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54. Deutscher Historikertag in Leipzig: Ein Interview mit PD Dr. Thomas Urban

Vom 19. bis zum 22. September 2023 findet der 54. Deutsche Historikertag in Leipzig statt. Neben dem fachlichen und sozialen Austausch gibt es in diesem Jahr spannende Programmpunkte, auch der Ernst Klett Verlag ist dieses Jahr mit unterschiedlichen Vorträgen und Workshops dabei. Um euch einen genaueren Einblick in den 54. Deutschen Historikertag zu geben, haben wir ein Interview mit dem Geschäftsführer des diesjährigen Ortskomitees, PD Dr. Thomas Urban, geführt.

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Herr Dr. Urban, Sie sind Geschäftsführer des Ortskomitees zum 54. Deutschen Historikertag 2023 in Leipzig. Was genau ist der Deutsche Historikertag und welche Ziele verfolgt der mehrtägige Kongress?

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Sie sind Privatdozent an der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Regionalwissenschaften der Universität Leipzig. Welche Verbindung haben Sie zum Deutschen Historikertag und wie kamen Sie dazu, Teil des Ortskomitees zu werden?

Thomas Urban: In den letzten Jahren, und vor allem während meiner Habilitation, bin ich nicht so stark mit den Facetten der Geschichtswissenschaft in Berührung gekommen. Da habe ich mich eher interdisziplinär bewegt und gemeinsam mit Forschenden gearbeitet, beispielsweise aus der Ökonomie, Soziologie und Psychologie. Das hat mit meinem Thema zu tun, der Krisenfestigkeit von Unternehmerfamilien im 20. Jahrhundert. Deswegen habe ich den Historikertag zu dieser Zeit eher aus der Ferne wahrgenommen.

Ich kam zum Ortskomitee durch meine in Leipzig abgeschlossene Habilitation und meine Tätigkeit als Assistent bei Herrn Prof. Markus Denzel an der Professur für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität, war zuvor an mehreren Universitäten im Projektmanagement tätig, und für mich war es nach Abschluss der Habilitation dann der Reiz in Leipzig mit einer neuen Stelle verlängern zu können, und prominent jetzt dieses große Event mit vorzubereiten.

Die Universität Leipzig als einer der zentralen Austragungsorte für Veranstaltungen des 54. Historikertages.

Erfahren Sie mehr über Dr. Urbans Forschungsprojekte hier.

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Der 54. Deutsche Historikertag findet zum ersten Mal seit der Pandemie in Präsenz statt. Was für ein Programm erwartet die Teilnehmenden in diesem Jahr?

Thomas Urban: Es gibt mehr als 100 Veranstaltungen, das sind Fachsektionen, also das Kernprogramm und drum herum noch einige andere Formate, wie Mitgliederversammlungen, diverse Vernetzungstreffen von Vereinen, Initiativen und Personengruppen innerhalb der Community historisch Forschender. Insgesamt erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Programm, das wieder aktuelle Debatten und drängende Themen in aller Breite aufgreift wie die Arbeitsbedingungen ukrainischer Historikerinnen und Historiker in Zeiten des Krieges. Wir werden mehrere Diskussionsveranstaltungen mit Ukraine/Russland-Bezug haben, aber auch Themen wie der Einfluss der Künstlichen Intelligenz auf das Fach Geschichte. Schlagwort dieser Veranstaltung ist „Geschichte aus der Maschine“- geht das überhaupt?

Es ist eine große Palette an Themen, die nicht-zeithistorischen Themen bleiben dabei aber nicht auf der Strecke. Es wird viele Brückenschläge zwischen den einzelnen Epochen, zwischen der Alten Geschichte und der Gegenwart geben. Und es wird auch gezielt „Übersetzungsleistungen“ geben, und ich glaube, gerade diese Übersetzungsleistungen werden hoffentlich die Würze dieses Historikertages ausmachen und der Veranstaltung eine gewisse Dynamik und Frische verleihen. Wir verzichten zwar in Leipzig das erste Mal seit längerer Zeit offiziell auf ein Partnerland, trotzdem haben wir bei der Vorbereitung und Auswahl der Veranstaltungen sehr stark auf eine hohe Internationalität der Sektionsbeteiligten und der Themen Wert gelegt.

Bilder vom Deutschen Historikertag 2016 in Hamburg und 2018 in Münster

vlnr: Ulrich Bongertmann, VGD / Dr. Marco Dräger, 3. Platz / Saskia Ahlers, 1. Platz / Katharina Kaiser, 2. Platz / Lorenz Steinert & Cordula Rodenberg, EKV
Lorenz Steinert & Cordula Rodenberg, EKV / Ulrich Bongertmann, VGD / Anna-Katharina Nolte, 2. Platz / Sylvia Steglich, 1. Platz / Dr. Peter J. Droste, VGD

Die Gewinnerinnen und der Gewinner des Nachwuchswettbewerbs Geschichte beim Historikertag Hamburg 2016 und Münster 2018.

vlnr: Ulrich Bongertmann, VGD / Dr. Marco Dräger, 3. Platz / Saskia Ahlers, 1. Platz / Katharina Kaiser, 2. Platz / Lorenz Steinert & Cordula Rodenberg, EKV.

vlnr: Lorenz Steinert & Cordula Rodenberg, EKV / Ulrich Bongertmann, VGD / Anna-Katharina Nolte, 2. Platz / Sylvia Steglich, 1. Platz / Dr. Peter J. Droste, VGD.

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Der Deutsche Historikertag gilt als einer der größten geisteswissenschaftlichen Kongresse Europas. Was zeichnet den Kongress aus und welche Veranstaltungen und Vorträge für das Lehrer:innenprogramm sind in diesem Jahr geplant?

Thomas Urban: Den Kongress zeichnet eine größere Vielfalt aus, das schlägt sich auch auf das Lehrer:innenprogramm nieder. Es gibt eine Bandbreite an Themen von der unsicheren Urgeschichte, also der Frage, wie unsicher die Faktenlage bei der Urgeschichte ist, über den aktuellen Stand und vielleicht auch Zustand der Mittelalterforschung bis zur Geschichte des Geschichtswettbewerbes des Bundespräsidenten.

Und wenn ich nochmal näher auf das Lehrer:innenprogramm eingehe, dann wird es am 22. September einen Eröffnungsvortrag zu „Fake News und Verschwörungstheorien in der Geschichte der USA“ geben, da haben wir also wieder den direkten Bezug zum Motto des 54. Deutschen Historikertages. Im Laufe des Vormittages am 22.September wird es vier Workshops geben, die parallel stattfinden, und auch da ist eine Spannbreite an Themen garantiert:

  • Von dem Podcast des VDG „historycast“,
  • über trimediale Geschichtsformate,
  • den Einfluss der Digitalisierung, KI und Algorithmen auf den Geschichtsunterricht,
  • bis hin zum Extremismus in der Schule mit Tipps für Lehrkräfte zum Umgang mit dem Thema.

Zudem bildet sich die Vielfalt des Lehrer:innenprogramms gerade auch in den Themen der vier Workshops am 22. September ab.

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Gibt es etwas, was Sie für den 54. Deutschen Historikertag neu angegangen sind?

Thomas Urban: Das Publikum des Deutschen Historikertages hat sich in den vergangenen 20 Jahren ständig verjüngt. In Leipzig waren wir uns mit dem Verband schnell einig, dass wir diesen Weg konsequent weiterführen möchten, durch Angebote verschiedener Vernetzungstreffen. Die Promovierenden und Promovierten werden eigene Vernetzungsangebote haben, auch die Gruppe der „Young Professionals“ – jeder Gruppe wird ein entsprechendes Forum für den Austausch geboten.

Dabei wird von den Communities erwartet, dass neue Formate ausprobiert werden. Als Beispiel wird der ehemalige „History-Slam“, der in den vergangenen Jahren teilweise einen größeren Wettbewerbsdruck erzeugt hat, jetzt als Pub Quiz in der Moritzbastei stärker im Bereich des Spielerischen veranstaltet. Ein zweites Beispiel ist die Posterausstellung der Promovierenden. Gegenüber zu Münster 2018 gibt es die Neuerung, dass man jetzt das Format durch digitale Zusatzangebote, die auf den Postern über QR-Codes abrufbar sind, erweitert hat. Das wird in Leipzig erstmals ausprobiert und wir hoffen, dass das gut angenommen wird.

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Welche Möglichkeiten der Interaktion bzw. des Austausches gibt es in diesem Jahr, vor allem für Lehrkräfte?

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Was ist Ihr Resümee als Geschäftsführer und wo sehen Sie die Zukunft des Deutschen Historikertages?

Thomas Urban: Ich habe unheimlich viel in der neuen Position als Geschäftsführer des Historikertages gelernt. Ich musste mir Dinge aneignen, die ich mir vorher als Forscher nicht aneignen musste. Natürlich ist immer ein vertrauensvolles Verhältnis mit dem Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands in Frankfurt elementar wichtig, wenn es um die Vorbereitung geht. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit Sprecherinnen und Sprechern des Ortskomitees. Ich habe viele Akteurinnen und Akteure aus den verschiedensten Fachbereichen und Gewerken – und letztlich auch die Universität Leipzig näher, wenn nicht gar neu kennengelernt.

Wie die Zukunft des Historikertages aussieht – man kann sich vorstellen, seit dem ersten Treffen 1893 ist der Historikertag nicht nur zeitlich, sondern auch vom organisatorischen Aufwand, Umfang und den Teilnehmendenzahlen her enorm gewachsen. Er ist mittlerweile auch zu einem Unternehmen geworden, das von Agenturen u.a. bei der Registrierung und beim Design unterstützt wird, aber auch die Finanzausgaben müssen dabei im Blick behalten werden, weil die Formate aufwändiger werden und die Erwartungen wachsen. Der Stab an Mitarbeitenden in Frankfurt und dem jeweiligen Austragungsort bleibt aber verhältnismäßig gering. Hier wäre mein Wunsch für die Zukunft, dass, bei allem Wachstum und zunehmender Professionalisierung, die Freude an der persönlichen Begegnung und am persönlichen Austausch bestehen bleibt, um auf dieser Basis mit Demut, Fairness und Scharfsinn über Argumente und Themen streiten zu können.

Eine Übersicht über den Eröffnungsvortrag, die Preisverleihung und den vier Workshops des Ernst Klett Verlags:

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Über den Autor

Francesca Huke-Gaspar

Hey, ich bin Francesca! Als Absolventenpraktikantin unterstütze ich tatkräftig das Blogteam von GeWi-im-Unterricht und schreibe zudem auch für unseren Deutsch-Blog. Viel Spaß beim Lesen der Artikel!

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