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Nachhaltigkeit von Festivals – ein Planspiel im Unterricht

Sommer, Sonne, Festivalsaison. Die Temperaturen steigen und somit auch die Lust auf Veranstaltungen bei denen getanzt, gesungen und gelacht wird. Festivals machen nicht nur Spaß, sondern erzeugen auch Unmengen an CO2. Angesichts des Pariser Klimaabkommens (1,5° Ziel) stellt sich die Frage, ob Festivals in Zukunft überhaupt noch stattfinden können. Anders formuliert: Muss der Spaß ein Ende haben?

Natürlich nicht!

Mit diesem Beitrag zeigen wir euch Lösungsmöglichkeiten auf, wie Festivals nachhaltig(-er) gestaltet werden können und stellen die Perspektiven der wichtigsten Akteurinnen und Akteure dar – Veranstaltende und Besuchende.

Legt gleich los, eure Lernenden werden begeistert sein! Mit unseren praktischen Fakten und dem dazugehörigen Planspiel ist es ganz leicht die Thematik in euren Unterricht zu integrieren.

Verschmutzung durch Festivals

Auf vielen Festivals entsteht Müll, sehr viel Müll. Und damit sind nicht nur die leeren Raviolidosen gemeint. Kleidung, Flaschen, Zigarettenkippen und die komplette Wohnausstattung werden zurückgelassen und nicht fachgerecht entsorgt. Zudem entsteht durch die Nutzung der DJ-Sets, die Festival-Beleuchtung, etc. ein hoher Verbrauch an Energie. Die Anreise mit PKW sowie der Parkplatzbedarf auf Äckern und Freiflächen sorgen ebenfalls nicht nur für ein schlechtes Gewissen.

All das ist schädlich für unsere Umwelt und die Folgen wie Hitzewellen, Trockenheit und starke Regenfälle sind bereits heute spürbar. Doch es gibt Abhilfe!

Deichbrand Festival 2023: Müllverschmutzung

10 Nachhaltigkeitsziele der Kernakteurinnen und -akteure von Festivals

Veranstaltende

  1. Aufmerksamkeit erregen: Veranstaltende von Festivals sollten sich ehrgeizige Ziele setzen, um ihre Festivals nachhaltiger zu gestalten. Dies erfordert, dass sie alle Aktivitäten von der Strategie bis zur Umsetzung aktiv angehen.
  2. Aktionsgruppe bilden: Es ist wichtig, ein Veranstaltungsteam zu bilden, das sich gezielt um alle Fragen zur Nachhaltigkeit kümmert. Zusätzlich sollten die Veranstaltende ihren Mitarbeitenden Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten.
  3. Ressourcenmanagement beitreiben: Nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ kann zunächst auf kleine Pilotprojekte gesetzt werden. Ein Beispiel wäre das Angebot von solarbetriebenen Handy-Aufladestationen. Ein bedeutender Schritt wäre, das gesamte Festival mit Ökostrom zu versorgen.
  4. Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel: Veranstaltende sollten die Besuchenden aktiv dazu ermutigen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Alternativ sollten die Veranstaltenden Fahrgemeinschaften fördern und erwägen, mit den örtlichen Nahverkehrsunternehmen zusammenzuarbeiten, indem sie die Kosten für Nahverkehrsmittel in den Festivalticketpreis integrieren. Zudem sollte ein „Deal“ mit den örtlichen Nahverkehrsunternehmen in Erwägung gezogen werden. Die Veranstaltenden müssen deutlich machen, dass Besuchende Zelte und Campingmaterial ausleihen können, da weniger oft mehr ist.
  5. Lebensmittelalternativen bereitstellen: Der Fleischkonsum ist die Ursache für einen sehr hohen Ressourcenverbrauch. Veranstaltende sollten  vegetarische und vegane Alternativen anbieten und bevorzugt mit biologischen und regionalen Anbietern zusammenarbeiten.
  6. Müllentsorgung erklären: Vorab sollte mit Catering-Unternehmen, sowie Händlerinnen und Händlern Alternativen zu Einwegplastikgeschirr gefunden werden. Die Unterstützung beim Recycling ist ebenfalls sehr relevant. Hier das Motto: so einfach wie möglich.
  7. Grüne Kommunikation nutzen: Eine grüne Kommunikation erfordert, dass Veranstaltende sowohl über Erfolge als auch über Misserfolge transparent kommunizieren. Diese Kommunikation sollte digital über Website, Newsletter und Social Media erfolgen.
  8. Kooperationen eingehen: Als Partnerinnen und Partner sollten vorab NGOs, Initiativen und nachhaltige Start-Ups akquiriert werden, um Besuchende zu informieren und zu animieren. Zudem sollte in ökologische Toiletten, Upcycling- und Lebensmittelrettungsangebote investiert werden. Der Wechsel zu einer fairen Bank, die nicht in Kohle- und Ölindustrie investiert, wäre ebenfalls sinnvoll.
  9. Emissionen messen: Um die Wirkung der nachhaltigen Aktionen einzuschätzen, ist das Berechnen von Emissionen essenziell.
  10. Netzwerken: Der Austausch mit anderen Festivalanbietern födert gemeinsames Wachstum und ermöglicht neue Perspektiven.

Besuchende

  1. Aufmerksamkeit erregen: Besuchende sollen Aufmerksamkeit für das Thema Nachhaltigkeit erregen. Sie sollten mit anderen darüber sprechen und sie dazu inspirieren, nachhaltiger zu handeln.
  2. Ressourcenverbrauch: Weniger ist mehr! Eine kürzere Dusche schont die Umwelt. Denn Wasserverbrauch ist häufig gleichzusetzen mit Energieverbrauch. Eine Alternative zu herkömmlichen Duschen bieten Solarduschen. Zudem können Besuchende die Nutzungsdauer von elektronischen Geräten verringern und somit den Stromverbrauch reduzieren. Statt Batterien sollten sie Akkus verwenden und Steckdosenleisten ausschalten, wenn sie nicht benötigt werden.
  3. Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel: Um zum Festival zu gelangen, sollten sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder Verkehrsmittel mit alternativen Kraftstoffen bevorzugen. Hier gilt: weniger Gepäck, mehr Mitfahrende. Viele Festivalbetreibende bieten außerdem Charter-Züge und Bus-Shuttles an, um zum Festival zu gelangen. Daher ist eine konkrete Planung wichtig. Wer keine Alternativen nutzen kann, kann trotzdem etwas für die Umwelt tun. Es gibt die Möglichkeit CO2-Emissionen zu kompensieren. Diese Möglichkeiten werden von WWF vorgeschlagen: Kompensationsprojekte. Allerdings lautet die Grundregel: „Erst vermeiden und reduzieren, dann kompensieren.“
  4. Bewusster Konsum: Festival-Konsument(-innen) sollen vor allem regionale, biologische, unverpackte, vegetarische und vegane Alternativen wählen. Für diejenigen, die nicht auf Fleisch verzichten möchten, sind „fleischfreie Tage“ eine Alternative. Um Verpackungen zu vermeiden, können Speisen bereits zuhause vorbereitet werden. Wenn nach dem Festivalbesuch Lebensmittel übrigbleiben, sollten diese nicht entsorgt werden. Lebensmittelretter wie die Tafel freuen sich über Spenden.
  5. Müllentsorgung: Wie bereits erklärt, sind Einwegverpackungen ein No-Go. Generell sollte Müll, wenn möglich, vermieden und vor allem richtig recycelt werden. Wer Zigaretten konsumiert, sollte diese in Taschenaschenbecher und letztlich in vorgesehene Behälter entsorgen.
  6. NGOs & Initiaven: An Ständen von Initiativen und NGOs wie Greenpeace können sich Besuchende über Klimaschutz oder Biodiversität informieren und für nachhaltige Zwecke spenden.
  7. Upcycling und faire Produkt: Wer Einweg-Glasflaschen und -gläser nach dem Festival übrig hat schenkt, diesen ein zweites Leben, bspw. als Aufbewahrungsmöglichkeiten in Küche oder Bad. Für das Festival wird ein neues Outfit gebraucht? Hier gilt die Devise: Slow Fashion statt Fast Fashion. Das Festivaloutfit muss nicht entsorgt werden. Mittlerweile gibt es zahlreiche Angebote an Kleidertauschpartys und Flohmärkten bei denen die Kleidung ein(-e) neue(-n) Besitzer(-in) findet. Vielleicht brauchen die direkten Nachbarinnen und Nachbarn ein neues Outfit für das nächste Festival, wer weiß, …
  8. Sharing is Caring: Nach dem Motto: „Sharing ist Caring“ sollten übrig gebliebene Festivalutensilien (wie Zelte, Isomatten oder Schlafsäcke) nicht in dem Müll landen. Andere Besuchende freuen sich womöglich über die Camping-Ausstattung.
  9. Umweltfreundliches Campen: Wiederverwendbare Campingausstattung von der Flasche bis zum Campingkocher ist ein Muss.
  10. Nachhaltiges Verhalten: Nachhaltiges Verhalten ist auf dem Festivalgelände sehr wichtig. Besuchende sollten umweltfreundliche Alternativen wie Komposttoiletten nicht umgehen sowie vorab genannte Punkte verinnerlichen und umsetzen.

Nachhaltigkeit von Festivals: Planspiel

Zeitaufwand: ca. 2 bis 4 Unterrichtsstunden

Zielgruppe: Sek II, Klasse 9/10

Material:

  • Interessante Infoplakate findet ihr hier: Link
  • Grundlegende Informationen zum Pariser Klimaabkommen findet ihr hier: Link
  • Spannende Fakten zu Nachhaltigkeit auf Festivals findet ihr hier: Link

Ziel: Die Lernenden sollen am aktuellen Beispiel Festival die Relevanz von umweltbewusstem Handeln verstehen und praktisch anwenden können.

Aufbau

  1. Thematik kennenlernen: Was ist Nachhaltigkeit? Was sind Festivals?
  2. Input-Video: Beispielinput zum besseren Verständnis der Problematik
  3. Gruppenphase: Einteilung der Klasse in Gruppen (Veranstaltende und Besuchende von Festivals), Welche 10 Ziele können sich Veranstaltende setzten um Festivals nachhaltig(-er) zu gestalten? Welche 10 Ziele können sich Besuchende setzten um Festivals nachhaltig(-er) zu gestalten?
  4. Ergebnispräsentation und Diskussion: Gemeinsamer Vergleich der gesammelten Ergebnisse und Abgleich mit den 10 Zielen aus dem Blogartikel.

Nachhaltigkeitsblog

Euch interessiert das Thema Nachhaltigkeit? Hier gelangt ihr direkt zu spannenden Beiträgen!

Quellen und Links

Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Abkommen von Paris: https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Industrie/klimaschutz-abkommen-von-paris.html

Infield, Nachhaltigkeit auf Festivals: https://infield.live/nachhaltigkeit-festivals/#prev

Infield, 10 Schritte Richtung Nachhaltigkeit für Festivals: https://infield.live/wenn-nicht-jetzt-wann-dann-10-schritte-richtung-nachhaltigkeit/

Ethik.Guide, Nachhaltige Festivals: Feiern mit gutem Gewissen: https://ethikguide.org/blog/nachhaltige-festivals-feiern-mit-gutem-gewissen/

Ihr seid gefragt!

Welche nachhaltigen Ziele können sich Veranstaltende und Besuchende von Festivals über die 10 Ziele hinaus setzen?

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