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Sprachbildung im Fach Geographie (Teil 3/4): Schwerpunkt Methodentraining im Geographieunterricht

Das Fach Geographie schlägt Brücken zwischen den Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften. Es stellt Zusammenhänge zwischen Mensch und Umwelt, Raumstrukturen und globalen Prozessen her. Damit verbunden ist eine besondere Methodenvielfalt: Kartenarbeit, Diagrammauswertungen, Raumanalysen und Realbegegnungen wie Erkundungen oder Beobachtungen spielen eine zentrale Rolle. Als sprachsensible Lehrkräfte könnt ihr euren Schülern den Zugang zu komplexen Themen und Methoden systematisch erleichtern. Dazu findet ihr hier ein paar Anregungen.

Sprachliche Besonderheiten in Geographie

In Geographie bzw. Erdkunde sind die Schülerinnen und Schüler mit spezifischen Textsorten konfrontiert, die sich als Lernhürden erweisen könnten:

Informierende Sachtexte enthalten sprachliche Hürden auf der Wort- und Satzebene:

  • zahlreiche Fachbegriffe
  • Komposita, z. B.: Bevölkerungsdichte
  • Präfixverben, z. B.: besiedeln, zersiedeln; darstellen, bereitstellen
  • Nominalisierungen, z. B.: die Entstehung des Westwindzone
  • komplexe Satzgefüge (Konjunktional- und Relativsätze)
  • unpersönliche Passivkonstruktionen usw.

Daneben haben sogenannte diskontinuierliche Texte in Geographie einen besonderen Stellenwert:

  • Karten
  • Bilder (Fotos, Zeichnungen, Karikaturen)
  • Zahlen/Grafiken (Tabellen, Diagramme, Statistiken, Ländervergleiche/Länderprofile)
  • Schemata/Modelle (Schaubilder, Mindmaps, Wirkungsgefüge)

Hinzu kommen Realbegegnungen:

  • Raumanalyse
  • Beobachtung
  • Erkundung
  • Befragung
  • Versuche
  • Simulationen wie Rollenspiele oder Pro- und Kontradiskussionen
  • Präsentationen mittels Wandzeitung, Lapbook, PowerPoint usw.

Es bestehen sprachlich wie fachlich viele Parallelen zwischen der Geographie und den Naturwissenschaften.

Sprachsensibler Geographieunterricht: konzeptionelle Ansätze

Unüberwindbar erscheinende sprachliche Hürden können den Blick auf das Fach verstellen. Im sprachsensiblen Geographieunterricht geht es deshalb zum einen darum, Verständnisbarrieren abzubauen. Zum anderen sollen Schülerinnen und Schüler befähigt werden, die besonderen sprachlichen Anforderungen zu bewältigen. Folgende konzeptionelle Ansätze sollten dabei Berücksichtigung finden:

1. Sprachsensible Texte (Sachtexte)

Wie immer gilt: Ein Text ist gut, wenn er seine Leserinnen und Leser erreicht. Diese Adressatenorientierung im Sinne von Verständlichkeit ist das wesentliche Merkmal sprachsensibel gestalteter Sachtexte. Wie im Artikel zum sprachsensiblen Geschichtsunterricht bereits dargelegt, gibt es einige klar zu benennende Kniffe, welche die Verständlichkeit von Texten unterstützen können:

  • Einfachheit, v. a. wenn ein neues Thema beginnt oder Grundlagen für Kommendes gelegt werden,
  • Begriffskonstanz: Einmal festgelegte und systematisch eingeführte Fachbegriffe werden beibehalten.
  • Textkohärenz (der „rote Faden im Text“) und in diesem Zusammenhang auch die Text-Bild-Kohärenz, z. B. durch eindeutige Bezüge, Strukturierungshilfen, Zeilenzähler usw.

Beispiele:

VorherNachher (sprachsensibel bearbeitet)
Die fehlende Wolkendecke führt zu großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht.Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind groß, weil über der Wüste die Wolkendecke fehlt.
Um den Handel auszuweiten und dadurch ihre wirtschaftliche Macht zu stärken, schließen Staaten Handelsabkommen miteinander.Staaten schließen Handelsabkommen, um den Handel miteinander auszuweiten und dadurch ihre wirtschaftliche Macht zu stärken.
Die Sahara, die größte Wüste der Erde, besteht nur zu 20 Prozent aus Sandwüste. Die Araber nennen sie Erg.Die Sahara ist die größte Wüste der Erde. Sie besteht zu 20 Prozent aus Sandwüste. Diese heißt auf Arabisch „Erg“.

Wichtig: Die im Unterricht verwendeten Texte haben Vorbildcharakter. Beim Streben nach Verständlichkeit sollten somit keine spracharmen, inhaltsleeren Texte produziert werden. Einfachheit hat ihre Grenzen, wo sie zulasten der inhaltlichen Genauigkeit und Angemessenheit geht. Sprachsensible Texte vermeiden stattdessen unnötige Hürden und sind ausreichend präzise.

2. Gezieltes Methodentraining zu fachlichen wie sprachlichen Herausforderungen

Bilder, Karten, Schaubilder, Diagramme, Statistiken etc. nehmen im Geographieunterricht viel Raum ein. Der Umgang mit diesen diskontinuierlichen Texten sollte daher gezielt und kleinschrittig eingeübt werden, und zwar immer anhand von konkreten Inhalten. Später könnt ihr als Lehrkräfte mit euren Schülerinnen und Schülern immer wieder auf diesen Methodenrucksack zurückgreifen und die Schritte auf andere Beispiele übertragen.

Methodenseite: Ein Bild beschreiben

aus: Terra 5, Differenzierende Ausgabe für Baden-Württemberg (ISBN: 978-3-12-105304-9), S. 86/87

Sprachbildung im Fach: Schwerpunkt Methodentraining im Geographieunterricht

Erklärfilm: Vom Luftbild zur Karte

Screenshots aus: Klett-Erklärfilm „Vom Luftbild zur Karte“

Sprachbildung im Fach: Schwerpunkt Methodentraining im Geographieunterricht
Sprachbildung im Fach: Schwerpunkt Methodentraining im Geographieunterricht

Karte in Ebenen: passend zur Zielgruppe Ebene ein- und ausblenden

Sprachbildung im Fach: Schwerpunkt Methodentraining im Geographieunterricht

3. Aufgaben

Arbeitsaufträge sind das zentrale didaktische Steuerungsinstrument für fachliche und sprachliche Lernprozesse im Unterricht. Sie knüpfen an Vorwissen an und ermöglichen so einen kumulativen (sich steigernden, vernetzten) Kompetenzaufbau. Insofern sind durchdachte Lehr- und Lernwege, bei denen alle relevanten Texte und Materialien gezielt mithilfe von Aufgaben angesteuert werden, von großer Bedeutung. Aufgaben werden obligatorisch mit einem Operator formuliert. Diese Verben signalisieren den Schülerinnen und Schülern, wie sie eine Aufgabe bearbeiten sollen. Damit sind sowohl inhaltliche als auch sprachliche Anforderungen verbunden. Eine fachspezifische Operatorenliste inkl. Definitionen und Formulierungshilfen macht diese Anforderungen transparent.

aus: Terra 5, Differenzierende Ausgabe für Baden-Württemberg (ISBN: 978-3-12-105304-9)

Sprachbildung im Fach: Schwerpunkt Methodentraining im Geographieunterricht

Mithilfe von Aufgaben können Lehrkräfte die Sprachproduktion und -rezeption bewusst anregen, indem diese zum Sprechen und Schreiben, Hören und Lesen einladen. Dazu können bestimmte Textsorten intendiert werden, um die Sprachhandlungen zu unterstützen, z. B. Steckbrief oder Präsentation (analog oder digital).

Sprachbildung im Fach: Schwerpunkt Methodentraining im Geographieunterricht

Auch kooperative Lernformen fördern die Sprachproduktion, z. B. Think-Pair-Share, Gruppenpuzzle, Stationenlernen, Rollenspiel, Pro- und Kontra-Diskussion.

aus: Terra 6, Differenzierende Ausgabe für Baden-Württemberg (ISBN: 978-3-12-105305-6), S. 48/49

Sprachbildung im Fach: Schwerpunkt Methodentraining im Geographieunterricht

Formulierungshilfen sind als Scaffolds (Wort- bzw. Satzgerüste) dienlich – sie haben Vorbildcharakter und ermöglichen es auch schwächeren Schülerinnen und Schülern, zu guten Lösungen zu gelangen. Darüber hinaus können z. B. Lösungshilfen angeboten werden. Die Differenzierungsmöglichkeiten im Unterricht sind vielfältig und sollten sich an der Zielgruppe orientieren.

Sprachbildung im Fach: Schwerpunkt Methodentraining im Geographieunterricht

In den weiteren Teilen dieser Serie geben wir euch einen Überblick über die Grundlagen des sprachbewussten Fachunterrichts sowie über die sprachlichen Besonderheiten anderer GeWi-Fächer wie Geschichte, Politik und Wirtschaft.

Literaturtipps

  • Leisen, Josef: Handbuch Sprachförderung im Fach. Sprachsensibler Fachunterricht in der Praxis. Bd. 1: Grundlagenteil. Bd. 2: Praxismaterialien. Ernst Klett Sprachen, Stuttgart 2013.
  • Oleschko, Sven; Weinkauf, Benjamin; Wiemers, Sonja: Praxishandbuch Sprachbildung Geographie. Sprachsensibel unterrichten – Sprache fordern. Stuttgart: Ernst Klett Sprachen, 2016.

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Über die Autorin

Kathrin Liersch

Redakteurin Abteilung Gesellschaftswissenschaften beim Ernst Klett Verlag in Leipzig

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