisierungen und Fachbegriffe wie Subvention, Souveränität oder Normenkontrolle erschweren das Verständnis.
- Juristische Texte (z. B. Grundgesetz, Betriebsverfassungsgesetz): lange Sätze, Fachterminologie und ungewohnte Bedeutungen erfordern gezielte Sprachhilfen.
- Diskontinuierliche Texte: Statistiken, Schaubilder, Karikaturen oder Diagramme sind zentrale Informationsträger und müssen sprachlich erschlossen werden.
- Argumentierende Texte: Kommentare, Reden, Artikel oder Wahlprogramme verlangen die Fähigkeit, zwischen Information und Bewertung zu unterscheiden und Argumentationsstrukturen zu erkennen.
- Fachkonzepte und Modelle: Besonders anspruchsvoll sind abstrakte Fachkonzepte wie Demokratie, Markt, Freiheit oder Würde sowie Modelle wie der Wirtschaftskreislauf, die ohne sprachliche Präzision kaum zu fassen sind.
Zentrale Prinzipien mit Beispielen und Materialien
Aus den sprachlichen Anforderungen lassen sich zentrale Prinzipien für den sprachsensiblen Fachunterricht ableiten. Diese sind in vielen Aspekten deckungsgleich mit Prinzipien in den anderen gesellschaftswissenschaftlichen Fächern wie Geschichte und Geographie (siehe dazu auch die weiteren Teile unserer Blog-Serie – die Links dazu findet ihr unten!).
- Fachliche Lernziele als Ausgangspunkt
Sprachbildung im Wirtschaft/Politik-Unterricht orientiert sich stets an den fachlichen Kompetenzen, welche die Lernenden erreichen sollen. Das bedeutet, alle sprachbildenden Maßnahmen (z.B. Gestaltung von Arbeitsblättern, Einsatz von Methoden) sollten auf die für die fachlichen Ziele notwendigen Prozesse und das zu erstellende Lernprodukt ausgerichtet werden. - Sprachliche Hürden sichtbar machen und Fachbegriffe lernen
Ob Nominalisierungen („die Regulierung des Marktes“) oder Passivformen („es wird entschieden“): Es hilft, solche sprachliche Strukturen explizit zu thematisieren. Ein metasprachlicher Blick („Warum wird hier das Passiv verwendet?“) hilft euren Lernenden, Zeitungsartikel oder juristische Texte besser zu verstehen. Auch die gezielte Erarbeitung von Fremdwörtern und Fachbegriffen ist im sprachsensiblen Unterricht essenziell, um den Aufbau einer Fachsprache zu fördern. Wortspeicher-Listen, Worterklärungen und damit verbundene Aufgaben können dabei unterstützen.
Beispiel aus „Starke Seiten Wirtschaft | Politik 5/6“, Ausgabe NRW ab 2026, ISBN: 978-3-12-007645-2

- Textsorten gezielt erschließen (Methodentraining)
Gerade jüngere Lernende brauchen Unterstützung beim Umgang mit typischen Textsorten. Zu empfehlen ist daher ein gezieltes, kleinschrittiges Methodentraining von Anfang an, und zwar immer anhand von konkreten Inhalten. Einmal eingeübt, könnt ihr bzw. eure Lernenden immer wieder auf diesen „Methodenrucksack“ zurückgreifen und die Schritte auf andere Beispiele übertragen. Ebenso hilfreich ist ein Methodentraining für das argumentierende Sprechen wie z.B. in Pro-Kontra-Diskussionen oder Debatten. Sprachgerüste (z. B. auf Karteikarten) helfen den Lernenden auch hier, sich auf solche Setings vorzubereiten und daran mit der nötigen Sprachsicherheit teilzunehmen.
Nutzt dazu z.B. die folgende Kopiervorlage, um mit euren Lernenden die Analyse von Karikaturen einzuüben: Beispiel aus „Projekt G 2 Kopiervorlagenband Sprachbildung“, ISBN: 978-3-12-408892-5
- Scaffolding – sprachliche Hilfen anbieten und abbauen
Formulierungshilfen, Satzstarter oder strukturierte Schreibpläne unterstützen Lernende bei der Bearbeitung von schriftlichen wie auch mündlichen Arbeitsaufträgen. Diese Hilfen könnt ihr schrittweise reduzieren, sobald die Lernenden Sicherheit gewinnen.
Beispiel aus „Starke Seiten Wirtschaft | Politik 5/6“, Ausgabe NRW ab 2026, ISBN: 978-3-12-007645-2

- Aufgaben mit Operatoren
Arbeitsaufträge steuern fachliche und sprachliche Lernprozesse. Durchdachte Aufgaben mit klaren Operatoren zeigen den Lernenden, wie sie vorgehen sollen. Dabei helfen kann eine fachspezifische Operatorenliste mit Formulierungshilfen, die ihr hier zum kostenlosen Download erhaltet.
Beispiel aus „Starke Seiten Wirtschaft | Politik 5/6“, Ausgabe NRW ab 2026, ISBN: 978-3-12-007645-2
Argumentierendes Sprechen und Schreiben fördern
Politik und Wirtschaft leben vom Diskurs. Lernende sollen Position beziehen, abwägen und überzeugend argumentieren – mündlich wie schriftlich. Typische Formen sind Stellungnahmen, Pro-/Kontra-Diskussionen oder Debatten. Sprachbildung bedeutet hier, Lernende dabei zu unterstützen, ihre Argumente klar zu strukturieren und sprachlich angemessen zu formulieren. Hierbei helfen können auch kooperative Lernformen, die das argumentierende Sprechen trainieren, z. B. „Fishbowl“-Diskussionen. Beispielhafte Hilfen können sein:
- Satzstarter für Argumentationen: „Ich bin der Meinung, dass…“, „Ein Gegenargument könnte sein…“, „Das überzeugt mich, weil…“
- Schreibplan für eine Stellungnahme: Einleitung – Argumente für – Argumente gegen – persönliches Urteil
- Rollenkarten für Diskussionen: erleichtern Perspektivwechsel und fördern kommunikative Sicherheit.
Unser Tipp: Für eine strukturierte Vorbereitung auf eine Diskussion könnt ihr mit euren Lernenden die folgende Kopiervorlage nutzen: Beispiel aus „Projekt G 2 Kopiervorlagenband Sprachbildung“, ISBN: 978-3-12-408892-5
Fazit: Sprache ist das Werkzeug, mit dem politische Urteilsfähigkeit geformt wird. Wer die Fachsprache versteht und nutzen kann, nimmt aktiv an gesellschaftlichen Diskursen teil. Sprachbildung in den Fächern Wirtschaft und Politik bedeutet also nicht nur, Lerninhalte zu vermitteln und Lernende auf Prüfungen vorzubereiten – sondern auch, demokratische Teilhabe zu ermöglichen. Dabei hat insbesondere das argumentierende Schreiben und Sprechen einen hohen Stellenwert, um die Urteils- und Handlungskompetenzen eurer Lernenden zu stärken.
Literatur
Leisen, Josef: Handbuch Sprachförderung im Fach. Sprachsensibler Fachunterricht in der Praxis. Bd. 1: Grundlagenteil. Bd. 2: Praxismaterialien. Ernst Klett Sprachen, Stuttgart 2013.
Oleschko, Sven; Weinkauf, Benjamin; Wiemers, Sonja: Praxishandbuch Sprachbildung Geographie. Sprachsensibel unterrichten – Sprache fordern. Stuttgart: Ernst Klett Sprachen 2016
Reble, Raja: Sprachbildung im Fach Wirtschaft/Politik, Ernst Klett Verlag 2020


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