Rungholt ist nur halb so bekannt wie das griechische Atlantis – dabei versank diese ebenfalls bemerkenswerte Hafenstadt am 16. Januar 1362 quasi direkt vor unserer Haustür im heutigen UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer bei Nordstrand bei der ersten großen „Mandränke“. Erst letztes Jahr konnten Forschende den Standort der Kirche in Rungholt ermitteln. Jetzt steht unumstößlich fest: Rungholt ist mehr als eine Legende.
Ein guter Anlass, die Themen Wattenmeer, Gezeiten und Sturmflut im Unterricht zu behandeln. Den Beginn macht das Thema Gezeiten.
Der Untergang von Rungholt
Detlef von Liliencrons schrieb 1882/83 seine berühmte Ballade „Trutz, blanke Hans“ über ein Monster, das quasi nur darauf wartet, Rungholt zu zerstören. Und es dauerte 56 weitere Jahre, bis man erste Reste des historischen Rungholts im Watt fand und aus dem Mythos Realität wurde. Heute wissen wir sicher, dass Rungholt existierte, denn erst kürzlich wurde die Kirche der Stadt im Wattboden entdeckt.
Etwa 2000 Menschen lebten 1362 in dieser nordfriesischen Hafenstadt, die der damaligen Größe von Kiel entsprach und als Symbol für den Mut oder sogar Übermut der Nordfriesen gelten könnte. Denn man baute die Häuser auf gerade einmal 3 m hohen Warften, förderte die Erosion selbst durch massiven Salztorfabbau und scheinbar niemand untersuchte den Untergrund der Stadt. Denn Rungholt war auf Sand gebaut, statt auf der in unmittelbarer Nähe liegenden eiszeitlichen Geest.
Als Sonne, Mond und Erde zu dieser Zeit auf einer Linie lagen und alle Zeichen auf Sturmflut standen, drückte der für die Küstenregion so berühmte Westwind das Wasser vermutlich mehrere Tage lang an die Küste, sodass das Watt nicht mehr trockenfiel. Die Sommerdeiche weichten auf, und Rungholt ging schließlich in den Wellen des Blanken Hans unter.
Einbettung im Unterricht
Das sagenhafte und für Norddeutschland so reale Ereignis des Untergangs einer nordfriesischen Stadt in einer Sturmflut bietet sich an, um im Geographieunterricht der Klassen 5 – 8 Themen wie Gezeiten oder Naturgewalten daran zu bearbeiten.
In diesem ersten Teil finden Sie unten zum Download als Einstieg die „Lernwerkstatt Wattenmeer und Gezeiten“ (Dauer 45 min). Diese legt die Basis für den zweiten Teil – das legendäre Rungholt.
Schüler:innen können jeweils ausgerüstet mit Tablet und Kopfhörern (privat mitbringen lassen) selbstständig in diese Lernwerkstatt abtauchen. Die Rolle der Lehrkraft reduziert sich während der Bearbeitung auf die Beratung bei Schwierigkeiten mit Medien und eine abschließende Besprechung des Themas.
Lernerfolge der Werkstätten „Wattenmeer und Gezeiten“ und „Rungholt“
(hier mit Bezug zu den Fachanforderungen Geographie Schleswig-Holstein)
a) Gezeiten und Springtide (F2 – Fähigkeit, Räume unterschiedlicher Art und Größe als naturgeographische Systeme zu erfassen …)
b) Verortung von Sylt, Nordstrand, Pellworm und Rungholt auf einer Karte (O3 – Fähigkeit zu einem angemessenen Umgang mit Karten (Kartenkompetenz) …)
c) Rungholt versinkt 1362 durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren (F2 – Fähigkeit, Räume unterschiedlicher Art und Größe als naturgeographische Systeme zu erfassen … // F4 – Fähigkeit, Mensch-Umwelt-Beziehungen in Räumen unterschiedlicher Art und Größe zu analysieren // M2 – Fähigkeit, Informationen zur Behandlung von geographischen / geowissenschaftlichen Fragestellungen auszuwerten // B2 – Fähigkeit, ausgewählte geographisch / geowissenschaftlich relevante Informationen aus Medien kriteriengestützt zu beurteilen …)


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