Teil drei unserer Serie zum UNESCO Weltnaturerbe schleswig-holsteinisches Wattenmeer behandelt die Region als Fremdenverkehrsziel. Durch den Tourismus an der Nordseeküste und im Wattenmeer entstehen allerdings Nutzungskonflikte. Nun ist die spannende Frage: Gibt es hier Overtourism? Und wenn ja, was bedeutet das für den Naturraum und die dort lebenden Menschen?
Das Thema Tourismus in den schleswig-holsteinischen Klassenstufen
Im Geographieunterricht wird in den schleswig-holsteinischen Klassenstufen 5, 6, 7/8 und E das Thema Tourismus in den Fachanforderungen erwähnt (siehe Tabelle). Folglich ist hier Raum für regionale Beispiele, wie das schleswig-holsteinische Wattenmeer. Touristinnen und Touristen reisen gern in die Region. Doch vielleicht zu gern? Gibt es hier einen „Übertourismus“?

| Klassenstufe | Fachanforderungen (verbindliche Themen) |
|---|---|
| Klasse 5 | Facetten der Industrie und Dienstleistung in Schleswig-Holstein und Deutschland – Standorte, Entstehung, weltwirtschaftliche Bedeutung |
| Klasse 6 | Tourismus in verschiedenen Landschaftszonen Europas |
| Klasse 7/8 | Südostasien – Kulturelle Vielfalt und wirtschaftliche Dynamik durch globale Einflüsse |
| E Phase | Regionale/lokale Beispiele für nachhaltige Raumnutzung und Raumnutzungskonflikte in Metropolen und im Stadt-/Land-Kontinuum, Raumplanungsprojekt |
Nordseeküste und Wattenmeer zwischen Tourismus und Nachhaltigkeit

Als regionales Beispiel bietet sich die schleswig-holsteinische Küstenregion für die Inhalte in den Fachanforderungen an. So könnte man die Region im Vergleich zu Mallorca (Klasse 6) betrachten. Ebenso wie dort sind an der Nordseeküste die wirtschaftlichen Einnahmen von sehr großer Bedeutung. Da an beiden Destinationen die Touristenzahlen zunehmen, werden Einwohnerinnen und Einwohner sowie Naturraum vor Herausforderungen gestellt. Es ist daher sehr wichtig, auf Nachhaltigkeit zu achten.
Beim schleswig-holsteinischen Wattenmeer kommt hinzu, dass es UNESCO Weltnaturerbe ist. Somit sind im Hinblick auf den Tourismus Nutzungskonflikte quasi vorprogrammiert.
Einbettung im Unterricht
Einstieg – Tourismus an der Nordseeküste und im Wattenmeer:
Zunächst berichten die Schülerinnen und Schüler über ihre Erlebnisse aus einem Urlaub an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. Danach arbeitet die Lehrkraft heraus, dass das Wattenmeer ein wichtiges und stark frequentiertes Urlaubsziel ist. Anschließend wird die Frage nach einem möglichen Overtourism in der Region aufgeworfen (einschließlich einer Klärung des Begriffes).
Erarbeitung – die Nordseeküste zwischen Tourismus und Nachhaltigkeit:
Im ersten Schritt beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe der Angaben und Links im Artikel und/oder einer freien Recherche mit der Bedeutung des Tourismus an der Nordseeküste. Darauffolgend sollen Konflikte im Hinblick auf die Einwohnerinnen und Einwohner sowie den Naturraum beleuchtet werden, welche durch die touristische Nutzung entstehen. Beispielsweise könnte in einer Gruppenarbeit diskutiert werden, wie man sich als Touristin und Tourist verhalten sollte, um ökologisch und sozial nachhaltig zu handeln.
Ergebnissicherung – Overtourism am Wattenmeer?
Schließlich werden die Ergebnisse der Arbeitsschritte in einer Präsentation durch die Schülerinnen und Schüler vorgestellt oder im L-S-Gespräch gesammelt.
Sachanalyse zu St. Peter Ording und Sylt als Touristenziele an der Nordseeküste
Zur Bearbeitung der Leitfragen bieten sich die „Zugpferde“ des Tourismus an der schleswig-holsteinischen Küste an – Sylt und St. Peter Ording. Sie sind äußerst beliebt. So kamen 2011 über drei Millionen Gäste nach Sylt, um dort durchschnittlich 5,7 Tage zu bleiben. Im Jahr 2023 waren es schon über 4,7 Millionen Besucherinnen und Besucher mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 6,1 Tagen. Jedoch entwickeln sich die Einwohnerzahlen gegenläufig. Denn 2000 lebten 15 063 Menschen auf Sylt, während es 2023 nur noch 13 679 waren. Somit kam die Frage auf: Verdrängen die Touristinnen und Touristen auf Sylt langsam die Ortsansässigen?
Ein ähnliches Bild zeigt sich für St. Peter Ording. So zählte das Strandbad 2023 bei 4000 Einwohnerinnen und Einwohnern 2,75 Millionen Übernachtungen. Dies bedeutete gegenüber 2022 ein Plus von 8 Prozent. Mehr Touristinnen und Touristen also und folglich auch mehr Nutzungskonflikte: Beispielsweise wildern Hunde in Dünengebieten. Zudem haben sich im Ort die Immobilienpreise stark verändert. Sie sind derart gestiegen, dass sich viele Einwohnerinnen und Einwohner den Kauf einer Immobilie nicht mehr leisten können. So ist seit dem zweiten Quartal 2020 der Preis pro Quadratmeter um 22 Prozent gestiegen, und zwar von 4.402 €/m² auf aktuell 5.375 €/m².
Sachanalyse zur finanziellen Bedeutung des Tourismus für die Nordseeküste
Im Jahr 2022 erreichte die Bruttowertschöpfung des Tourismus in Schleswig-Holstein über zehn Milliarden Euro. Das sind 6,9 Prozent mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019. Zudem lag 2022 das touristische Steueraufkommen bei knapp 940 Millionen Euro. Laut des Masterplans 2024-2030 erreicht die Nordseeküste eine Bruttowertschöpfung von 1,7 Milliarden Euro pro Jahr. Damit trägt der Tourismus an der Nordseeküste 35 Prozent zum BIP bei. Dies ist im Vergleich zum Durchschnitt in Schleswig-Holstein (6 Prozent) sehr viel. Und tatsächlich beziffert der Masterplan der Landesregierung die soziökonomische Bedeutung des Tourismus an der Nordseeküste als bedeutend:
- So beträgt die Tourismusintensität in Dithmarschen 15, in Nordfriesland 65 und in Schleswig-Holstein 13. Zur Berechnung der Tourismusintensität wird die Anzahl der Übernachtungen (inkl. Zweitwohnungen) bezogen auf einen Referenzzeitraum (Jahr) bzw. innerhalb einer Hochsaison durch die Fläche in Quadratkilometern geteilt.
- Zudem haben 40 Prozent der Einwohnerschaft einen wirtschaftlichen Bezug zum Tourismus.
- Außerdem steigert der Tourismus die Lebensqualität.
- Und auch der Freizeitwert für die Einwohnerinnen und Einwohner steigt durch Freizeiteinrichtungen, Events, Restaurants und Cafés.
- Des Weiteren ist für die Aufrechterhaltung vieler Einrichtungen der Daseinsvorsorge der Tourismus unverzichtbar.
- Und schließlich beurteilen 58 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner im Reisegebiet Nordsee Schleswig-Holstein die Auswirkungen des Tourismus auf den eigenen Wohnort als überwiegend positiv oder eher positiv.
Quellen zu Tourismus und Nordseeküste:
- Tourismus Schleswig-Holstein: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Zu-viel-Tourismus-Wenn-Einheimische-auf-der-Strecke-bleiben,overtourism100.html
- Statistische Angaben:https://de.statista.com
- Region Nord statistische Angaben: https://region.statistik-nord.de/detail_timeline/13/1102/1/1/347/135932/
- Immobilienpreise Schleswig-Holstein: https://atlas.immobilienscout24.de/orte/deutschland/schleswig-holstein/nordfriesland-kreis/sankt-peter-ording#
- Wirtschaftsfaktor Tourismus: https://www.sgvsh.de/fileadmin/dokumente-verband/Engagement/Tourismus/Wirtschaftsfaktor/Wirtschaftsfaktor-Tourismus-SH-2015.pdf
- Tourismus im Norden: https://www.abendblatt.de/region/article239146847/Tourismus-Umsatz-im-Norden-erstmals-ueber-zehn-Milliarden.html
- Masterplan Nordsee: https://www.nordseetourismus.de/fileadmin/nts/Bilder/Business/Masterplan-Kurzfassung-23-web-ES.pdf


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