Philip Manow: diverse Titel (Suhrkamp)
Philip Manow ist Professor für Politikwissenschaft und Internationale Politische Ökonomie an der Universität Siegen und beschäftigt sich in seinen Werken vor allem mit einem Thema: dem Zustand der (liberalen) Demokratie im Angesicht eines immer weiter erstarkenden Populismus. Dabei kommt er auf nüchtern analytischem Wege zu immer wieder interessanten Thesen und Erkenntnissen, bleibt dabei erfreulich sachlich und erstaunlich prägnant. Die Werke sind durchweg knapp gehalten und schnell gelesen, in Stil und Sprache aber ganz klar im akademischen Milieu angesiedelt. Für alle, die sich vor verzwickten Sätzen, verwinkelten Gedanken und verzweigten Wortkreationen nicht fürchten eine spannende Lektüre-Reihe zu einem der drängendsten Themen unserer Zeit.
Peter Heather und John Rapley: Stürzende Imperien – Rom, Amerika und die Zukunft des Westens (auf Deutsch bei Klett Cotta)
Die Frage, wie und warum mächtige Reiche irgendwann doch wieder schrumpfen, zerfallen oder gar „stürzen“, beschäftigt seit jeher die Gesellschaftswissenschaften. Eines der prominentesten Werke in dieser Hinsicht ist „Decline and Fall of the Roman Empire“ von Edward Gibbon, erstmals 1776 bis 1789 veröffentlicht. Bis heute wird die These, das Römische Reich sei zwischen Dekadenz im Innern und „wilden Horden“ an den Außengrenzen zerrieben worden, im politischen Diskurs häufig als Argument für traditionelle Werte, strenge Grenzkontrollen und Nationalismus herangezogen. Peter Heather, Historiker in Oxford, und John Rapley, politischer Ökonom in Cambridge, greifen genau diese Gedankengänge auf und dekonstruieren sie auf Basis neuester Forschungen und mit einem tiefen Verständnis für die Komplexität von gesellschaftlichen und geopolitischen Dynamiken und Interdependenzen. Mit weniger als 300 Seiten angenehm prägnant und erfreulich zugänglich zu lesen.
Siddharth Kara: The Zorg (St. Martin’s Press)
Ein faszinierender, aber genauso erschütternder Einblick in die Abgründe des Sklavenhandels basierend auf historischen Tatsachen. Die „Zorg“, ein holländisches Sklavenschiff, wird 1781 vor der Küste von Westafrika von den Briten gekapert und völlig überladen und mit einer unerfahrenen Besatzung in Richtung Südsee geschickt. Die Zustände an Bord werden selbst für die Verhältnisse von Sklaventransporten unerträglich, hunderte Sklaven finden grauenvoll den Tod. Die Ereignisse werden später vor einem Londoner Gericht detailliert aufgearbeitet und sind daher so gut dokumentiert wie kaum eine andere Fahrt aus jener Zeit. Vielleicht keine leichte Sommerlektüre, aber ein Buch für Geschichtsinteressierte, das mit Sicherheit in Erinnerung bleibt. Aktuell leider nur auf Englisch verfügbar.
Herman Melville: Moby Dick (dtv)
Ein Buch das jeder kennt – aber wer hat es gelesen? Je nach Ausgabe abschreckende 600 bis 1.000 Seiten; die Erstveröffentlichung über 150 Jahre her; die Protagonisten, die Geschichte und das Ende wohlbekannt; und dennoch lohnt dieses Buch gelesen zu werden! Die Einblicke in die Walfangmethoden längst vergangener Zeiten faszinieren genauso wie jene in die seelischen Abgründe eines Getriebenen, der von Anfang an die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens zu ahnen scheint und sich ihm trotzdem – oder gerade deshalb – nicht entziehen kann. Die unbestreitbaren Längen einiger Passagen lassen die Endlosigkeit erahnen, denen sich Matrosen auf hoher See gegenüber sehen; und sie kontrastrieren umso mehr mit der hektischen Verdichtung, wenn tatsächlich eine Waljagd beginnt. Ob mit historischer, psychologischer oder soziologischer Brille: nicht ohne Grund ein Klassiker; nicht ohne Grund sicherlich häufiger zitiert als gelesen; und nicht ohne Grund eine dringende Empfehlung für die Ferien, egal ob am Strand, auf hoher See oder in den Bergen!








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