Seit einigen Jahren produzieren die Redaktionen der Gesellschaftswissenschaften im Klett-Verlag aufwendige 3D-Erklärvideos – zum Klimawandel, zum Mittelalter, zur Industrialisierung oder zur deutsch-deutschen Geschichte. Die Videos sind auf die Inhalte der Schulbuchseiten abgestimmt und lassen sich leicht thematisch einsetzen. Eine der jüngsten Produktionen fällt etwas aus dem Rahmen, denn sie macht das Schulbuch selbst zum Thema.
Wer bestimmt, was im Geschichtsschulbuch steht?
Geschichte beschäftigt sich mit der Vergangenheit. In der Geschichte der Menschheit ist an vielen Orten der Welt gleichzeitig unendlich viel passiert. Das ist viel zu viel, um alles im Geschichtsunterricht zu behandeln. Daher fragen sich die Schulkinder Zeynep und Ben im Erklärvideo eingangs: Wer bestimmt eigentlich, was in unserem Geschichtsschulbuch steht und was nicht?
An anschaulichen Beispielen erklärt das Erklärvideo zentrale Prinzipien der Geschichtswissenschaft und ihrer Didaktik. Nicht alles kann im Unterricht thematisiert werden (Exemplarität), die verschiedenen Dimensionen von Geschichte spielen eine Rolle, z.B. Kaiser und Könige (Herrschaftsgeschichte), aber auch arme und reiche Menschen (Sozialgeschichte) oder Männer und Frauen (Gendergeschichte). Das Video erklärt, dass Geschichte auf verschiedenen Ebenen betrachtet wird (von der Weltgeschichte bis zur Lokalgeschichte) und auch bestimmte Prinzipien eine Rolle spielen – z.B. Gegenwartsbezüge oder Multiperspektivität. Diese Anforderungen schlagen sich in Lehr- und Bildungsplänen nieder, die die Grundlage für Schulbücher bilden. Klingt theoretisch? Im Erklärvideo wird es anschaulich und lebendig erläutert.
Doch nicht allein was gelernt wird, ist entscheidend, sondern wie gelernt wird. Auf die Kompetenzorientierung im Geschichtsunterricht geht das Erklärvideo im zweiten Teil ein. Die Schülerinnen und Schüler lernen, warum ein Geschichtsschulbuch Methodenseiten enthält – und was man mit Methodenkompetenz aus dem Geschichtsunterricht anfangen kann, wenn man z.B. im Internet unterwegs ist.
Weitere Akteure und Faktoren
Schließlich bestimmen auch die Autorinnen und Autoren des Schulbuchs über die Form der Aufbereitung und über manche Inhalte. Genauso wie die Redaktion des Verlages, der das Schulbuch produziert. Das Autorenteam muss Inhalte auswählen, weglassen, veranschaulichen, vereinfachen. Beraterteams achten darauf, dass es fachlich korrekt bleibt. Manchmal entscheiden auch Lizenzfragen oder Kosten darüber, ob Texte, Bilder oder Audios in einem Schulbuch erscheinen können oder nicht. In vielen Bundesländern müssen Schulbücher genehmigt werden. Dabei prüfen die Gutachterinnen und Gutachter die Inhalte und die Art der Aufbereitung. Manchmal müssen danach noch Änderungen vorgenommen werden, bevor der Verlag drucken darf.
Schließlich entscheidet ihr – bzw. die Fachkonferenz an eurer Schule – darüber, welches Lehrwerk ihr einführen wollt. Zeyneps und Bens Ausgangsfrage, wer eigentlich bestimmt, was im Geschichtsschulbuch steht, lässt also nur eine Antwort zu: sehr, sehr viele verschiedene Menschen.

Eine Autorin und ein Autor schreiben eine Schulbuchseite. Szene aus einem Klett-Erklärvideo
(Quelle: creanovo – motion & media design GmbH, Axel Kempf, Hannover)
Das Erklärvideo und die dazu passenden Kopiervorlagen
Hier könnt ihr euch das Erklärvideo anschauen:

Sichert euch auch die kostenlosen Kopiervorlagen zum Erklärvideo:
Einbettung im Unterricht
Das Schulbuch – eine Darstellung von Geschichte
Gute Geschichtsschulbücher sind mit Sorgfalt und von Expertenteams erstellt, folgen einer fachdidaktischen Konzeption und wurden oftmals begutachtet – die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte können ihren Schulbüchern vertrauen. Schulbücher enthalten gesichertes Wissen wie Fakten, Zahlen, Einordnungen. Schulbücher legen klare Beurteilungs- und Bewertungsmaßstäbe an: die Werte der behandelten Zeit (Fremdverstehen) und die Werte der heutigen Zeit (Menschenrechte, Grundgesetz). Dennoch: Ein Schulbuch ist eine mögliche Darstellung der Geschichte, für die sich Verlag und Autorenteams zu einem bestimmten Zeitpunkt entschieden haben – mit einer ganz bestimmten Art der Aufbereitung und Auswahl von Texten, Quellen und Materialien. Viele einzelne Entscheidungen hätte man auch anders treffen können oder würde sie – je nach Alter des Schulbuchs – nach wenigen Jahren vielleicht anders treffen. In Schulbüchern spiegeln sich gesellschaftliche Debatten, aktuelle und vergangene Geschichtsbilder, die Gegenstand einer Reflexion sein können. Es ist also möglich und sinnvoll, dass Schülerinnen und Schüler sich im Unterricht kritisch mit ihrem Geschichtslehrwerk beschäftigen oder zumindest erkennen können, dass ein Schulbuch „nicht vom Himmel fällt“. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe – das Erklärvideo kann dabei helfen.








Hinterlasse einen Kommentar