Eine Meinung zu haben ist einfach. Fundierte Meinungen und Kommentare im Netz zu finden, ist dagegen nicht immer leicht. Ein interessantes Angebot für Lehrkräfte in den Gesellschaftswissenschaften stellt vor diesem Hintergrund die Plattform „Project Syndicate“ dar.
„Project Syndicate“ nennt sich selbst die „Meinungsseite der Welt“ und hat zum Ziel, Kommentare renommierter Autoren aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft weltweit zugänglich zu machen. Dafür beauftragt die Plattform Kolumnisten wie Jose Manuel Barroso, Javier Solana, Joschka Fischer, Kenneth Rogoff, Joseph Stiglitz, Robert Shiller oder Hans-Werner Sinn. Diese verfassen Leit- und Meinungsartikel zu aktuellen Themen, die dann von Zeitungen und Magazinen auf der ganzen Welt lizenziert werden können.
Kommentare in vielen Sprachen – von Englisch bis Russisch und Spanisch
Die Grundidee sieht vor, dass finanzkräftige westliche Medien für die Kolumnen höhere Preise bezahlen, finanzschwächere Medien aus Schwellen- und Entwicklungsländern wenig oder gar nichts. So sollen Medien weltweit in den Genuss von renommierten Kolumnisten kommen, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten.
„Project Syndicate“ übersetzt die Beiträge in bis zu 15 Sprachen, wobei nicht jeder Beitrag in jede Sprache übersetzt wird. Alle Beiträge sind auf Englisch, viele gibt es auch auf Deutsch, Französisch, Spanisch und Russisch. Als Einzelperson kann man nach Registrierung wenige Artikel pro Monat kostenfrei lesen, ein Abo kostet etwa 85 EUR pro Jahr.
Vornehmlich eher links-liberale Positionen
Die Themenschwerpunkte liegen auf Politik und Wirtschaft. Unterthemen sind u.a. Nachhaltigkeit, globale Entwicklungsfragen, Demokratie und Künstliche Intelligenz. So lohnt sich immer wieder der Blick auf die Seite für Inspiration und die Perspektiven bekannter Persönlichkeiten und fachlicher Experten auf gewisse Themen.
Dabei sind die Kolumnen auf der Plattform nicht gleichverteilt über das globale Meinungsspektrum, sondern stehen im Zeichen von freien und demokratischen Gesellschaften und tendieren zu eher linken und liberalen Positionen. Initiator war der ungarisch-amerikanische Investor George Soros. Finanzielle Unterstützung erhält „Project Syndicate“ von dessen Stiftung „Open Society Foundations“ genauso wie von der „Bill & Melinda Gates Foundation“, der „European Climate Foundation“, der Heinrich-Böll und der Friedrich Ebert Stiftung und anderen mehr.
Wenn man sich dieser grundsätzlichen Provenienz bei der Einordnung der Kommentare bewusst ist, findet man auf „Project Syndicate“ regelmäßig interessante Beiträge weltweit renommierter Autoren zu einer Vielzahl an Themen, die sich wunderbar für die eigene Reflexion oder für den Einsatz im Unterricht eignen.
Einbettung im Unterricht
Die Kommentare von „Project Syndicate“ lassen sich auf vielfältige Weise im Unterricht einsetzen.
- In Politik, Wirtschaft und Gesellschaftslehre können sie als Ausgangspunkt für inhaltliche Diskussionen zu den behandelten Themen dienen.
- Oft werden Themen auch über einen längeren Zeitraum hinweg behandelt und verschiedene Beiträge können gegenübergestellt werden.
- Durch die professionellen Übersetzungen können die Beiträge auch im bilingualen Unterricht oder in Fremdsprachenklassen eingesetzt und das Leseverständnis durch den späteren Abgleich mit der deutschen Textversion (sofern vorhanden) überprüft werden.








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