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Unterrichtsimpuls Kaffee (Teil 2/4): Kaffee und die ungleiche Verteilung seiner Wertschöpfung

Dieser Unterrichtsimpuls ist die Fortsetzung des Artikels „Genussmittel Kaffee – mehr als nur ein wachsender Trend?“ aus der Unterrichtsreihe „Kaffee“. Hier wird das Thema „Kaffeegeschäft/Produktion“ weiter vertieft. 

Der Kaffeegürtel

Kaffee wird vor allem in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien produziert. Die idealen Anbaubedingungen dafür bietet der sogenannte Kaffeegürtel, der um den Äquator herum liegt und zu dem einige der Haupterzeugerländer gehören. Das Kaffeegeschäft wird auf etwa 200 Milliarden US-Dollar (165 Milliarden Euro) jährlich geschätzt. Insbesondere die Länder des Globalen Südens profitieren davon. Dagegen erhalten die Anbauländer vom Umsatz nur circa ein Zehntel.

Kaffeeanbau

Kaffee wird vorwiegend in Mittel- und Südamerika sowie Afrika und Asien angebaut. In Lateinamerika und Afrika wird hochwertiger Arabica-Kaffee produziert, in Südostasien steht die Robusta-Kaffeesorte an erster Stelle. Kolumbien, Brasilien und Honduras stellen die weltweit besten Arabica-Bohnen her. Der Kaffeegürtel umfasst ein geografisches Gebiet um den Äquator, in dem die Kaffeepflanzen aufgrund des tropischen Klimas besonders gut wachsen. In dieser Region zwischen dem 23. Breitengrad nördlicher und dem 25. Breitengrad südlicher Breite werden auf 10 Millionen Hektar Kaffeepflanzen angebaut. Je nach Kaffeesorte ist die Kaffeebohne auf eine andere Anbauregion (Hoch- oder Flachland) angewiesen, um Geschmack, Farbe und Reife bestmöglich zu entfalten. Hauptanbaugebiete sind Brasilien, Vietnam, Kolumbien, Indonesien und Äthiopien. So stellte Brasilien 2020 beispielsweise 4 Millionen Tonnen Rohkaffee her. In Vietnam waren es circa 1,74 Millionen Tonnen.

Kaffeeexport

Mit dem Kaffeegeschäft werden pro Jahr weltweit etwa 200 Milliarden US-Dollar eingenommen. Der höchste Anteil der Gewinne geht an die Konzerne in Europa sowie den USA. Generell haben sich die Kaffeeexporte in den letzten 30 Jahren in besonderem Maβ erhöht. So werden mehr als 36 Milliarden Dollar durch die Ausfuhr von Kaffee erwirtschaftet. Dabei spielt der Mehrwert eine zentrale Rolle. Das heißt, die Verarbeitung des Kaffees, zu der u. a. Rösten, Vermarkten und Verpacken gehört. Lediglich ein Zehntel der Jahreseinnahmen geht an jene Länder, die den Kaffee anbauen.

Ungleiche Gewinnbeteiligung

Gründe für die ungleiche Gewinnbeteiligung gibt es einige. Ein Hindernis ist z. B. das Transportproblem: Denn würde man die Bohnen bereits in den Anbauländern rösten, hätten sie nicht mehr den gleichen Geschmack, wenn sie in den Zielländern ankommen. Ein weiterer Aspekt ist die Vermarktung der Kaffeebohnen, für welche den Ländern in Lateinamerika oft die finanziellen Mittel fehlen. Der Küstenstaat Vietnam genieβt dabei eine Sonderrolle, da er mit der Kaffeesorte Robusta Mehrwert erzeugen konnte. Dies liegt daran, dass die Bohnen meist zu Instantkaffee verarbeitet werden und sich dieser problemlos transportieren lässt. Auch in Bezug auf den Export von Röstkaffee lassen sich Fortschritte feststellen.

Neue Wege im Kaffeegeschäft

Das Kaffeegeschäft ist von einem Überangebot geprägt, bei dem der Kaffee zu niedrigen Preisen bei einem geringen Einkommen produziert wird. Nötig sind neue Anbaumethoden sowie Schulungsprogramme, die dem entgegenwirken. Zudem wären klimafreundliche Anbauvarianten oder Kaffeealternativen sinnvoll. Beispielsweise hat ein Agrarökologe aus Honduras tradierte Anbaumethoden mit modernen Methoden verbunden. Dadurch werden nicht nur die Artenvielfalt gefördert, sondern den Kaffeebauern angemessene Einkommen gesichert. Des Weiteren gibt es Firmen, welche nicht nur die Kaffeebohnen, sondern auch die Kaffeekirschen aufkaufen und verwerten. Diese enthalten wertvolle Inhaltsstoffe und lassen sich zu Mehl weiterverarbeiten. In den USA gilt dieses Mehl sogar als Superfood.

Alternativen zu Kaffee

Eine Alternative zu Kaffee sind beispielsweise Lupinen. Die Hülsenfrüchte lassen sich rösten und wie Kaffee aufbrühen. Zudem können sie als Tofu- und Joghurtalternativen verwendet werden. Lupinen gelten als magenschonende Kaffeealternative. Darüber hinaus haben sie aufgrund der Transportwege und wasserarmen Erzeugung eine größere Klimafreundlichkeit. Diese und weitere Alternativen können neue Wege im Kaffeegeschäft beschreiten.

Einbettung im Unterricht

Für eine Unterrichtseinheit im GeWi- oder Geographieunterricht eignen sich die Themen Kaffeegeschäft/Produktion. Die Schülerinnen und Schüler lernen, in welchen Ländern Kaffeepflanzen angebaut werden. Zudem untermalen die Fakten, dass die Länder des Globalen Südens die gröβten Gewinne erzielen, obwohl der Kaffee in anderen Ländern produziert wird. Außerdem lernen die Schülerinnen und Schüler Beispiele kennen, die der Ungerechtigkeit im Kaffeegeschäft entgegenwirken. Nach diesem Impuls wird über das Kaffeegeschäft in Deutschland gesprochen. Hierzu nimmt die Lehrkraft Hamburg als Kaffeemetropole in den Blick.

Schritt 1:

Die Lehrkraft spielt Kahoot oder ein vergleichbares Quiz mit den Schülerinnen und Schülern. Denn das Spiel motiviert die Lernenden und bietet erste Fakten. So könnten erste Fragen sein:

  • Wie viele Kilotonnen Kaffee werden in … (Land) pro Jahr produziert?
  • Welches Land verdient viel Geld am Geschäft mit dem Kaffee, ohne diesen selbst zu produzieren?
  • Wie viele Cents verdient ein Kaffeebauer in Äthiopien am Tag?
  • Wie viele Milliarden Euro werden pro Jahr durch das Kaffeegeschäft erwirtschaftet?
  • Welcher Hafen ist der wichtigste für die Kaffeelieferung nach Europa?
  • Und wie viel Kaffee wurde im Jahr 2022 von Brasilien nach Deutschland importiert?

Schritt 2:

Die Lehrkraft zeigt den Schülerinnen und Schülern ein Bild des Kaffeegürtels. Anschließend stellt sie den Lernenden folgende Fragen:

  • Was ist der Kaffeegürtel?
  • Welche Länder gehören dazu?
  • Warum kann der Kaffee auf dem Kaffeegürtel so gut wachsen?
  • Und was vermutet ihr: Welche Länder gehören zu den vier Hauptanbaugebieten?

Danach spielt die Lehrkraft ein kurzes Lehrvideo zum Kaffeegürtel vor. Optional kann sie eine Powerpoint-Präsentation mit Karten und Informationen zeigen. Diese geht auf zentrale Aspekte ein, wie z.B. Anbaugebiete und Anbauflächen.

Schritt 3:

Die Lehrkraft teilt die Schülerinnen und Schüler in Gruppen auf. Jede Kleingruppe beschäftigt sich mit zwei Ländern, die Kaffee produzieren, sowie (als Pendant) mit zwei Ländern, welche ihn überwiegend konsumieren. Die Schülerinnen und Schüler überlegen, an welchen Leitfragen sie sich orientieren möchten. Dafür hier einige Beispiele: Welche Kaffeesorte wird produziert? Wie viele Tonnen Kaffee werden produziert? Wie viel Gehalt bekommt ein Kaffeebauer pro Tag? Und wie viel Kaffee wird in diesem Land konsumiert? Einige Fragen bereits vom Quiz (Einstieg in die UE) bekannt.

Ergebnisse:

Die Schülerinnen und Schüler bereiten in Gruppen- oder Partnerarbeit eine Präsentation vor. Dies kann ein Lehrvideo, eine PP-Präsentation oder ein Handout sein. Die Gruppen- oder Partnerarbeit kann über mehrere Unterrichtsstunden laufen, als Miniprojekt durchgeführt werden und/oder mit Arbeitsblättern unterstützt werden, welche die Lehrkraft verteilt. Zudem können die Lerngruppen ihre Ergebnisse auch auf einem Marktplatz ausstellen. Als Thema der Ausstellung eignet sich die Frage: Worauf sollten Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf von Kaffee achten?  Sinnvoll ist es, wenn die Lehrkraft den Schülerinnen und Schülern einige Quellen für die Recherche anbietet.

Lösungshinweise

Schritt 1:

  • Die Schweiz konsumiert sehr viel Kaffee, ohne ihn im eigenen Land zu produzieren.
  • Ein Kaffeebauer in Äthiopien erhält circa 29 Cent pro Tag.
  • Es werden jährlich 200 Milliarden US-Dollar mit dem Kaffeegeschäft erwirtschaftet.
  • Hamburg ist einer der wichtigsten Häfen für den Kaffeeimport nach Europa.
  • 2022 wurden rund 420.000 Tonnen Kaffee aus Brasilien nach Deutschland importiert.

Schritt 2:

  • Der Kaffeegürtel ist ein Gebiet, das um den Äquator herum liegt.
  • In dieser Region können die Kaffeepflanzen sehr gut wachsen, da hier ideale Wuchsbedingungen (Klima, Feuchtigkeit, …) herrschen.
  • Zum Kaffeegürtel gehören beispielsweise Kolumbien, Costa Rica, Mexiko und Äthiopien.
  • Zu den Hauptanbaugebieten zählen Brasilien und Äthiopien.
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Über die Autorin

Lisa Jakobi

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